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Kühlen ohne Chemie: Justairtech setzt auf Luft als effizientes Kältemittel

Kühlen ohne Chemie: Justairtech setzt auf Luft als effizientes Kältemittel

Das Team von Justairtech

Credit: Foto: Justairtech

Das Team von Justairtech – Credit: Foto: Justairtech

Regina Bruckschlögl

Regina Bruckschlögl

Das Münchner Startup Justairtech entwickelt eine Kälteanlage, die mit einem scheinbar simplen, aber bislang wirtschaftlich ungenutzten Medium arbeitet: Luft. Mit innovativen 3D-gedruckten Wärmetauschern und einem fraktalen Design senken sie laut Unternehmensangaben den Energieverbrauch um bis zu 80 Prozent – und machen so einen wichtigen Schritt in Richtung klimaneutraler Kühlung. Ziel: Rechenzentren, Industriekühlung und bald auch klimafreundliches Heizen. Mehr dazu im Interview.

8. August 2025

4 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Justairtech: Wir entwickeln eine Kälteanlage, die Luft als Kältemittel verwendet und dabei 80 Prozent Energie einspart im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen. Das Problem beim Thema Kühlung ist, dass sie für viele Prozesse notwendig ist, aber aufgrund des hohen Energieverbrauchs und CO2e Ausstoßes selbst massiv zur Erderwärmung beiträgt. Das gleiche gilt für Heizen und Klimatisieren. Unsere Lösung ist ein Baustein, um bis 2050 Klimaneutralität in Europa zu erreichen und die Erderwärmung in Schach zu halten.

Wirtschaftlicher Einsatz von Luft als Kältemittel durch Innovationen

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Justairtech: Das stimmt – Luft als Kältemittel wird schon lange eingesetzt, allerdings bislang kaum wirtschaftlich. Aktuell gibt es keine Kühl- oder Klimaanlage mit Luft als Kältemittel auf dem Markt. Lediglich im Bereich Gefrieren bietet ein tschechisches Startup eine Lösung an. Uns gelingt der wirtschaftliche Einsatz von Luft als Kältemittel durch mehrere Innovationen. Die beiden Herzstücke sind zwei hocheffiziente und dabei druckverlustarme Wärmetauscher mit einem neuartigen, fraktalen Design. Sie werden additiv hergestellt und verfügen aufgrund ihrer sehr feinen Helix-Struktur über das Vielfache der Oberfläche eines herkömmlichen Wärmetauschers. Unsere Kühlanlage wird 4–5-mal so effizient sein wie vergleichbare state-of-the-art Anlagen.

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Justairtech: Holger hatte sich zunächst mit der Wasserkühlung beschäftigt. In seinem vorherigen Startup Efficient Energy wurde eine Kältemaschine entwickelt, die mit Wasser kühlt – aber ungefähr den doppelten Wirkungsgrad erzielt als bisherige Kühlmaschinen. Was allerdings unterschätzt wurde: Sie wollten die Anlage entwickeln und Komponenten von der Industrie einkaufen. Die Industrie hatte jedoch keinerlei Erfahrung mit Wasserdampf im Grobvakuum, sodass die Komponenten selbst entwickelt werden mussten. Und das hat schlicht zu lange gedauert und war zu teuer.

Also hat er sich etwas anderes überlegt, ist auf Luft gekommen – und hat zusammen mit Jens Justairtech gegründet. Jens und Holger kennen sich von der Efficient Energy und wussten, dass sie mit sehr unterschiedlichen Profilen und Kompetenzen ein gutes Gründungsteam sind.

Vom Prototyp zur Marktreife: Herausforderungen und nächste Schritte

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Justairtech: Unsere größte Herausforderung war die Umsetzung der 3D gedruckten Wärmetauscher in der 25kW Version. Im Jahr 2021 haben wir noch für ein kleines Stück des Wärmetauschers 19 Tage Druckzeit benötigt – da ist dann eine wirtschaftliche Produktion in weiter Ferne. Hauptgrund dafür waren die sehr feinen und komplexen Strukturen, die ganz spezielle Parametersätze zum Druck benötigen, die dann aber auch eine riesige zu übertragende Datenmenge mit sich bringen. Zusammen mit EOS konnten wir das in zwei Jahren

Entwicklungskooperation erfolgreich lösen und können jetzt die 25kW Wärmetauscher in circa 24h Drucken. Verbaut im ersten Anlagenprototypen können wir nun auch zeigen, dass das Gesamtkonzept der Anlage funktioniert.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Justairtech: In einem Jahr wollen wir zwei ß-Test Anlagen in Rechenzentren platzieren und im Laufe des Jahres dann die Feldtests starten. In den nächsten fünf Jahren liegt unser Markteintritt und das Ramp-Up beginnt – bis dahin liegt noch einige Entwicklungsarbeit und der weitere Aufbau des Teams vor uns. Wir konzentrieren uns zunächst auf Rechenzentren, werden dann aber auch in die Bereiche Präzisionskühlung, Prozesskühlung und später auch Heizen und Klimatisieren gehen.

Münchner Angebote überwiegend für junge Teams

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Justairtech: Es gibt hier viele tolle Angebote für GründerInnen – allerdings richten die sich überwiegend an sehr junge Teams und wir haben zwei sehr erfahrene Gründer, so dass wir ehrlicherweise kaum etwas davon nutzen. Das universitäre Netzwerk kommt uns natürlich zu Gute, zum einen in Sachen Kooperationsmöglichkeiten, zum anderen in puncto AbsolventInnen in technischen Bereichen.

Munich Startup: Risiko oder Sicherheit?

Justairtech: Risiko gehört zu eine kompletten technischen Neuentwicklung schon dazu. Inzwischen konnten wir aber viele beseitigen und für die verbleibenden gibt es Strategien zur Reduzierung bzw. was wir im Falle des Eintritts tun.

Sicherheit dagegen sehr gerne in den Punkten Personal und Finanzierung, da können wir auf den Nervenkitzel gerne verzichten.

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