Dr. Jörg Heurer, CEO und CO-Founder von Ecog.
© Ecog

Ecog will neue Standards beim Laden von Elektrofahrzeugen setzen

Seit 2017 hilft Ecog Herstellern von Ladestationen dabei, ihre Lösungen kosteneffizient zu entwickeln und profitabel zu skalieren. Im Interview erklärt CEO und CO-Founder Jörg Heurer, welche Erfolge sein Unternehmen bisher feiern konnte und wie es für Ecog weitergeht.

Munich Startup: Welches Problem löst Ecog?

Jörg Heuer, CEO und Co-Founder von Ecog: Ecog ist ein globales IP- und Technologieunternehmen, das an dem schnellen Ausbau einer nachhaltigen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge arbeitet. Mit unseren Ladecontrollern, Referenzdesigns und der Software ermöglichen wir es Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen schnell auf den Markt zu bringen und profitabel zu skalieren.

Munich Startup: Wie hat sich Eure Lösung seit der Gründung entwickelt?

Jörg Heuer: Als Ausgründung der Siemens AG wurde Ecog 2017 im Rahmen des Techstars Mobility Accelerator mit Unterstützung von Siemens und Next47 in Detroit gegründet. Von Anfang an war es unser Ziel, neue Standards beim Laden von Elektrofahrzeugen zu setzen und die Mobilitätswende voranzutreiben. Kurze Zeit später erfolgte der Umzug nach München. Das lag vor allem an der schnellen Entwicklung des Elektromobilitätsmarktes in Europa.

Seitdem ging es Schlag auf Schlag: 2018 wurde Ecog in den Accelerator in Oslo aufgenommen und 2019 wurde der Universal Core, der auf patentierten Technologien und speziellen Betriebssystemen beruht, auf Siemens-Ladestationen eingeführt.

Die Herausforderungen der Elektromobilität, insbesondere die Zuverlässigkeit des Ladevorgangs, haben uns dazu veranlasst, 2023 den ersten globalen Zuverlässigkeitsindex für Ladestationen, den Ecog Charging Reliability Index, auf den Markt zu bringen. Der Ecog CRI bietet Einblicke in kritische Faktoren, die die Ladeeffizienz beeinflussen.

In diesem Jahr haben wir gemeinsam mit Infineon eine Referenzarchitektur für bidirektionale Wallboxen entwickelt. Wir sehen ein großes Potenzial für bidirektionales Laden im Rahmen der Energiewende.

„Im vergangenen Jahr ist Ecog viermal schneller gewachsen als der Markt“

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Erfolge?

Jörg Heuer: Im Jahr 2022 haben wir einen Marktanteil von 15 Prozent bei DC-Ladegeräten für Elektrofahrzeuge in der EU erreicht und sind damit Marktführer. Zwei weitere große Erfolge im Jahr 2023 waren der Markteintritt in Indien im Jahr 2023 und die Veröffentlichung des Ecog CRI. Mit diesem Index setzen wir neue Maßstäbe bei der Überprüfung der Zuverlässigkeit von Elektroautos während des Ladevorgangs. Derzeit ist jeder vierte Ladevorgang fehlerhaft. Sie sehen also – der Bedarf ist da.

Besonders stolz sind wir in diesem Jahr auf die Eröffnung unseres Standorts in Detroit, der mit 1,5 Millionen US-Dollar vom Staat Michigan gefördert wurde und in den wir selbst mit über 14 Millionen US-Dollar investieren.

Mittlerweile läuft unser Betriebssystem auf 40 verschiedenen Laderserien, von der Wallbox bis zum Megawattcharger und aktuell zählen wir mehr als 20 namhafte Kunden, darunter Siemens und einen der weltweit größten Tankstellenausrüster.

Im vergangenen Jahr ist Ecog viermal schneller gewachsen als der Markt und wir sind echt stolz, dass unser Engagement und Innovationskraft anerkannt werden: Zweimal in Folge wurden wir unter den Deloitte Top 50 Unternehmen in 2022 und 2023 gelistet und wurden kürzlich mit dem Deutschen Innovationspreis ausgezeichnet.

Munich Startup: Und mit welchen Herausforderungen hattet Ihr zu kämpfen?

Jörg Heuer: Ein großes Problem ist der Netzausbau und seine Geschwindigkeit. Die auf Verbrennungsmotoren ausgerichtete Infrastruktur braucht dringend ein Update. Noch ist die Infrastrukturbranche uneins: Viele Akteure wollen den Ausbau mitgestalten. Besonders wichtig ist aber eine möglichst hohe Interoperabilität – also dass wirklich alle Autos geladen werden können – damit das Ladenetz für alle Elektrofahrzeuge attraktiv ist. Denn nur mit einem guten Ladenetz steigt auch die Motivation, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Mit Sorge betrachten wir auch die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge ist derzeit ins Stocken geraten. Das muss sich dringend wieder ändern, damit wir die Mobilitätswende schaffen.

Katalysator für Ladeinfrastruktur

Munich Startup: Welche Learnings konntet Ihr im Gründerteam mitnehmen?

Jörg Heuer: Zusammen mit Johannes Hund und Manuel Heckmann gründete ich Ecog, gestützt auf unsere langjährige Erfahrung in der Elektromobilität. Ich war bei Siemens im Bereich Telekommunikation und Netzinfrastruktur tätig, Johannes im Bereich IoT und Manuel aus dem Bereich Venture Capital – so haben wir unsere Expertise in Ecog gebündelt. Für uns war es super spannend, dass wir zwar als Startup denken mussten, jedoch die Corporate Welt gut kennen, um so unseren Markt bedienen zu können. Um Innovationen in der Infrastruktur voranzutreiben, muss man sich vor allem innerhalb der Branche gegenseitig unterstützen. Deshalb verstehen wir uns als Katalysator für Ladeinfrastruktur.

Munich Startup: Welche Rolle spielte das Münchner Ökosystem auf Eurem Weg?

Jörg Heuer: München wird bereits als Silicon Valley für IoT bezeichnet – dem können wir als internationales Scaleup nur zustimmen, wir fühlen uns an diesem Technologiestandort sehr wohl. Zudem bieten die großen Automobilhersteller vor Ort gute Kooperationsmöglichkeiten, die ebenfalls neueste Technologien vorantreiben. Wir profitieren aber nicht nur von der starken Wirtschaft, sondern auch von der bayerischen Politik, die den Standort sehr unterstützt. In Zukunft möchten wir auch in München das Laden pilotieren, die Stadt möchte ja nun den Aufbau der Ladeinfrastruktur einfacher regeln.

Munich Startup: Was ist die Vision Eures Unternehmens?

Jörg Heuer: Eigentlich bringt unser Name die Vision auf den Punkt: ‘Ecog’ setzt sich aus den Wörtern ecological, ecosystem und energy zusammen und verdeutlicht unser Ziel, die Ladeinfrastruktur und den Netzausbau der Zukunft mitzugestalten und beides integrierter, nachhaltiger und profitabler zu machen.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2020 über das Münchner Startup Ökosystem. Dabei haben es dem studierten Politikwissenschaftler vor allem Deeptech-Themen angetan.

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