Gastbeitrag Finanzierung für Sozialunternehmen: „Durchstarten mit hybridem Treibstoff“ – Teil 2

Gastbeitrag Finanzierung für Sozialunternehmen: „Durchstarten mit hybridem Treibstoff“ – Teil 2

Was ist der ideale Motor fürs soziale Vehikel? Und welchen Treibstoff braucht man, damit er effizient läuft?

Teil 2 des Gastbeitrags von Christina Moehrle, im englischen Original erschienen auf Siemens Stiftung Empowering People Network. Teil 1 verpasst? Lest hier den ersten Teil des Gastbeitrags zum Schwerpunkt Finanzierung und Geschäftsmodell.

„Der Süden“: Das Entwicklungsstadium

Wenn Sozialunternehmer eine Weile durch die Wildnis gestreift sind, wird ihnen oft bewusst, dass weder Rechtsform noch Geschäftsmodell in Stein gemeißelt sind. Sie können – und müssen sich manchmal – über die Zeit hinweg verändern. Einige Organisationen starten beispielsweise mit einer gemeinnützigen Rechtsform und finanzieren sich über Spenden, Zuschüsse oder ungesicherte Darlehen. Später werden sie dann Skalierer und brauchen andere Finanzierungsquellen und Rechtsstrukturen dafür.

Impact Investment

Dann kommt häufig Impact Investment ins Spiel. Aber welches ist das richtige Instrument? Eigenkapital passt meist gut zu frühphasigen Sozialunternehmen, die ein hohes Risiko- und Renditeprofil aufweisen. Darlehen dagegen sind üblicher Weise geeignet für reifere Unternehmen mit stabilen, vorhersehbaren Überschüssen und der Fähigkeit, zuverlässig Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten.

Mezzanine, wiederum, kann perfekt zu einem Social Enterprise passen, das einen etwas langsameren Wachstumspfad und weniger Potenzial für hohe Überschüsse verspricht. Insofern ist die Richtung, die die persönliche Kompassnadel anzeigt, auch davon abhängig, in welchem Stadium der Unternehmensentwicklung man sich gerade befindet. Also lieber erst eruieren, ob der Motor nicht vielleicht besser mit hybridem Treibstoff läuft, bevor man den Tank mit Eigen- oder Fremdkapital befüllt.

Der Osten“: Die soziale Wirkung

Das Schicksal von Pionieren kann hart sein. Innovative Projekte mit hohem sozialem Wirkungspotenzial sind nicht unbedingt der Liebling aller Investoren. Je disruptiver das Geschäftsmodell, desto riskanter die künftigen Erträge und damit auch die Renditen der Kapitalgeber.

Nicht viele Sozialunternehmen können beides anbieten, hohe soziale und hohe finanzielle Ergebnisse – zumindest nicht in ihrem frühen Entwicklungsstadium. Als Konsequenz kommt man als Social Entrepreneur an bestimmte Arten von Investoren nur sehr schwer heran. Aktuell bevorzugt die überwiegende Mehrheit von ihnen eine finanzielle Rendite auf Marktniveau. Das bedeutet, dass sie im Wesentlichen das Risiko-Rendite-Profil eines Sozialunternehmens mit dem eines traditionellen Unternehmens vergleichen.

Pay-for-Results

Eine gute Nachricht ist jedoch, dass es auch andere Investoren gibt: Sie ziehen hohe soziale Wirkung einer hohen finanziellen Rendite vor. Einige von ihnen verankern deshalb spezielle Incentivierungs-Mechanismen in ihren Modellen. So erhält ein Sozialunternehmen beispielsweise einen finanziellen Vorteil, sobald es vorab definierte Meilensteine bei seiner sozialen Wirkung erreicht.

Diese sogenannten „Wirkungsanreize“ oder „Pay-for-Results“-Mechanismen sind zusätzliche hybride Spielarten, die das Universum der sozialen Finanzierungen bereichern. Und sie machen gerade solchen Social Enterprises das Leben leichter, deren Geschäftsmodelle eine außergewöhnlich hohe soziale Wirkung versprechen.

Den persönlichen Kompass finden

Nach so einem Erkundungsausflug in den Wald der sozialen Finanzierungsformen fühlt man sich möglicher Weise etwas enthusiastisch oder gar erschöpft. Am besten man orientiert sich fest an den vier Himmelsrichtungen – Rechtsform, Geschäftsmodell, Entwicklungsstadium und soziale Wirkung.

Die eigene Kompassnadel zeigt dann, wo die ideale Reiseroute durchs Finanzierungs-Dickicht hindurch verläuft. Sicher ist es nicht einfach, vor lauter Bäumen den Wald nicht aus den Augen zu verlieren. Aber Sozialunternehmer mit einem wachen Geist können eine Menge an Unterstützung bekommen, ihren sozialen Wirkungsmotor mit dem richtigen Treibstoff für die große Mission zu befüllen.

Teil 1 verpasst? Lest hier den ersten Teil des Gastbeitrags zum Schwerpunkt Finanzierung und Geschäftsmodell.

Und hier geht es zum englischen Original auf dem Blog ‚Empowering People Network‘ der Siemens Stiftung.


Zur Autorin

CMoehrleChristina Moehrle ist seit 2012 als freiberufliche Autorin und Fachjournalistin mit der Mission unterwegs, Social Entrepreneurs und Impact Investoren zu unterstützen und beide Seiten durch mehr Wissen über Social Finance zusammen zu bringen. Seit 2014 kümmert sie sich zusätzlich um die Kommunikation bei FASE, der Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship.