InterNations: „Corporate Social Responsibility wird immer wichtiger!“
Die Internations-Gründer Philipp von Plato (links) und Malte Zeeck (rechts), © InterNations

InterNations: „Corporate Social Responsibility wird immer wichtiger!“

Mit mehr als 2.5 Millionen Mitgliedern in 390 Städten über den ganzen Globus verteilt ist das Münchner Unternehmen InterNations das weltweit größte soziale Netzwerk und Informationsportal für alle, die im Ausland leben und arbeiten. Wir haben mit den Gründern gesprochen, wie sie ihren Weg vom kleinen Münchner Startup zu einem so großen Player auf dem Expat-Markt gemeistert haben.

Stellt Euch bitte kurz vor!

Wir haben in München die Expat-Plattform InterNations gegründet und sind mittlerweile weltweit aktiv. Auf unserer Webseite informieren Foren, Country Guides von Experten und regelmäßige Beiträge von Gastautoren über das Leben im Ausland. Zusätzlich zu unserer Onlinepräsenz organisieren wir jeden Monat rund 5.000 Veranstaltungen und Aktivitäten auf der ganzen Welt.

Unsere Unternehmensgründer, Malte Zeeck und Philipp von Plato, haben sich beim BWL-Studium in der Schweiz kennengelernt und schon damals mit dem Gedanken gespielt, irgendwann ein eigenes Unternehmen zu gründen. Aber nach dem Universitätsabschluss zog es die beiden erstmal in unterschiedliche Richtungen: Philipp arbeitete als Unternehmensberater und Malte war als Auslandskorrespondent für verschiedene Nachrichtensender tätig. In dieser Zeit sammelten beide viel Auslandserfahrung – Malte Zeeck lebte unter anderem in Brasilien und Indien, Philipp von Plato war in Großbritannien und Kroatien tätig – und sie stellten fest, wie schwierig es ist, sich in einem anderen Land zurechtzufinden, wenn man niemanden kennt und die dortige Sprache nicht beherrscht. Aus diesen persönlichen Erlebnissen entstand die Idee für ein Netzwerk, mithilfe dessen sich Menschen in der gleichen Situation gegenseitig unterstützen können.

Unser kleines Startup ist in den letzten Jahren erwachsen geworden. Seit der Gründung vor genau zehn Jahren ist unser Team auf mehr als 100 Mitarbeiter aus 30 verschiedenen Ländern angewachsen. Außerdem unterstützen uns über 900 freiwillige Ambassadors, die lokale Veranstaltungen organisieren und die ersten Ansprechpartner für neue Expats in der Stadt sind, sowie fast 5.000 Consuls, die für unsere Mitglieder Aktivitäten aller Art, vom Sprachenaustausch über Business Networking, bis hin zum Yoga oder Bergsteigen anbieten. Wir leben also gewissermaßen unsere eigene Mission, jeden Auslandaufenthalt zu einem großartigen Erlebnis zu machen, auch im Arbeitsalltag!

InterNations Gründer

© InterNations

„Florierende Tech- und Startup Szene“

Ihr seid in mehreren hundert Städten auf der ganzen Welt vertreten. Was macht München für Euch so besonders und warum habt ihr Euch für diesen Standort entschieden?

München ist eine Stadt mit internationalem Flair, in der sich viele große Unternehmen und Startups angesiedelt haben, die aber trotzdem ihren ganz eigenen, entspannten Charme hat. Hier leben Menschen aus der ganzen Welt – viele Expats verlieben sich im Laufe ihres Aufenthalts in die „Weltstadt mit Herz“ und beschließen letztendlich, hier zu bleiben. Neben der hervorragenden Lebensqualität hat München auch eine florierende Tech- und Startup Szene, weshalb wir uns hier besonders wohl fühlen. Außerdem gibt es auf dem Münchner Arbeitsmarkt viele hochqualifizierte Arbeitskräfte mit internationalen Lebensläufen: Fast jeder dritte Einwohner hat ausländische Wurzeln. Das hat uns geholfen, ein motiviertes, internationales Team aufzubauen, dem der Erfolg von InterNations genauso wichtig ist wie uns.

Mittlerweile sind wir weltweit in insgesamt 390 Städten vertreten, aber unser Unternehmenssitz und somit unsere Heimat ist natürlich hier. Nicht zuletzt ist München mit seinen 50.000 InterNations Mitgliedern unsere drittgrößte Community und hier testen wir alle unsere neuen Veranstaltungsformate. Unsere Münchner Mitglieder sind auch meist die Ersten, die neue Features ausprobieren dürfen und uns mit ihren Erfahrungen dabei helfen, das internationale Angebot weiter zu verbessern.

