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Branchly: Burnout, Bahntickets und Bootstrapping

Branchly: Burnout, Bahntickets und Bootstrapping

Kyrill Ring

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Vom Modehandel ins KI-Business: Branchly-Gründer Sebastian Flick hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Nach einem Burnout im Einzelhandel fand er bei E-Bot7 zur Tech-Welt, begleitete einen Millionen-Exit – und gründete schließlich Branchly. Mit seiner KI-Such- und Chatlösung setzt er auf Bootstrapping statt VC und erzählt im neuen Munich Startup Podcast Pitch & People unter anderem, warum er 200 Tage im Jahr im Zug saß und über 4.000 Euro Bahnkosten zahlen musste.

17. September 2025

PITCH & PEOPLE Folge 1: Branchly

Vom Modehandel ins KI-Business: Branchly-Gründer Sebastian Flick hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Nach einem Burnout im Einzelhandel fand er bei E-Bot7 zur Tech-Welt, begleitete einen Millionen-Exit – und gründete schließlich Branchly. Mit seiner KI-Such- und Chatlösung setzt er auf Bootstrapping statt VC und erzählt im neuen Munich Startup Podcast Pitch & People unter anderem, warum er 200 Tage im Jahr im Zug saß und über 4.000 Euro Bahnkosten zahlen musste.

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Als nichts mehr ging

In der ersten Folge unseres neuen Videopodcast-Formats Pitch & People ist Sebastian Flick von Branchly zu Gast. Sein Werdegang: Ungewöhnlich. Denn er begann seine Karriere nicht in der Tech-Szene, sondern im Einzelhandel. Nach seiner Ausbildung beim Herrenausstatter Hirmer, führte Flicks Weg über Stationen bei Ralph Lauren und Prada zu Hackett, wo er zum jüngsten Store Manager Münchens aufstieg. Doch mit Anfang 20 führte die Belastung zu einem ersten Zusammenbruch, es folgten weitere. Flick konnte nicht mehr, sein Körper rebellierte, mental war er ausgebrannt. Die Diagnose kam schnell: Burnout. Ein Wendepunkt, der ihn aus der Modebranche hinaus und in die Welt der Technologie führte.

Der 70 Millionen Dollar Exit

2017 stieß Flick auf das Münchner KI-Startup E-Bot7. Dort wurde er erster Vollzeitmitarbeiter und schnell eine zentrale Figur für den Vertrieb und die Kundenbetreuung. Er etablierte den Bereich „Customer Success“ und begleitete den Aufstieg des Unternehmens auf mehrere hundert Kunden und 150 Mitarbeiter. 2021 übernahm der US-Konzern LivePerson E-Bot7 – ein Deal über rund 70 Millionen Dollar.

Die Erfahrungen bei E-Bot7 machten Flick deutlich: klassische Chatbots stoßen an ihre Grenzen. Kunden benötigen mehr als eine statische FAQ-Datenbank – eine dynamische Lösung, die Inhalte semantisch erschließt und wirklich mehrsprachig funktioniert. Zusammen mit seinem Mitgründer gründete er 2022 Branchly. Zunächst im Schattenmodus gestartet, erfolgte der offizielle Markteintritt Ende 2023. Heute zählt das Unternehmen rund 30 Kunden, vor allem in Deutschland und Österreich.

Was Branchly anders macht

Branchly setzt auf proprietäre Such- und Chatlösungen, die Unternehmensinhalte in bis zu 101 Sprachen zugänglich machen. Ziel ist es, Inhalte barrierefrei bereitzustellen – und gleichzeitig den Firmen wertvolle Erkenntnisse über das Suchverhalten ihrer Nutzer zu liefern. Kunden profitieren so doppelt: von besserer Zugänglichkeit und datenbasierten Optimierungsmöglichkeiten.

Ein zentrales Learning aus Flicks Zeit bei E-Bot7: Venture Capital bedeutet auch Druck. Deshalb ist Branchly von Anfang an gebootstrapped. Die Finanzierung gelang über Gründerzuschüsse, erste zahlende Kunden und die eigenen Rücklagen. Besonders wichtig: langfristige Verträge von durchschnittlich 24 Monaten, die Cashflow-Sicherheit schaffen.

Lektionen aus dem Burnout

Das Thema Überlastung bleibt für Flick präsent. Frühere Panikattacken haben ihn gelehrt, auf Warnsignale zu achten und Strukturen so zu gestalten, dass er Belastung abfedern kann. Gleichzeitig sieht er seine Einzelhandels-Erfahrung als Vorteil: das Zwischenmenschliche, Kundenbindung und Vertrauen sind für ihn auch in der Software-Welt entscheidend.

Bei Pitch & People erzählt Sebastian Flick wie extrem die Belastung auch in seiner E-Bot7-Zeit war:

„Ich war ungelogen 200 Tage im Zug unterwegs – 4.000 Euro Bahnkosten in der zweiten Klasse, das muss man erstmal schaffen.“

Flick sieht München als starken Standort für Gründer. Doch er kritisiert steuerliche Belastungen wie die Vorsteuerpflicht oder die Gewerbesteuer, die gerade für profitabel arbeitende, aber noch kleine Startups, ein Wachstumshemmnis darstellen können.

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Wir lassen ausgewählte Player aus dem Münchner Ökosystem zu Wort kommen. Neben einem Elevator-Pitch sprechen GründerInnen, InvestorInnen und ExpertInnen zu unterschiedlichsten Themen aus der Startup-Welt. Präsentiert wird der Podcast von Helen Duran und Kyrill Ring aus der Munich Startup Redaktion.

Helen Duran und Kyrill Ring aus der Munich Startup Redaktion mit Mikrofon und Kamera