Freiheit im Kopf – Interview mit Dr. Alexander König von der Reactive Robotics GmbH
Gründer Dr. Alexander König © Reactive Robotics GmbH

Freiheit im Kopf – Interview mit Dr. Alexander König von der Reactive Robotics GmbH

Dr. Alexander König ist Gründer der Reactive Robotics GmbH. Im Gespräch mit BayStartUP beschreibt er, wie er die Gründerwelt sieht und was sich seit der Finanzierungsrunde seines Unternehmens getan hat. Ein Gastbeitrag von Thyra Andresen von BayStartUP, erschienen im magazin startUPdate.

Reactive Robotics arbeitet an technischen Lösungen, die Patienten auf der Intensivstation dabei helfen, sich zu bewegen. Die Technik soll an Krankenbetten angebracht werden, um so etwa Schlaganfall oder Herzinfarkt Patienten möglichst frühzeitig zu mobilisieren. Dadurch können Patienten wieder rascher genesen, Krankenhäuser dem Notstand beim Pflegepersonal entgegenwirken und Therapeuten würden bei ihrer Arbeit unterstützt.

Was waren denn die großen Baustellen bei Reactive Robotics seit der letzten Finanzierungsrunde?

Wir sind von vier auf 17 Leute gewachsen, unsere Bürofläche und Entwicklungsumgebung haben sich verdreifacht. Wir konnten unsere vorklinischen Prozesse abschließen und das Produkt aufbauen. Dann haben wir weitere Themen wie z.B. Finance und Business Development ausgebaut, die Sales- und Kollaboration-Seite zu optimieren. Unsere Zulassungsstrategie ist solide aufgestellt, was einen enorm intensiven Dokumentationsaufwand mit sich bringt. In puncto Kollaborationspartner, Zulieferer und Produktionskette sind alle wichtigen Prozesse aufgesetzt. Meinen Mitarbeitern räume ich große Freiräume zum Mitgestalten ein. Gleichzeitig haben wir Strukturen eingeführt, die bestmögliche Transparenz und Flexibilität erlauben und die Organisation so schlank und flach wie möglich halten.

„Der Medizintechnik-Markt hat extrem schwierige Eintrittsbedingungen“

Was macht Finanzierungen im MedTech Bereich besonders herausfordernd?

Die Finanzierungssuche ist immer anstrengend, egal in welchem Bereich du bist. Im Digitalen kann dich schnell jemand kopieren. Jede Branche hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Es gibt immer Themen, die sexy sind – Robotics, AI, man muss auch ein wenig Glück haben auf der Welle zu reiten. Der Medizintechnik-Markt hat extrem schwierige Eintrittsbedingungen – aber wenn man es erst schafft, dann hat man ganz andere Möglichkeiten. In dem Moment, in dem etwas gebraucht wird, ist der Erfolg eines Produktes oder einer Idee auch viel wahrscheinlicher. Darzustellen, welche Treiber die eigene Entwicklung antreiben – damit kann man Investoren besser motivieren, warum die eigene Firma eine gute Investitionsmöglichkeit wäre. Bei Reactive Robotics wollen wir zur schnelleren Genesung der Patienten beitragen und gleichzeitig den herausfordernden sinkenden Personal-Ressourcen entgegenwirken. Damit steigern wir menschlich Effizienz auf Patienten- und Krankenhausseite.

Wie nehmen Sie die deutsche Gründerkultur wahr?

Meine Erfahrung ist, dass einen fast alle unterstützen, wenn man etwas verfolgt, das man liebt. Meinem ersten Mitarbeiter konnte ich kein großes Gehalt zahlen, habe ihn dafür mit Anteilen kompensiert – er ist nach wie vor Teil des Teams und wird in Zukunft hoffentlich mit an unserem Erfolg partizipieren. Es ist schon toll in Deutschland – wenn du dich bei einem Startup anstellen lässt, dann kann dir auf Grund der wirtschaftlichen Sicherheitsnetzwerke nicht viel passieren. Wer eingezahlt hat bekommt Arbeitslosengeld. Das funktioniert zwar vor allem gut bei hochqualifiziertem Personal, gibt mir als Gründer aber im Kopf eine große Freiheit.

„Einen großen Teil meiner Altersvorsorge steckte ich in das Projekt“

Gründen – geht das so einfach?

Ich habe mir damals ein Ziel gesetzt und einfach gemacht.  Schon vor der Gründung habe ich parallel zum Full-Time-Job ein Jahr am Businessplan gearbeitet und angefangen mich zu vernetzen. Einen großen Teil meiner Altersvorsorge steckte ich in das Projekt – meine Eltern haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Für mich war das okay – auch, weil ich gut ausgebildet bin und mich notfalls anders hätte orientieren können. Letztlich habe ich mir und dem Produkt auch den Spiegel vorgesetzt und das Geschäftsmodell hinterfragt – erst danach das Geld investiert.