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Nomadic Drones: Fliegende Sensoren fürs Stromnetz

Nomadic Drones: Fliegende Sensoren fürs Stromnetz

Nomadic Drones

Credit: Foto: Nomadic Drones

Nomadic Drones – Credit: Foto: Nomadic Drones

Saskia Doll

Saskia Doll

Nomadic Drones entwickelt autonome Drohnen, die dauerhaft im Stromnetz stationiert sind, sich direkt auf Leitungen aufladen und kontinuierlich Daten liefern. Damit bringen sie echte Sensorik in die Fläche, verhindern Ausfälle und Waldbrände – und heben Netztransparenz auf ein neues Level.

8. September 2025

5 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was macht Euer Startup? Welches Problem löst Ihr?

Lauritz Weil, Co-Founder von Nomadic Drones: Wir entwickeln autonome Drohnen, die sich direkt im Stromnetz stationieren und dort dauerhaft als fliegende Sensorplattformen unterwegs sind. Anders als klassische Inspektionsdrohnen starten sie nicht nur gelegentlich, sondern bleiben dauerhaft im Einsatz – durch ein selbstentwickeltes Nachladesystem, das das Aufladen direkt auf der Leitung ermöglicht.

Das Problem: Stromnetze sind bisher extrem analog. Es fehlen Sensoren, Live-Daten und kontinuierliche Überwachung. Viele Betreiber fliegen ihr Netz im übertragenen Sinne im Blindflug, was zu teuren Ausfällen, Verzögerungen oder im schlimmsten Fall sogar zu Waldbränden führt.

Unsere Lösung bringt erstmals echte Sensorik in die Fläche, ohne dass neue Infrastruktur gebaut werden muss: Unsere Drohne dockt direkt auf den Leitungen an, fliegt automatisiert Strecken ab, liefert kontinuierlich verwertbare Daten und lädt sich dabei selbst nach.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Lauritz Weil: Klassische Inspektionsdrohnen oder punktuelle Kameraflüge – ja, das gibt es.
Aber ein autonomes System, das dauerhaft im Netz integriert ist, regelmäßig fliegt, sich direkt auf der Leitung auflädt und als Sensor-Plattform funktioniert – das gibt es bislang nicht.

Unser Ziel ist nicht nur Inspektion, sondern ein neues Level an Netztransparenz ohne zusätzliche Masten, ohne neue Sensorik, ohne ständige menschliche Eingriffe.

Aus den USA nach München

Munich Startup: Was ist Eure Gründungsstory?

Lauritz Weil: Mein Mitgründer Andreas Moldskred und ich haben uns 2023 während eines Auslandsjahrs an der UC Berkeley kennengelernt. Wir teilen die technische Leidenschaft und bringen einen Hintergrund in Robotik, Energie und autonomen Systemen mit. Während Andreas erste Ideen zur automatisierten Leitungsinspektion hatte, habe ich Erfahrung aus Fertigung und Elektronik beigesteuert. Bevor wir mit der technischen Entwicklung starteten, führten wir über 100 Gespräche mit Netzbetreibern, Linemen, Behörden und anderen Startups. Das Feedback war eindeutig: „Wenn ihr das wirklich hinbekommt, dann braucht man euch.“

Daraufhin begannen wir mit dem Bau erster Prototypen, entwickelten Algorithmen und reichten erste Patente ein. Es folgte die Gründung der US-Firma, der Abschluss einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde und schließlich der Umzug mit dem Team nach München, um die Technologie in Pilotprojekten mit Netzbetreibern weiterzuentwickeln.

Munich Startup: Was waren bisher Eure größten Herausforderungen?

Lauritz Weil: Ganz klar: Hardware und Software zu bauen und gleichzeitig zu finanzieren ist anspruchsvoll. Viele Investoren schrecken vor komplexer Technik zurück, vor allem, wenn man frühphasig unterwegs ist. Auch regulatorisch gibt’s viel zu beachten, von Flugrecht über Sicherheitsfragen bis zur Energieinfrastruktur. Dazu kommt: Man muss nicht nur das Produkt entwickeln, sondern auch mit sehr konservativen Industrien ins Gespräch kommen, Vertrauen aufbauen, erklären, validieren.

Trotzdem: Genau das hat uns oft weitergebracht, weil echtes Interesse da war und wir früh Feedback bekommen haben, was gebraucht wird.

Munich Startup: Wo möchtet Ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Lauritz Weil: In einem Jahr wollen wir mehrere Pilotprojekte erfolgreich abgeschlossen haben – mit autonomen Flügen, stabiler Datenerfassung sowie echter Entlastung für Netzbetreiber.

In fünf Jahren sehen wir unser System als festen Bestandteil der Infrastruktur mit einem Netzwerk an autonomen Drohnenplattformen, die regelmäßig kritische Netze abfliegen und so helfen, Ausfälle, Schäden und Waldbrände zu vermeiden. Die Vision: Ein fliegender Sensor, der das Netz versteht und Netzbetreibern hilft, schneller und smarter zu handeln.

Hervorragende Bedingungen in der bayerischen Landeshauptstadt

Munich Startup: Wie habt Ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Lauritz Weil: Sehr positiv. Für Robotik, Hardware und Engineering ist München einer der besten Standorte in Europa. Wir haben hier Zugang zu exzellenten Talenten, starken Industriepartnern und einem Ökosystem, das Deeptech wirklich versteht. Gleichzeitig ist der Aufbau eines starken Engineering-Teams hier deutlich günstiger als in der Bay Area – genau deshalb ist München extrem attraktiv für Deeptech- und Hardtech-Startups mit großem initialem Engineering-Aufwand.

Was viele überrascht: Regulatorisch war Europa bislang oft einfacher. Gerade im Bereich Drohnen gehört die EU aktuell zu den progressivsten Regionen der westlichen Welt. Auch die Zusammenarbeit mit Stromnetzbetreibern in Deutschland und Norwegen war bisher sehr pragmatisch und unkompliziert. Das war einer der Gründe, warum wir uns entschieden haben, das Engineering und die Produktentwicklung hier in Deutschland aufzubauen.

München ist außerdem hervorragend angebunden und bietet Direktflüge in die ganze Welt – für uns extrem wertvoll. So können wir einerseits hier ein internationales Team aufbauen, das deutsches Engineering in die Produktentwicklung einbringt, und gleichzeitig den amerikanischen Markt adressieren. Unser Ziel ist es, mit dieser Kombination in den US-Markt zu skalieren, erste Testflüge in Kalifornien starten demnächst.

Munich Startup: Hidden Champion oder Shooting Star?

Lauritz Weil: Vielleicht irgendwo dazwischen. Viele haben das Stromnetz nicht wirklich auf dem Schirm – dabei ist es eines der komplexesten und zuverlässigsten Systeme überhaupt. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto klarer wird, wie beeindruckend diese Infrastruktur wirklich ist. Mit der Energiewende, zunehmender Volatilität im Netz und wachsenden Risiken durch Extremwetter oder Angriffe auf kritische Infrastruktur wird die Bedeutung robuster Sensorik und intelligenter Systeme zunehmen. Genau da setzen wir an. Unsere Drohne hilft dabei nicht nur technisch weiter, sie macht das Thema auch sichtbar. Das sorgt für Aufmerksamkeit und öffnet Türen, um über Lösungen zu sprechen, die sonst leicht übersehen werden.

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