Münchner Sozialunternehmer landet mit „Ein-Dollar-Brille“ auf Forbes Liste
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Münchner Sozialunternehmer landet mit „Ein-Dollar-Brille“ auf Forbes Liste

Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes blickt wieder einmal nach München. Denn bei „30 Under 30 Europe – Social Entrepreneurs“ ist auch der  TUM-Absolvent Jakob Schillinger gelistet worden. Der 26-Jährige gehört zu den Gründern des Vereins EinDollarBrille. Dieser schult Optiker in Entwicklungsländern, die äußerst preiswerte Brillen herstellen und verkaufen.

Eine Brille, die sich jeder leisten kann und die überall einfach gefertigt werden kann – das ist die Idee des Vereins EinDollarBrille. Rund 150 Millionen Menschen mit Sehschwächen können sich laut einer Studie der WHO keine Brille leisten und sind damit oft von Bildung und bestimmten Berufen ausgeschlossen. Angesichts dieser Not hatte der Erlanger Lehrer Martin Aufmuth 2012 eine Billig-Brille entwickelt: aus Federstahlrahmen und vorgeschliffenen Gläsern aus Polycarbonat. Er konstruierte auch eine Biegemaschine zur Herstellung der Brillen, die tragbar ist und ohne Strom bedient werden kann.

Die Studierenden des Enactus-Teams München wurden auf die Erfindung aufmerksam und boten Unterstützung beim Aufbau des Projekts an. Bei Enactus, einer weltweit tätigen Non-Profit-Organisation, engagieren sich Studierende ehrenamtlich. Ihr Ziel ist es, Menschen zu befähigen, sich mit wirtschaftlichem Handeln selbst zu helfen.

Rollout in Burkina Faso

Zusammen gründeten sie den Verein EinDollarBrille, um vor Ort Menschen in der Herstellung der Sehhilfen, in Sehtests und im Verkauf zu schulen. Zu den Gründern zählte auch Jakob Schillinger, der an der TUM Technologie- und Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre studierte. 2013 fuhr er nach Ruanda, danach nach Bolivien und Burkina Faso.

Mittlerweile ist der 26-Jährige bei dem Verein angestellt und reist als Landeskoordinator von Burkina Faso mehrmals im Jahr in das westafrikanische Land. Sein Ziel: ganz Burkina Faso mit Brillen zu versorgen, das bedeute die Herstellung von etwa zwei bis drei Millionen Brillen. Er wird bald wieder dorthin fahren, zunächst in die Hauptstadt Ouagadougou und dann in die Dörfer, um auch dort Menschen für den Beruf des Optikers zu begeistern, sie zu informieren und in Sachen Technik und Betriebswirtschaft zu schulen.

Eine Brille für drei Tageslöhne

Die Optiker fertigen die Gestelle der„Ein-Dollar-Brille“ für knapp unter einem Dollar. Der Verkaufspreis liegt bei zwei bis drei ortsüblichen Tageslöhnen und damit bei etwa sechs Dollar. Derzeit arbeiten etwa 23 Menschen für den Verein. Sie und ihre Familien leben vom Verkauf der Brillen.

Auch Jakob Schillinger selbst hat von seinem Engagement profitiert: „Ich habe gelernt, dass über allem die Kommunikation steht. Dass man nicht von vornherein Wertschöpfung erwarten darf, sondern dass sie sich entwickelt, wenn man ohne Erwartungen einfach handelt. Ich habe sehr früh gelernt, eine Führungsrolle und Verantwortung für Entscheidungen und die davon betroffenen Menschen zu übernehmen.“

Schillinger hat im April 2014 seinen Bachelor an der TUM gemacht und wird dieses Jahr sein Studium der Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München abschließen. Er freut sich über den Platz auf der Forbes Liste: „Das ist auch ein Türöffner.“

TUM fördert Gründungen der Top „30 Under 30“

Das Wirtschaftsmagazin macht in den USA schon seit Jahren herausragende Persönlichkeiten ausfindig, die jünger als 30 Jahre sind und mit ihrer Leistung Impulse für die Zukunft geben. Nun hat es seine „30 Under 30“-Listen erstmals für Europa veröffentlicht, in mehreren Kategorien.

In der Rubrik „Science and Healthcare“ waren bereits vier Unternehmer von  IUVAS und Celonis vertreten, deren Gründungen von der TUM gefördert werden oder wurden.

Weitere Infos findet Ihr bei der TU München.

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München
und die Region, das von der Stadt München, der IHK für München und Oberbayern und dem Zusammenschluss 4Entrepreneurship entwickelt wurde. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH). Unterstützt wird die Initiative u.a. vom Freistaat Bayern.