„Glasklarer Kundennutzen“ – Video-Ident-Fintech IDnow im Porträt
IDnow-Gründer-Team (v.l.: Dennis von Ferenczy, Sebastian Bärhold, Armin Bauer, Felix Haas)

„Glasklarer Kundennutzen“ – Video-Ident-Fintech IDnow im Porträt

Das Münchner Fintech IDnow liefert video-basierte Identifikations- und eSigning-Lösungen für den digitalen, rechtskonformen Vertragsabschluss. Das Unternehmen wurde 2014 von Dennis von Ferenczy, Sebastian Bärhold, Armin Bauer und Felix Haas gegründet. Die Vier sind in der Gründerszene keine Unbekannten — ihre 2006 gegründete Ticketing-Firma amiando hatten sie 2011 für mehr als 10 Millionen Euro an Xing verkauft.

Auch IDnow ist auf Erfolgskurs. Erst kürzlich wurde das Unternehmen als „Erfolgreichstes Fintech“ mit dem Euro Finance Tech Award ausgezeichnet. Mit der EU-weit patentierten Video-Identifikations-Lösung ermöglicht das Startup eine rechtskonforme, sichere Identifizierung per Videochat. Bisher musste man sich bei ausweispflichtigen Vertragsabschlüssen wie einer Kontoeröffnung oder einem Kreditvertrag bei der Bank oder der Post persönlich ausweisen.

Mit AI gestütztes Identifizierungsverfahren

Sebastian Bärhold,  Gründer und CFO, sagt:IDnow_Sebastian_Bärhold

„In einem von IDnow unterstützten Onboarding läuft derselbe Prozess vollkommen digital und papierlos in nur wenigen Minuten ab. Dazu kommt, dass unser mit künstlicher Intelligenz gestütztes Identifizierungsverfahren sicherer ist als das klassische Post-Ident-Verfahren.“

Mit dem Video-Ident-Verfahren lässt sich das Ganze bedeutend einfacher über einen gültigen Ausweis und ein Smartphone oder einen Computer mit Webcam abwickeln.

Das Startup fokussiert sein Angebot auf Unternehmen, die bei der Online-Akquise von Kunden eine Legitimitätsprüfung durchführen müssen: Banken, Leasing-Gesellschaften, Kreditkartengesellschaften, Herausgeber von Kryptowährungen, Robo Advisor und viele andere. Damit ist IDnow mittlerweile in vielen Märkten Europas auf Wachstumskurs.

Doch wie kamen die ehemaligen amiando-Gründer auf die Idee? Wie so oft steckt dahinter eine persönliche Erfahrung. Bärhold erzählt:

„Einer unserer Gründer wollte an einem Samstag ein Bankkonto eröffnen. Er kam aber nur bis zum Ausfüllen des Online-Formulars, denn für die Identifizierung hätte er zur Bank oder zur Post gehen müssen. Beide hatten aber zu dem Zeitpunkt schon geschlossen. So entstand die Idee von einer Online-Identifikationslösung, die unabhängig von Zeit und Ort nutzbar sein sollte.“

Eine harte Geduldsprobe…

Auf eine harte Probe wurde die Geduld der Gründer gestellt, als sich die Zulassung des Video-Ident-Verfahrens durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arg hinzog. Doch als endlich die Zustimmung im Frühjahr 2014 erteilt wurde war die Freude groß. Das war der Startschuss für die video-basierte Identifizierung in Deutschland.

Sebastian Bärhold dazu:

„Damit stand auch unserem Roll-Out auf dem deutschen Markt nichts mehr im Weg. Erfreulich war, dass wir schon zum Jahresende nennenswerte Umsätze einfahren konnten.“

Ein weiterer Meilenstein: Die Erweiterung um die qualifizierte elektronische Signatur (QES) im April 2016. Diese Lösung erfreut sich dank der EU-Verordnung zur „electronic IDentification, Authentication and trust Services“, kurz eIDAS, europaweit großer Beliebtheit. Im Mai 2016 folgte dann das EU-Patent auf das Video-Identifikationsverfahren — das hatten die Gründer bereits 2013 eingereicht.

 

Bildschirm Video-Identifikationsverfahren

Wie IDnow die Internationalisierung angeht

Kaum sind die einen Herausforderungen gemeistert, stehen die nächsten Themen an. Die aktuell herausforderndste Frage bei IDnow ist wohl die Internationalisierung des Unternehmens. Denn immer mehr Länder in Europa wollen auf die video-gestützte Identitätsprüfung umstellen und passen ihre Gesetzgebung entsprechend an.

