Das Gründerteam von Branchly
Foto: Branchly

Branchly: Effiziente Kundenkommunikation mit KI

Chatbots auf Unternehmensseiten, die einem schnelle und hilfreiche Antworten auf Fragen liefern, sind eine gute Idee – wenn sie denn funktionieren. Das Münchner Startup Branchly will mit seiner KI-basierten Lösung dazu beitragen, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen mit einem bestmöglichen Kundenservice punkten können. Wie genau das funktioniert, erklären die beiden Gründer Sebastian Flick und Markus Linnenberg im Interview.

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Branchly: Wir stellen kleinen und mittelständischen Unternehmen eine effiziente Lösung zur Verfügung, die den Einsatz modernster KI-Technologien wie semantische Sofortsuche und Large Language Models für die Kundenkommunikation ermöglicht. Beispielsweise kann in nur vier einfachen Schritten und in wenigen Minuten ein generativer AI-Chat (basierend auf der Branchly AI) erstellt und auf der Webseite eingebettet werden.

Effiziente und fokussierte Lösung statt teure Datensilos

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Branchly: Wir bieten einen völlig neuen Ansatz. Unsere Kunden kommen zu uns, weil sie nicht mehr teuer Datensilos aufbauen oder manuell Content in einer unübersichtlichen Plattform pflegen wollen. Wir wenden uns von kostspieligen Einrichtungen ab und streben stattdessen nach einer effizienten und fokussierten Lösung, die hochmoderne KI-Techniken verwendet. Als einer der ersten Disruptoren im Bereich der Chatbots konnten wir unsere Erfahrungen und das Kundenwissen aus unserem letzten Unternehmen erfolgreich einbringen.

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Branchly: Wir haben uns bei einem Chatbot- und KI-Startup kennengelernt. Dort haben wir gemerkt, dass es zahlreiche Themen gibt, für die wir erhebliche Verbesserungspotenziale für Kunden und Nutzer sehen. Insbesondere die damaligen Chatbots hatten mit Akzeptanz- und Mehrwertproblemen zu kämpfen, was bei Nutzern zu Frustration führte, während Unternehmen gleichzeitig viel Aufwand in Setup und Wartung investieren mussten. Ein erster Kunde hat dies auch so gesehen, weshalb wir uns entschlossen haben, ein Produkt dafür zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Dies macht nun die Basis von Branchly aus. Viele Prinzipien von Branchly sind auf unsere Erfahrungen aus unseren vergangenen Jobs zurückzuführen.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Branchly: KI befindet sich, nicht zuletzt durch den Hype um generative KI, in einer enormen Veränderungsphase. Täglich gibt es viele Entwicklungen, die man im Auge behalten muss. Als Lösungsanbieter müssen wir aber stets evaluieren, was unseren Kunden tatsächlich Mehrwert bietet. Dafür ist auch der kontinuierliche Dialog mit Kunden und Interessenten entscheidend. Gleichzeitig gibt es am Markt ältere Unternehmen, die mit Venture Capital unterstützt werden. Wir sind überzeugt, dass wir ohne den technischen und organisatorischen Ballast dieser Legacy-Unternehmen agiler und schneller sind, was für uns eine große Chance darstellt.

„Positive Aspekte der KI nutzen“

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Branchly: In einem Jahr wollen wir eine beträchtliche Anzahl neuer kleiner und mittelständischer Unternehmen als Kunden gewonnen haben. Produktseitig planen wir, uns noch stärker auf wertgetriebene Funktionen zu konzentrieren, um das Potenzial der KI voll auszuschöpfen. Obwohl es manchmal seltsam erscheinen mag, stehen wir im Bereich der KI noch am Anfang. Viele Unternehmen experimentieren und die innovativen beginnen bereits, Lösungen zu implementieren. Angesichts des großen Interesses an unseren Lösungen müssen wir unser Team sicherlich personell weiter verstärken.

In fünf Jahren möchten wir als etabliertes Softwareunternehmen bekannt sein, das mit innovativen Lösungen die Kundenerlebnisse und -interaktionen verbessert, unabhängig davon, wo sich der Kunde befindet. Wir sind überzeugt, dass KI unsere Lebensweisen noch stärker als bisher beeinflussen wird. Unser Ziel ist es, die positiven Aspekte der KI zu nutzen, damit Menschen sich auf das Wesentliche konzentrieren können und die wirklich wichtigen Dinge im Fokus stehen.

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Branchly: Wir sind beide seit mehreren Jahren im Münchner Startup-Ökosystem aktiv. Wir sind der Meinung, dass München und Bayern insgesamt der ideale Standort für ein Software- beziehungsweise KI-Unternehmen sind, da hier das B2B-Software-Ökosystem am besten entwickelt ist. Wir sind zum Beispiel im Werk1 ansässig, wo die Bedingungen für junge Unternehmen hervorragend sind. Auch die Fördermöglichkeiten und die politische Bereitschaft, KI ernst zu nehmen, sind wertvolle Vorteile für Gründer, die überlegen, wo sie ihr Startup gründen sollten.

Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?

Branchly: Unser Ziel ist der Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens. Da Branchly vollständig selbstfinanziert ist, verfolgen wir hier sicherlich eine andere Philosophie als VC-finanzierte Startups. Nichtsdestotrotz muss man auch stets opportunistisch sein und die sich bietenden Chancen erkennen und nutzen, egal in welcher Form sie sich darstellen.