Mr Beam: Lasercutter in Sicht

Mr Beam: Lasercutter in Sicht

Neben Eurem Drucker könnte sehr bald ein Lasercutter auf dem Schreibtisch stehen. Mr Beam arbeitet auf jeden Fall gerade mit Hochdruck daran, die ersten Geräte fertigen und ab Februar ausliefern zu lassen. Und zwar an ihre Kickstarter-Unterstützer, die dem Münchner Startup dazu verholfen haben, die zweiterfolgreichste Crowdfunding-Kampagne in Deutschland auf Kickstarter hinzulegen. Wie sie das geschafft haben, was der aktuelle Stand ist und wie es weitergeht berichtet uns Sven Rens (CFO) im Interview.

Sven, Ihr seid gerade in der heißen Phase: Im Februar sollen die ersten Lasercutter ausgeliefert werden. Was ist der aktuelle Stand?

Das Team mit unserem Interviewpartner Sven (ganz rechts) (© Mr Beam)

Aktuell haben wir das Sourcing so gut wie abgeschlossen. Das heißt, wir haben die Materialien, die wir für den ersten Batch brauchen, komplett eingekauft. Ein ordentlicher Kommunikationsakt liegt also hinter uns, bei dem Einkauf, Logistik und Produktion koordiniert werden mussten. Jetzt können die ersten Mr Beam der zweiten Generation in Serie gebaut werden. Wir lassen unseren Lasercutter in Thüringen bei einem Partner produzieren, mit dem wir auch nach unserer ersten Kickstarter-Kampagne zusammengearbeitet haben. Daraus ist eine gute Partnerschaft entstanden, auf die wir viel Wert legen. Auch, weil dieser Partner sehr viel Ahnung von Elektronik hat und uns mit seinem Know-how zur Seite steht. Außerdem sehen wir es als klaren Vorteil, in Fahrtweite von unserer Produktionsstätte entfernt zu sein. So können wir wenn die Produktion anläuft vor Ort sein, um mögliche Optimierungsmaßnahmen auf kürzestem Weg umzusetzen. Es sieht gut aus, dass die ersten Geräte noch im Februar ausgeliefert werden können.

Was genau unterscheidet Mr Beam der zweiten Generation von der ersten Variante?

Das erste Modell musste von den Kunden noch selbst zusammengebaut werden, DIY also. Was durchaus Sinn machte, denn es war ganz klar für die Maker-Szene gedacht. Als dann die Nachfrage auch außerhalb dieser Szene immer größer wurde und der Kundenwunsch in Richtung eines „fertigen Produkts“ ging, erkannten wir das Marktpotenzial. Und mussten dafür Mr Beam I weiterentwickeln: Mr Beam II kommt deswegen jetzt auch fertig zusammengebaut und mit einem Gehäuse. Insgesamt ist das Gerät auch leistungsstärker geworden und durch eine Weiterentwicklung der Software intuitiver zu bedienen.

Um die zweite Generation Mr Beam zu realisieren, habt Ihr erneut auf Crowdfunding gesetzt. Das angestrebte Fundingziel Eurer zweiten Kampagne lag bei 80.000 Euro, eingesammelt habt Ihr dann letztendlich rund 940.000 Euro. Was war Euer erster Gedanke nach Ende der Kampagne?

Wow. Damit hatten wir nicht gerechnet. Für die Konzeptionierung und Umsetzung der Kampagne hatten wir auch nur ein sehr geringes Budget von insgesamt 1500 Euro. Davon musste alles bezahlt werden: Video, Schnitt, Ton und vieles mehr. Kurz bevor uns das Geld für die zweite Kampagne ausgezahlt wurde, hatten wir noch rund 800 Euro auf dem Firmenkonto.

Dabei war eine zweite Runde Crowdfunding eigentlich gar nicht unsere erste Wahl. Wir suchten davor auch das Gespräch mit VCs und Business Angels,   konnten den richtigen Partner aber einfach nicht finden. Was wir aber konnten, war Crowdfunding, das hatten wir mit der ersten Kampagne ja bereits bewiesen.

Was genau ist mit dem eingesammelten Geld passiert?

Wir haben tatsächlich damit die Entwicklung zu Ende gestellt. Wir hatten zwar einen funktionierenden Prototyp, der aber an manchen Stellen noch Optimierung bedurfte. Das Schutzgehäuse ist die wirklich große Innovation, um Mr Beam II überhaupt erst zertifizierbar zu machen. Auch die Leistung des Lasers ist stärker geworden. Die Software hat an Funktionalität und Einfachheit gewonnen. So konnten wir beispielsweise die Positionierung des Designs auf dem Werkstück deutlich intuitiver gestalten. Auch die Möglichkeit von Colour-Coding ist nun in das System implementiert. Das ist eine gängige Technik bei professionellen Lasern und hat es jetzt eben auch in den Desktop-Lasercutter geschafft.

Von Holz über Leder: Unterschiedlichste Materialien können gelasert werden. (© Mr Beam)

Über den Entwicklungszeitraum haben wir auch mehr Erfahrung zur Behandlung von Materialien gesammelt und können dementsprechend zukünftig Empfehlungen aussprechen, welche Materialien im Idealfall in welcher Stärke bearbeitet werden sollten.

Warum habt Ihr Euch erneut für die Plattform Kickstarter entschieden?

Kickstarter war zum Kampagnenstart – zumindest nach unserer Recherche – so groß, wie alle anderen Crowdfunding-Plattformen zusammen, wenn nicht sogar noch größer. Darüber hinaus war es dort nicht unsere erste Kampagne, wir konnten also als Mr Beam auf ein bestehendes Netzwerk aufbauen.

