Richtig „Danke“ sagen – neues aus dem Crowdfunding Tagebuch
SWOP Team

Richtig „Danke“ sagen – neues aus dem Crowdfunding Tagebuch

Vor ein paar Wochen startete der MUCrowd-Blog ein kleines Experiment – hautnah, live und am lebenden Objekt! In einer Mini-Serie begleitet die IHK München das SWOP-Team bei ihrem Crowdfunding-Abenteuer. SWOP-Team, das sind: Matthias, Christoph, Tom, Matthias und Thomas. Sie haben eine „Charity-Flohmarkt-App“ entwickelt, die gebrauchte Gegenstände in Geldspenden für gemeinnützige Organisationen umwandelt. Nun möchten sie die Crowd als Unterstützer gewinnen und so ihre App bekannter, funktionsreicher und userfreundlicher machen. Der MUCrowd-Blog ist auf Schritt und Tritt dabei: Von der Kampagnenplanung, über den Dreh des Pitch-Videos bis zum Aufbau der Community und den Kampagnen-Launch auf der Plattform. Wir schauen den sechs Social Entrepreneurs über die Schulter und lernen, worauf es bei einer Crowdfunding-Kampagne ankommt bzw. dass auch bei bester Planung, das Leben voller Überraschungen steckt – erst recht bei Crowdfunding. Ob die Kampagne am Ende erfolgreich ist, wissen wir nicht. Auch das bleibt eine Überraschung!

 


Aus dem SWOP-Crowdfunding Tagebuch: Eine Lampe für 10.000 Euro – Ein echtes Schnäppchen, oder?

Noch vor den ersten Planungsschritten unserer Kampagne standen wir vor einer gewaltigen Herausforderung: Die Dankeschöns, die wir unseren Unterstützern als Gegenleistung bieten können und über die unser eigentliches Produkt, die App, finanziert wird. Denn die APP selbst ist kostenlos.

Normalerweise läuft es ja so: Das Startup hat ein Produkt, das durch die Crowdfunding-Kampagne noch bekannter werden oder überhaupt erst produziert werden soll. Diese Produkte sind dann direkt mit der Kampagne verknüpft. Die Unterstützer kaufen das Produkt und helfen so dem Startup. Die Beispiele sind vielfältig: Musiker, die ihre Alben finanzieren wollen – das Album ist dann Teil des Dankeschöns. Oder Honig aus der Nachbarschaft, wie bei „nearbees“, wo der Honig als Dankeschön eingesetzt wird. Allerdings haben nicht alle Startups ein Produkt oder eine Dienstleistung, die sie im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung bieten können. Zwar kann man auch die Crowd ohne Gegenwert um Geld bitten, wie es z.B. die Kampagne von OceanCleanUp tut. Aber das ist sehr schwer.

Wie ihr in einem der vorherigen Blogbeiträge lesen konntet, haben wir unsere alte Schreibtischlampe als Gesicht und Träger der Kampagne gewählt und somit auch als Träger und Sinngeber für die Dankeschöns. Wir bastelten ein „Dankeschön-Konzept“ rund um unserer kleine schwarze Schreibtischlampe. Dieses Konzept hat auch Kritik ausgelöst. Wir haben in der ersten Woche unserer Kampagne sehr viel Aufmerksamkeit von Bloggern bekommen, darunter sehr viel positives Feedback. Es gab aber auch Kritikpunkte: Ein Blogger bezeichnete unsere Dankeschöns als beliebig. Ein Eindruck, der auf den ersten Blick entstehen kann. Allerdings haben wir – eben weil uns entsprechende Produkte als Dankeschöns fehlen – eine konkrete Geschichte konzipiert. Die Geschichte lebt dabei von dem Hauptprotagonist unserer Kampagne, der kleinen, süßen Lampe.

Von ihr sind die meisten Dankeschöns abgeleitet:

  1. Die Lampe selber als Nachbau – eine ganz schöne Herausforderung. Aber wir haben noch einen Hersteller gefunden, der diese Retro-Lampe im Sortiment hat.
  2. Die Lampe braucht ein Glühbirne – eine von den alten, mit schönem Wendeldraht und trotzdem der Energieeffizienzklasse A.
  3. die Lampe braucht ein Steckdose – am besten gleich eine stylische Steckdosenleiste, z.B. von dem Designer Startup „Peppermint Products“
  4. die Lampe braucht Strom – am besten Ökostrom, z.B. vom Startup „Polarstern“, die uns Gutscheine für Neukunden zur Verfügung gestellt haben.

Jetzt hat man alles zusammen, damit die Lampe leuchtet.

