Munich Startup: Was macht Demi? Welches Problem löst ihr?
Philipp Munsch, Co-Founder Demi: Wir bauen ein AI Commercial Operating System für mittelständische Industrieunternehmen. Im Kern ist Demi wie ein intelligenter Trichter: Unternehmen schmeißen ihre Informationen zu Produkten, Märkten, Zielgruppen, Budgets, Ressourcen, etc. rein, und Demi erstellt daraus einen digitalen Zwilling des Unternehmens.
Auf dieser Grundlage kann der User nun Richtungsentscheidungen treffen. Demi entwickelt anschließend die optimale Strategie und setzt sie automatisch um – von der Strategieentwicklung über die Roadmap-Planung bis hin zur operativen Ausführung. Demi plant dabei nicht nur, was getan werden muss, sondern erstellt auch konkrete To-Dos, verteilt sie an die richtigen Personen im Team und generiert bei Bedarf die passenden Inhalte. So ermöglichen wir Mittelständlern mit begrenzten Ressourcen, ihre Marketing- und Vertriebsstrategien effizient, datengetrieben und ergebnisorientiert umzusetzen – alles in einem System, das sich an der übergeordneten Unternehmensstrategie ausrichtet.

Von der Idee zum Operating System
Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!
Philipp Munsch: Nein – zumindest nicht in dieser Form. Es gibt viele Tools, die einzelne Teilaufgaben abdecken – CRM, Projektmanagement, Content-Automation, Analytics. Doch was fehlt, ist das verbindende System, das Strategie, Planung, Ausführung und Lernschleife in einer intelligenten Architektur zusammenführt.
Mit Demi entwickeln wir erstmals ein System, das alle kommerziellen Prozesse eines Unternehmens orchestriert – also KI, Daten und Entscheidungslogik nahtlos miteinander verknüpft. Damit entfällt das Tool-Chaos, das heute viele Teams ausbremst.
Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?
Philipp Munsch: Die Idee entstand aus einem sehr realen Problem: Ich komme aus einer Unternehmerfamilie im Maschinenbau. Dort bauen wir hochinnovative Produkte, doch bei der Vermarktung hinken viele Unternehmen oft hinterher.
Niklas und ich kennen uns seit dem ersten Semester und haben während unserer Masterarbeit begonnen, intensiv an dieser Fragestellung zu arbeiten. Der Gedanke war: Was wäre, wenn man Strategien berechnen könnte und Unternehmen dadurch immer wüssten, was zu tun ist?
Mit dem Aufkommen moderner KI-Systeme wurde genau das möglich. Für unsere Idee erhielten wir das EXIST-Gründerstipendium, und gemeinsam mit Tobias, einem erfahrenen Tech-Founder, entstand daraus die Demi Technologies GmbH.
Vertrauen in KI aufbauen, ein langer Weg
Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?
Philipp Munsch: Eine der größten Hürden war und ist die Skepsis gegenüber KI im industriellen Mittelstand. Viele Unternehmen wünschen sich mehr Effizienz, haben aber zugleich berechtigte Sorgen rund um Datensicherheit, Kontrolle und Veränderung.
Unser Ziel ist es, Vertrauen in die Technologie aufzubauen und zu zeigen, dass KI kein Selbstzweck ist, sondern konkrete Entlastung schafft – besonders für kleine Teams mit großem Aufgabenvolumen. Inzwischen merken wir deutlich, dass uns das gelingt und die Industrie offener für solche Lösungen wird.
Gleichzeitig ist der Aufbau eines Systems, das Strategie, Workflow und KI-Modelle intelligent verknüpft, technisch äußerst anspruchsvoll. Und natürlich: Wer ein Unternehmen gründet, baut alles „from scratch“ – vom Rechnungsformat bis zu den ersten Schreibtischen. Diese Mischung aus technischer Komplexität und unternehmerischer Aufbauarbeit ist aber sicherlich eine Herausforderung für alle GründerInnen.
Munich Startup: Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?
Philipp Munsch: Im nächsten Jahr wollen wir den Prototypen-Status hinter uns lassen und eine voll funktionsfähige, marktreife SaaS-Lösung anbieten. Dabei möchten wir uns nicht nur auf den industriellen Maschinenbau beschränken: Demi soll auch im Dienstleistungssektor, im Handwerk und in der Softwarebranche funktionieren – überall dort, wo Unternehmen ihre Strategien effizient umsetzen wollen.
In fünf Jahren wollen wir weit über den Commercial-Bereich hinauswachsen. Dann soll Demi nicht nur Marketing und Vertrieb, sondern auch andere Unternehmensbereiche wie Human Resources oder Operations intelligent abbilden.
Wenn du zum Beispiel im HR-Bereich sagst: „Ich möchte Position XY besetzen“, erstellt Demi automatisch die passende Recruiting-Strategie, operationalisiert sie und integriert sie direkt in die Kalender des Teams. Langfristig sollst du mit Demi so dein gesamtes Unternehmen strategisch und operativ steuern können.
Fokus bewahren
Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?
Philipp Munsch: München ist für uns ein sehr aktiver und gut vernetzter Standort. Wir kommen selbst aus dem Umfeld der Technischen Universität München und waren lange im TUM Incubator aktiv, wodurch wir viele GründerInnen aus dem Ökosystem kennen.
Gerade im Bereich Software und KI tut sich hier viel. Es gibt eine starke Mischung aus wissenschaftlichem Hintergrund, industriellem Praxisbezug und unternehmerischem Denken. Gleichzeitig ist das Angebot an Events und Programmen enorm – so groß, dass man manchmal aufpassen muss, den Fokus nicht zu verlieren und sich wirklich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das eigene Produkt.
Munich Startup: Schneller Exit oder langer Atem?
Philipp Munsch: Ich glaube, diese Frage stellt sich für uns eigentlich gar nicht. Am Ende braucht man immer einen langen Atem, weil erfahrungsgemäß fast nichts aus dem Stand funktioniert.