Außerdem ist Kickstarter selbst auch daran interessiert, dass sich Firmenmodelle weiterentwickeln und „Ehemalige“ immer wieder neue Kampagnen starten. Deswegen wurden wir hier auch von allen Seiten unterstützt und waren mit unserer Kampagne zum Beispiel einmal Projekt des Tages. Allein in diesem Zeitraum haben wir 150.000 US-Dollar Umsatz gemacht.

Was unseren Erfolg außerdem begünstigt hat: Unser Produkt hat in die Zeit gepasst. Es gibt mittlerweile einige ähnliche Projekte, die allerdings auch noch nicht auf dem Markt sind. Es gibt noch keinen Desktop-Lasercutter, der ausgeliefert wurde.

Crowdfunding bedeutet aber nicht nur, zuzuschauen, wie das Geld im Idealfall immer mehr wird, sondern auch Arbeit. Denn die Crowd möchte mit einem kommunizieren. Und das findet über alle Kanäle statt. Zu Höchstzeiten haben wir sicherlich zwölf Stunden am Tag gearbeitet, um diese Kommunikation abzufangen. Und dann hat man noch kein Gerät gebaut.

Die ersten Geräte sollen jetzt im Laufe des Februars ausgeliefert werden. Als ursprünglicher Auslieferungstermin war November 2016 geplant. Wie habt Ihr die Auslieferungsverzögerung an Eure Unterstützer kommuniziert? Und wie haben die wiederum reagiert?

Tatsächlich ist die Frage nach dem Auslieferungstermin eine der meist gestellten Fragen seit November. Wir haben versucht, immer den aktuellen Stand gegenüber unseren Backern (Anm. d. Red. : Unterstützer) darzustellen und ungefähr eine Abschätzung abzugeben, ab wann ausgeliefert werden kann. Aber da es meistens externe Faktoren waren, die eine Verzögerung herbeigeführt haben und wir dies auch immer transparent und nachvollziehbar geschildert haben, sind wir hier auf Seiten unserer Supporter auf großes Verständnis gestoßen.

Die enge Kommunikation hat schließlich soweit geführt, dass lokale Unterstützer aus dem Raum München bei uns vorbeigekommen sind und selbst sehen wollten, wie weit wir mittlerweile sind. Da haben wir dann tatsächlich selbst auch Wochenendschichten eingelegt, um unseren Supportern den aktuellen Stand zu zeigen. Was gut war, denn auch die Besucher haben über ihre eigenen Kanäle wiederum verbreitet, dass sich bei uns einiges tut.

Wie geht es nach der Auslieferung der Kickstarter-Geräte weiter?

In Sicht: Die Auslieferung der ersten Geräte (© Mr Beam)

Wir sind seit Oktober wieder mit dem Vorverkauf online. Der Abverkauf läuft im Moment gut, ohne dass wir aktiv Werbung schalten. Ich denke, sobald wir ausliefern und die ersten Kunden ihre Geräte haben und darüber berichten, werden noch mehr Interessenten auf uns zukommen. Dann ist auch geplant, wieder mehr in Werbung zu investieren und unsere Zurückhaltung etwas aufzugeben.

Und dann? Benötigt Ihr wieder frisches Kapital?

Ja, wir sind gerade auch auf Investorensuche. Um schneller wachsen zu können, bräuchten wir rund eine Million Euro. Wir glauben zwar, dass wir es auch ohne Investorengelder schaffen, aber dann eben mehr Zeit für alles benötigen. Da der Proof of Concept erbracht ist, das Produkt steht und ein Markt dafür offensichtlich da ist, stoßen wir bei den Investoren mittlerweile auch auf offene Ohren. Sie sind zwar immer noch skeptisch, weil es eben noch keine jahrelange Erfahrung in diesem Bereich gibt, sondern es sich bei unserem Lasercutter um ein neues Produkt handelt. Aber uns gibt es mittlerweile auch schon seit 2014, wir können also mittlerweile auch auf ein paar Jahre Lasercuttererfahrung zurückschauen. Und auch das Team, dass sich über die Zeit gebildet hat und stetig gewachsen ist, kann sich sehen lassen.

Investoren-Gespräche können sich allerdings recht lange hinziehen. Deswegen warten wir jetzt auch nicht ab, bis wir Investoren-Gelder bekommen, sondern arbeiten unabhängig davon täglich am Aufbau der Firma. Schneller würde es natürlich mit einem Investment gehen.

Würdest Du Crowdfunding jedem empfehlen?

Crowdfunding demokratisiert Investitionen. Was vorher lediglich Eliten vorbehalten war, nämlich frei nach ihrem Gusto Projekte zu fördern – oder eben auch nicht –  scheint gerade durch Crowdfunding etwas aufzubrechen. Komischerweise agiert die Crowd aber oftmals ähnlich wie Investoren. Die bewerten auch erstmal das Team und fragen sich, ob das Versprochene überhaupt möglich ist.

Was wir an Crowdfunding schätzen – neben dem Geld und Marketingeffekt – man lernt, seine Kunden einzuschätzen: Woher kommen sie, was wollen sie. Man kann seine Marktsegmente dadurch sehr gut abschätzen. Das ist definitiv ein Vorteil, um seine Zielgruppe zu definieren. Für uns war es auf jeden Fall der richtige Weg. Wir haben viel gelernt: Über unser Produkt, über das „Firma sein“ und über unsere Zielgruppe.

Hier könnt Ihr noch mehr über Mr Beam erfahren.

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München
und die Region, das von der Stadt München, der IHK für München und Oberbayern und dem Zusammenschluss 4Entrepreneurship entwickelt wurde. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH). Unterstützt wird die Initiative u.a. vom Freistaat Bayern.