Unsere Interviewpartnerin Carolin Gabor von caesar. Ventures
Foto: Corinna Brix

caesar. Ventures: „Wir legen großen Wert auf Diversität“

Am 21. Mai findet Cashwalk, das Matchmaking-Event von Start2 statt, das Startups und InvestorInnen zusammenbringt. Auf Investorenseite mit dabei: caesar. Ventures. Ein guter Grund also, dem Münchner VC auf den Zahn zu fühlen. Im Interview erklärt uns Carolin Gabor von caesar. Ventures, was Startups bei einem Pitch richtig machen können, wie es nach einem Pitch-Event wie dem Cashwalk für Startups idealerweise weitergeht und warum ein divers aufgestelltes Team aus ihrer Sicht so wichtig ist.

Munich Startup: Was macht ihr bei caesar. Ventures anders als andere Investoren?

Carolin Gabor, caesar. Ventures: Unser Team zeichnet sich durch die Gründung und Investition in Unicorns und Category-Champions aus und wir bringen eine breite Palette aus Erfahrungen aus vielen unterschiedlichen Industrien mit.

„We invest before investing!“: Teams, die uns überzeugen, erhalten von uns häufig, noch lange bevor wir investieren, konstruktives Feedback zum Geschäftsmodell, relevante Intros zu mehrwertschaffenden Business Angels und Industrieexperten. Wenn wir investiert sind, unterstützen wir sehr aktiv bei der Planung und Umsetzung der nächsten Finanzierungsrunde. Wir verhalten uns dabei wie „professionelle Super Angels“ und sind engagiert, diszipliniert und gut vernetzt.

Startups so früh wie möglich kennenlernen

Munich Startup: Wieso Cashwalk? Startups schreiben Euch doch wahrscheinlich sowieso?

Carolin Gabor: Cashwalk hat für uns eine besondere Bedeutung, da wir hier die Möglichkeit haben, die Gründerteams persönlich kennenzulernen, und wir legen großen Wert darauf, dies so früh wie möglich zu tun. Unsere positiven Erfahrungen bei früheren Veranstaltungen sowie das Kennenlernen einiger unserer heutigen Portfolio-Companies haben uns von der hohen Qualität der ausgewählten Startups überzeugt.

Munich Startup: In welchem Verhältnis seht Ihr Euch zu Startups? Seid Ihr wirklich „anteilsfressende Löwen“?

Carolin Gabor: Wir betrachten uns als „professionelle Super Angels“ und streben danach, die Art von Investoren zu sein, die wir uns als GründerInnen immer gewünscht haben. Wir unterstützen sehr gerne, wenn wir gebraucht werden, und lassen unsere Teams ansonsten gerne einfach machen. Wir agieren als Wegbereiter für die nächste Finanzierungsrunde und werden von anderen VCs als Differenzierungsfaktor und weniger als Wettbewerb gesehen. Durch unser umfangreiches Netzwerk von Investoren können wir die idealen Co-Investoren für unser Portfolio identifizieren.

Gesucht: Disruptive & skalierbare Lösungen

Munich Startup: Was sollte ein Startup mitbringen, wenn es Finanzierung sucht? Worauf achtet Ihr?

Carolin Gabor: Für Startups, die Finanzierung suchen, ist es wichtig, im Team komplementäre Profile sowie eine starke Umsetzungsfähigkeit mitzubringen. Wir achten auch auf die „ability to raise“, also die Fähigkeit des Teams, mit Investoren zu kommunizieren und beispielsweise ordentliche Pitch-Unterlagen bereitzustellen. Es ist uns sehr wichtig, dass die Startups große relevante Probleme adressieren, ihr Produkt zur Lösung des Problems den Marktlösungen gegenüber echt disruptiv ist und das Geschäftsmodell skalierbar ist. Und natürlich sollte das Startup in wenigen Jahren einen hohen Umsatz und Ergebnisse erreichen können, damit es attraktiv für einen Verkauf an einen Strategen oder IPO ist.

Munich Startup: Tipps für den Pitch? Was könnt Ihr nicht mehr sehen oder hören? Wovon wollt Ihr mehr?

Carolin Gabor: Bei Pitches möchten wir gut durchdachte Geschäftsmodelle sehen und eine ausreichende Marktvalidierung am besten direkt nachvollziehen können, Zahlen und Fakten sind da immer hilfreich. Am besten sollten die Startups in einem knackigen Satz beschreiben können, was sie machen und was das Alleinstellungsmerkmal ihrer Lösung ist. Wir freuen uns über Pitches, die diese inhaltlichen Aspekte berücksichtigen und gleichzeitig überzeugend kommunizieren können.

Wie geht es nach dem Pitch weiter?

Munich Startup: Startup und Investor treffen zusammen – z.B. beim Pitch-Event Cashwalk und es passt. Wie geht es dann weiter?

Carolin Gabor: Wenn wir Startups bei einem Event wie beim Cashwalk spannend finden, folgt üblicherweise im Anschluss ein Austausch von Unterlagen, die wir uns nochmal in Ruhe anschauen, und ein Follow-up Call. Das Startup lernt dann unser Dealteam kennen, während wir das gesamte Gründerteam noch näher kennenlernen möchten. Wenn dann weiterhin Interesse auf beiden Seiten besteht, starten wir unseren Due Diligence Prozess, bei dem wir immer einen gemeinsamen Workshop zu selektierten Themen mit dem Team in Person integrieren. Abschließend findet ein Pitch vor dem gesamten Partnerkreis statt, um danach zeitnah eine Entscheidung zu treffen.

Munich Startup: Schönste oder lustigste Geschichte aus dem Investment-Alltag?

Carolin Gabor: Lustig: Ein starkes Team aus New Yorker Investmentbankern verkauft Hundemacarons über Amazon. Schönste: Wenn Startup-Gründer-Teams an so coolen und spannenden Themen arbeiten, dass sogar unsere Teenager-Kids beim Pitch dabei sein wollen.

Munich Startup: Als Investorin ist Frau in der Unterzahl: Ändert sich etwas? Und wie sieht es bei Startups nach Eurer Erfahrung nach aus?

Carolin Gabor: Die Veränderung hin zu mehr Diversität in Bezug auf Geschlecht verläuft zwar langsam, aber wir sehen einen Fortschritt, sowohl bei Investoren als auch bei Startups. Trotzdem sehen wir jedoch immer noch häufig rein männlich besetzte Teams bei Startups, weshalb wir GründerInnen ermutigen möchten, gerne auf uns zuzukommen! Bei caesar. legen wir großen Wert auf Diversität in allen Vielfaltsdimensionen und möchten gerne aktiv dazu beitragen, diese zu fördern und zu unterstützen. Denn wir wissen selbst, wie gut uns kontroverse Diskussionen bei Investment-Entscheidungen tun.