„Die Startups von heute sind der Mittelstand von morgen“ – IHK stärkt Startups den Rücken

„Die Startups von heute sind der Mittelstand von morgen“ – IHK stärkt Startups den Rücken

Der Bundestagswahlkampf geht in die heiße Phase, am 24. September wählt Deutschland eine neue Regierung. Ein guter Zeitpunkt, um auch die Interessen von Startups neu zu platzieren.

Neben zahlreichen Verbänden und privatwirtschaftlichen Vereinigungen ist die politische Interessensvertretung auch eine originäre Aufgabe der Industrie- und Handelskammern. Unabhängig von Größe und Branche vertritt die IHK die Interessen aller Mitgliedsunternehmen gegenüber Politik und Verwaltung.

Ute Berger und David Stephenson (© IHK München)

Die IHK für München und Oberbayern ist mit 380.000 Mitgliedsunternehmen eines der größten Unternehmensnetzwerke in Europa. Entsprechend Gewicht hat ihre Stimme gegenüber Politik und Verwaltung.

Wie sich die IHK München auf Bundesebene für Startups einsetzt, erklären Dr. Ute Berger und David Stephenson aus dem Industrie- und Innovationsreferat der IHK:

Warum setzt sich die IHK München für Startups ein?

Da gibt es zwei zentrale Gründe. Der Erste – ganz platt ausgedrückt: Die Startups von heute sind der Mittelstand von morgen. Startups sind Mitgliedsunternehmen der Kammern und wir stehen ihnen deshalb selbstverständlich mit Rat und Tat zur Seite. Startups stehen aber auch vor besonderen Herausforderungen, denn ihre Technologie muss oft erst noch zu einem Produkt entwickelt und der Markt überzeugt werden. Sie brauchen deshalb Unterstützung zum Beispiel bei Fragen zur Finanzierung oder zu Förderprogrammen.

Der zweite Grund ist unsere Überzeugung, dass Startups mit ihren neuen Technologien und innovativen Geschäftsmodellen wertvolle Kooperationspartner für etablierte Unternehmen sein können. Die etablierten Unternehmen stellen sich damit für die Zukunft gut auf – bevor eventuell ein besonders disruptives Startup den gesamten Markt aufmischt. Große Konzerne sind in dieser Hinsicht sehr strategisch aufgestellt und suchen gezielt nach Startups, mit denen sie kooperieren. Die mittelständischen Unternehmen sind bisher deutlich zurückhaltender – sie sollten viel mehr Startups auf ihren „Innovationsradar“ nehmen.

Welche konkreten Forderungen stellt die IHK München zur Stärkung von Startups an die Politik?

Eine große Herausforderung für die Startups ist die Finanzierung. Deshalb haben wir besonders in diesem Jahr eine umfassende Position zur Finanzierung von Startups erarbeitet. Sie enthält 14 Forderungen in vier zentralen Finanzierungskategorien: „Eigenkapital“, „Fremdkapital“, „Förderung“ und „Umsatz“.

Im internationalen Vergleich gibt es bei uns wenig Investoren und Wagniskapital. Wir sehen einige konkrete Möglichkeiten, die helfen würden, Investoren zu gewinnen. Eine davon ist, die Verlustvorträge beim Einstieg eines Investors in ein Startup steuerlich besser zu berücksichtigen. Privatinvestoren sollten auch ihr Investment sofort steuerlich absetzen können und den Gewinn erst wenn er anfällt versteuern. Für Investoren in VC-Fonds müssen die deutschen Regeln auch nicht schärfer sein, als die EU sie vorschreibt. Und professionelle Investoren –wie Pensionsfonds – benötigen etwas mehr Freiheit, um ebenfalls in junge Unternehmen zu investieren. VC-Fonds sind rar geworden – auch weil sie hier mehr Steuern bezahlen müssen als z.B. in den USA. Das ist ein Standortnachteil, der ausgebessert werden muss.

Auch das Crowdfunding sollte besser unterstützt werden, denn eine Crowd-gewinnende Kampagne ist ein erster Nachweis für die Marktakzeptanz meiner Idee. Weitere Forderungen beziehen sich auf Kleinkredite und auf den Abbau von Barrieren bei öffentlichen Ausschreibungen.