Flache Hierarchien: Wie Karaoke & Co. zum Erfolg führen

Wie ist die Arbeitsatmosphäre bei euch? Und hat sie sich in den letzten zehn Jahren verändert?

Wir haben von Anfang an großen Wert auf flache Hierarchien gelegt. Auch wenn unsere Gründer aufgrund der Unternehmensgröße nicht mehr selbst mit jedem Mitarbeiter zusammenarbeiten oder an jedem Meeting teilnehmen können, achten wir trotzdem darauf, dass jeder unserer Mitarbeiter sich gehört fühlt. Schließlich profitiert das gesamte Unternehmen von einem innovativen und harmonischen Team, das mit Leidenschaft bei der Sache ist! Deshalb organisieren wir auch mehrmals pro Jahr Ausflüge und Team Events, bei denen wir uns beispielsweise beim Eisstockschießen, Fußballspielen oder Karaokesingen vergnügen.

In den letzten zehn Jahren ist InterNations aber auch professioneller geworden. Früher haben wir mit drei Leuten am Tisch gesessen, wenn wir ein neues Feature geplant haben, jetzt sind mehrere Teams zwischengeschaltet: So zum Beispiel unser Product Team, das jede neue Idee auf ihre Machbarkeit hin überprüft, das Engineering Team verwirklicht sie, und unsere Kommunikationsabteilung sorgt dafür, dass alle über das neue Feature informiert werden. Oft sind noch viele weitere Mitarbeiter involviert, je nachdem um welches Projekt es sich handelt. Hier helfen unsere „Guiding Principles“ – das sind grundlegende Verhaltensweisen, die wir uns von jedem Mitarbeiter wünschen, wie zum Beispiel listen and say what you mean oder embrace differences. Sie bilden das Fundament unserer Unternehmenskultur.

Bezahlmodell und die richtigen Investoren

Wie geht Ihr an das Thema Finanzierung heran bzw. wie seid ihr damit von Anfang an umgegangen? Womit verdient Ihr Geld? Wie sieht das Geschäftsmodell aus?

Zuallererst haben wir uns natürlich die passenden Investoren gesucht, um unsere Idee in die Tat umzusetzen. Holtzbrinck Ventures in München und der European Founders Fund haben uns dabei besonders unter die Arme gegriffen. Nachdem unser Angebot sich unter den Expats etabliert hatte, haben wir unterschiedliche Werbeformate für unsere Unternehmenspartner und eine Premium-Mitgliedschaft für die Mitglieder eingeführt.

Die Basis-Mitgliedschaft ist kostenlos und bietet bereits viele Features, aber mit einem Premium-Zugang können unsere Mitglieder alle Angebote der Plattform unbegrenzt nutzen. Sie haben beispielsweise Zugang zu allen lokalen Country und City Guides sowie zu den mehr als 5.000 monatlichen Aktivitäten von InterNations. Insbesondere in München ist die Auswahl groß und man hat jeden Tag die Qual der Wahl, womit man seine Freizeit am liebsten verbringen möchte!

InterNations Founders

© InterNations

Den Zahn der Zeit treffen

Um erfolgreich zu sein, muss ein Startup…

… im ersten Schritt ein signifikantes Problem identifizieren und dazu eine innovative und unkomplizierte Lösung anbieten können. Wenn eine Geschäftsidee den Zahn der Zeit trifft, also das Leben der Kunden auf bestimmte Art und Weise besser macht, kann man damit sehr schnell erfolgreich werden.

Gerade bei bereits gesättigten Märkten und schnelllebigen Trends muss man sich aber vorher ehrlich fragen, ob man wirklich etwas Neues – oder eine deutlich bessere Lösung – anbieten kann und ob es überhaupt Bedarf gibt. Um diese Frage beantworten zu können, muss man seine Zielgruppe und die Konkurrenz sehr genau kennen. Es macht schließlich keinen Sinn, ein Produkt auf den Markt zu werfen, das keinen Mehrwert bietet oder nur für eine sehr kleine Zielgruppe interessant ist. Die Bedürfnisse der Konsumenten können sich zudem unerwartet ändern oder einfach anders ausfallen, als man es erwartet hätte. Man muss also immer auf seine Kunden hören und flexibel bleiben.