Gründer Bärhold führt aus:

„Um in diesen Märkten von Anfang an dabei zu sein, müssen wir mit ihren Regulatoren und mit potentiellen Kunden ins Gespräch kommen, und das parallel in viele Richtungen. Glücklicherweise haben wir bereits in vielen Auslandsmärkten schon gute Aufbauarbeit geleistet.“

Unter anderem ist das Münchner Startup bereits in Spanien, Italien und der Schweiz mit der Video-Ident- und teilweise auch mit der eSigning-Lösung bereits am Markt. Das nächste Zielland ist Frankreich, wo die Einführung von Video-Ident unmittelbar bevorsteht.

Für die weitere internationale Expansion haben sich die Münchner sogar einen neuen CEO an Bord geholt – Rupert Spiegelberg. Er verfügt über 17 Jahre Erfahrung im Aufbau von Technologie-Unternehmen in Europa, UK und den USA, mit einem Fokus auf B2B-Fintech- und Regtech-Unternehmen.

Bärhold erklärt:

„Wir brauchen eine Managementstruktur, die unserer Entwicklung hin zu einem international wachsenden, in unterschiedlichen Branchen aktiven Technologieunternehmen entspricht. Hier haben wir mit der Ernennung unseres neuen CEOs Rupert Spiegelberg bereits einen wichtigen Anker gesetzt.“

Für seinen früheren Arbeitgeber, das internationale Software-Unternehmen Investis aus New York, erreichte Spiegelberg als CEO das schnellste Wachstum einer US-Firma innerhalb dieser Branche. Man darf also auf die weiteren Entwicklungen bei IDnow gespannt sein.

Eine nachhaltige Unternehmensentwicklung

Von IDnow-Gründer Bärhold wollten wir wissen, was aus seiner Sicht — neben der passenden Managementstruktur — weitere wichtige Faktoren für die erfolgreiche Unternehmensentwicklung sind:

„Wir müssen weiterhin Gespräche mit den europäischen Regulatoren führen, um sie bei der Einführung des Video-Ident-Verfahrens zu unterstützen.“

Er ergänzt:

„Außerdem müssen wir personell wachsen, um in den neuen Märkten und den unterschiedlichen Branchen erfolgreich aufzutreten.“

Learnings — was den Weg ebnet

Erfolgreiches Auftreten, gutes Image: Allein aus diesem Grund sind bei einer Firma wie IDnow mit einem B2B2C-Modell auch Dinge wie App-und Service-Bewertungen ein wichtiges Thema. Von Firmengründer Bärhold wollten wir daher wissen, wie die Firma mit schlechten Bewertungen umgeht. Er erklärt:

„Jede Bewertung ist erst einmal hilfreich, weil sie Hinweise zu Optimierungspotenzialen enthalten kann. Wir prüfen dabei sehr genau, was die Quelle des Problems ist, ob die Technik oder die Interaktion zwischen User und Video-Moderator das Thema sind.“

Wenn ein Startup genau hinhört, was der Kunde sagt, kann es daraus viele Learnings ziehen. Mindestens genauso viele, wie durch die eigenen Erfahrungen — oder auch Fehler — die man beim Gründen gemacht hat. Entsprechend hat es Vorteile, wenn man bereits vorher ein Unternehmen gegründet hat und wie Bärhold am Aufbau mehrerer Startups beteiligt war. Daher haben wir ihn nach seinen ultimativen Tipps für Gründer gefragt:

  1. „Beiße Dich nicht gleich in Deine allererste Idee fest. Als Gründer musst Du immer wieder Ideen verwerfen und Dir neue Inspiration holen, um ein wirklich zugkräftiges Produkt zu entwickeln.

2. Konzentriere Dich zu 100 % auf Deine Sache! Ein erfolgreiches Unternehmen erfordert das volle Engagement seiner Gründer.

3. Ganz wichtig ist die Marktorientierung. Gründer sollten eine Lösung bieten, die sich durch einen glasklaren Kundennutzen auszeichnet.

4. Sei ganz vorne dabei! Ohne eine schnelle und perfekte Umsetzung ist die beste Idee nichts wert.“

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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