Zudem sehen wir in der Technologieentwicklung einen Schwerpunkt. Die IHK setzt sich schon lange für die steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Unternehmen ein. Darüber hinaus müssen Technologieförderprogramme für Startups besser nutzbar werden. Und wir schlagen vor, auf Bundesebene das außerordentlich erfolgreiche „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand – ZIM“ auch für Startups aufzulegen – ein „ZIS“ sozusagen.

Insgesamt haben wir mit unserer Position ein sehr breites Spektrum an Verbesserungspotenzial bei der Startupfinanzierung aufgezeigt. Die Position ist damit auch innerhalb der IHKs in Deutschland einzigartig.

Welche Wege geht die IHK, um die Belange von Startups auf politischer Ebene zu platzieren?

Wir formulieren solche Positionen und stellen sie politischen Entscheidungsträgern vor. Auch andere Verbände, die am Thema mitwirken, wie z.B. der BVK oder BVDS, erhalten sie, um die Gedanken weiter zu tragen. Natürlich sind wir auch im Austausch mit anderen IHKs in Deutschland und dem DIHK, der die Interessen aller deutschen IHKs bündelt und nah am bundespolitischen Geschehen ist.

Welche Mitsprachemöglichkeiten haben Startups bei der Formulierung einer solchen Position? Wodurch wird diese legitimiert?

Unsere Arbeit als IHK wird mit den ehrenamtlich arbeitenden Vertretern aus der Wirtschaft – den Fachausschüssen und der Vollversammlung – diskutiert und letztlich legitimiert. Wir haben bewusst einige Startups und Investoren in den Industrie- und Innovationsausschuss geholt, damit wir die Meinungen und die Erfahrung aus erster Hand erhalten. Mittlerweile sind auch etliche Startups Mitglied in unserer Vollversammlung.

Alle interessierten Startups konnten sich in den Entwicklungsprozess der Position einbringen. Es gab u.a. einen großen Workshop, an dem übrigens auch andere Startup-Unterstützer, Verbände und das Wirtschaftsministerium beteiligt waren. Zudem konnten alle zu den Formulierungen schriftlich Stellung nehmen, bevor die Position erst in diversen Ausschüssen der IHK diskutiert und anschließend der Vollversammlung offiziell zur Abstimmung vorgelegt wurde.

Was unterscheidet die politische Interessensvertretung durch die IHK von der Arbeit von Verbänden?

Eine IHK hat die Aufgabe, das Gesamtinteresse der Wirtschaft zu vertreten. Unsere Positionen dürfen daher nicht einseitig eine bestimmte Gruppe von Unternehmen bevorzugen. Sie sollten auch immer das politisch Machbare im Auge halten. Sonst würde die IHK schnell ihre Glaubwürdigkeit bei den Politikern verlieren.

Welche Rolle spielt hierbei der IHK-Beitrag?

In der IHK hat jedes Unternehmen eine Stimme – unabhängig davon, wie hoch der Beitrag ist. Übrigens zahlen über 40% der IHK-Mitgliedsunternehmen überhaupt keinen Beitrag, weil sie noch zu wenig Gewinne machen.

Dadurch, dass alle gewerblich tätigen Unternehmen bei uns Mitglied sind, können wir auch als Stimme der oberbayerischen Wirtschaft auftreten – und werden auch so von der Politik wahrgenommen.

Wie geht es jetzt weiter nachdem die Position an die Politik kommuniziert wurde?

Wir bleiben natürlich am Thema dran und schauen der Politik auf die Finger, was passiert und wo es stockt. Im Grunde ist die politische Arbeit ein kontinuierlicher Prozess aus Bewertungen, Vorschlägen und Austausch. Das bedeutet für uns: bestehende Positionen verfolgen und relevante Störfaktoren identifizieren. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl – wie die Bayerische Landtagswahl 2018 zeigt.

Übrigens haben wir die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl auch hinsichtlich der Unterstützung von Startups analysiert. Die Ergebnisse haben wir hier zusammengefasst.