Zu Beginn hatten wir zum Beispiel überhaupt nicht geplant, regelmäßig Veranstaltungen in unseren Communities anzubieten. Heute sind diese extrem populär und ziehen sowohl bestehende als auch neue Mitglieder an. In unseren größeren Communities verzeichnen unsere Veranstaltungen mehrere Hundert Teilnehmer. Damit hätten wir zu Beginn nie gerechnet! Es kann allerdings auch mal zu kleinen Rückschlägen kommen, von denen man sich aber nicht entmutigen lassen darf. Viele Situationen lassen sich auch schnell zum Positiven wenden, wenn man bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln. Ein starkes Team ist bei solchen Changeprozessen übrigens unersetzlich! Wir haben dank unserer Mitarbeiter schon die eine oder andere Herausforderung wohlbehalten überstanden.

Nicht ohne „Proof of Concept“

Was ist der größte Fehler, den ein Startup machen kann?

Zu glauben, man wisse genau, was die Kunden wollen, und den Marktstart ohne „Proof of Concept“ zu wagen. Manchmal zünden Ideen, die man für besonders erfolgsversprechend gehalten hat, überhaupt nicht und die als Notlösung eingestufte Vorgehensweise stellt sich als Überflieger heraus! Um kostenintensive Bauchlandungen in der Gründungsphase zu vermeiden, sollte jedes Startup sein Konzept erstmal in einem kleinen Kundenkreis testen. Bis heute gehen wir genauso vor, wenn wir neue Geschäftsfelder erschließen oder Features entwickeln. Beispielsweise laden wir unsere Mitglieder aus der München Community regelmäßig zu Usertests ein, um herauszufinden, ob die neue App oder der überarbeitete Bezahlvorgang stimmig und intuitiv sind. Außerdem machen wir neue Services im ersten Schritt nur für einen kleinen Benutzerkreis – unsere Beta- Tester – zugänglich. Ihr Feedback hilft uns dabei, jede Neueinführung vor dem Rollout an unsere mehr als 2.5 Millionen Mitglieder auf der ganzen Welt zu perfektionieren.

Startups übernehmen zusehends mehr soziale Verantwortung

Der Trend des Jahres ist…

Corporate Social Responsiblity! Es gibt ja schon länger Startups, die sich mit gesunder Ernährung oder fair gehandelten Produkten beschäftigen – aber viele neue Unternehmen wenden sich jetzt auch sozialen Themen zu, und zwar vor allem vor der eigenen Haustür. Es gibt beispielsweise Startups, die Flüchtlingen ein Zuhause in einer WG vermitteln. Andere haben Apps entwickelt, mit denen man herausfinden kann, welche Sachspenden wo benötigt werden, oder die Flüchtlinge über die Gesetzeslage und lokale Ansprechpartner informieren. Dank dieser neuen Angebote können Mitmenschen in einer schwierigen Lebenssituation schnell und unkompliziert unterstützt werden.

Unser Changemakers Programm hat einen ähnlichen Ansatz. Die Mitglieder von InterNations können an Changemakers Aktivitäten in ihrer Stadt teilnehmen und unterstützen damit einen guten Zweck. Die Aktivitäten werden von unseren Consuls organisiert und sind unheimlich vielfältig: Wir sammeln Geld- und Sachspenden, kochen für obdachlose Menschen oder helfen Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben, um nur einige zu erwähnen.

Dem neuen Zuhause etwas zurückgeben

Aus freien Stücken ins Ausland gehen zu können, ist mit einem gewissen Lebensstandard verbunden, und damit ein großes Privileg. Unsere Mitglieder wissen das und schätzen deshalb die gebotene Möglichkeit, ihrem neuen Zuhause etwas zurückzugeben – und das trotz etwaiger Sprachbarrieren oder kultureller Unterschiede! Bisher bieten wir in 45 Städten Changemaker Aktivitäten an und es werden jedes Jahr mehr! Die lokalen Gruppen arbeiten jeweils mit einer oder mehreren gemeinnützigen Organisationen zusammen – Caritas, das Rote Kreuz, Handicap International und Make-A-Wish sind nur einige, die wir unterstützen. So können unsere Mitglieder genau dort Hilfe anbieten, wo sie in ihrer Stadt am meisten gebraucht wird.

Hier in München helfen wir viel in der Bayernkaserne aus, wo Flüchtlinge untergebracht sind, und wir unterstützen Menschen, die mit einer Behinderung leben. Es sind unruhige Zeiten und das merkt man auch an den Startup-Trends: Viele Jungunternehmer versuchen auf ihre ganz eigene Weise, die Menschen näher zusammenzubringen und die Welt damit ein kleines bisschen besser zu machen.

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München
und die Region, das von der Stadt München, der IHK für München und Oberbayern und dem Zusammenschluss 4Entrepreneurship entwickelt wurde. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH). Unterstützt wird die Initiative u.a. vom Freistaat Bayern.