Natürlich gibt es auch Fan-Artikel, wie z.B. eine Autogrammkarte unser Lampe für fünf Euro. Mehr Scherz als realer Gegenwert, aber sieht super aus. Die T-Shirts und der Kapuzenpulli mit unserem Slogan sind da schon sehr viel mehr wert. Sie sind nämlich keine billigen, in Fernost genähten Produkte, sondern hochwertige Textilien extra für SWOP-Team vom jungen deutschen Streetware-Label BAPTIST B. angefertigt. Designt in Deutschland, produziert in Europa. Ein Freund von uns betreibt dieses Label.

Und zum Schluss der Knaller: Es gibt die Originallampe zu kaufen! Unser Star aus dem Video, Hollywood hautnah direkt am Arbeitsplatz, und das nur für 10 000 Euro! Ein Schnäppchen, oder? Naja, nicht ganz ernst gemeint, aber auf jeden Fall ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist immer wichtig. Das schafft die lebenswichtige Aufmerksamkeit für unsere Kampagne.

(Autor: Christoph Kastenbauer)


Das sagt die IHK Crowdfunding-Beraterin:

„Sag danke, wenn du etwas bekommen hast“ – Diesen Satz kennt wohl jeder nur zu gut aus frühen Kindheitstagen. Auch beim Crowdfunding sollte man das Dankesagen nicht vergessen. Der Art und Weise, wie man sich bei der Crowd für ihre Unterstützung revanchiert, sind im Grunde keine Grenzen gesetzt. Dankeschöns reichen von der persönlichen Videobotschaft oder der handsignierten Grußkarte über limitierte Goodies und Produkte bis hin zu exklusiven Premiereneinladungen oder Workshops mit den Projektstartern. So wie jedes Projekt individuell ist, sollten auch die Dankeschöns einer Crowdfunding-Kampagne auf ihre Art einzigartig sein. Das ist sicher leichter gesagt als getan. Folgende Tipps helfen:

  • Dankeschöns passend zur Crowd: Häufig haben Kampagnen nicht nur eine einzige Zielgruppe, sondern mehrere, die aus verschiedenen Motiven das Projekt unterstützen. Beim reward-based Crowdfunding – also wie beim SWOP-Team – sind es vor allem altruistische und hedonistische Motive, die die Crowd zum Geldgeben bewegen. Manche möchten einfach nur eine gute Idee unterstützen. Andere wiederum ein innovatives Produkt als erstes besitzen. Entsprechend sollte es auch unterschiedliche Dankeschöns geben, die die verschiedenen Zielgruppen ansprechen.
  • Emotionale Verbindung zur Kampagne: Die Dankeschöns sind die „greifbare“ Komponente der Crowdfunding-Kampagne. Es muss aber nicht immer die ganz große Merchandising-Maschinerie sein, die ins Laufen kommt. Auch exklusive Erlebnisse mit Bezug zu dem Projekt können eine gute Art sein Danke zu sagen. Sie schaffen ein einmaliges Erlebnis und die unmittelbare Verbindung zwischen Projekt und Unterstützer.
  • Nicht zuviel des Guten: Dankeschöns sollen etwas Besonderes sein. Nicht nur aus Kosten- und Ressourcengründen sollten sie daher limitiert sein. Eine begrenzte Anzahl erhöht den Druck auf die Unterstützer schnell zuzuschlagen, bevor die einzigartigen Goodies vergeben sind. Die Zahl der unterschiedlichen Dankeschöns sollte man übersichtlich halten, um den Unterstützern die Auswahl nicht unnötig schwer zu machen.
  • Kosten im Auge behalten: Auch Dankeschöns fallen nicht vom Himmel. Alle entstehenden Kosten sollten daher in die Kostenkalkulation der Kampagne einbezogen werden, um einen realistischen Preis ermitteln zu können (z.B. Kosten für Produktion und Versand, Mehrwertsteuer, ggf. anfallende Zölle). Die meisten Unterstützer geben eine Summe zwischen 10 und 80 Euro, darum sollten besonders in dieser Preisklasse attraktive Dankeschöns geboten werden.
  • Partner an Bord holen: Bei der Suche nach Dankeschöns sollte man die Augen offen halten, ob sich Partner für die Kampagne finden lassen, die bereit sind, ihre Produkte für die Kampagne vergünstigt zu Verfügung zu stellen. Das können z.B. Unternehmen sein, zu deren Philosophie das Crowdfunding-Projekt gut passt und die eure Kampagne materiell mit Goodies unterstützen. Die Frage ist, was kann man den Partnern im Gegenzug bieten?

Alles in allem sollten sich die Dankeschöns stimmig in das Gesamtbild der Kampagne einfügen und nicht beliebig wirken. Schließlich soll das „Danke“ ja von Herzen kommen.

(Autor: Linette Heimrich)

Ein Artikel von

IHK für München und Oberbayern

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