Process-Mining in der Studentenbude
Drei Studenten, ein Beratungsprojekts beim Bayerischen Rundfunk und eine Idee, die ihr Leben verändern sollte. So banal beginnt die Erfolgsgeschichte von Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk 2011. 14 Jahre später ist Celonis ein internationales Unternehmen mit 3.000 Mitarbeitenden und einem Wert von 13 Milliarden US-Dollar.
Academy Consult, die studentische Unternehmensberatung der Münchner Hochschulen, schickt 2011 die drei Freunde für ein IT-Projekt zum Bayerischen Rundfunk. Dort hat man das Problem, dass Prozesse innerhalb des Medienhauses bis zu fünf Tage lang dauern können. Nominacher, Rinke und Klenk schauen sich die Abläufe vor Ort an und sehen schnell eine Lösung für die viel zu langen Durchlaufzeiten. In ihrer Studentenbude setzen sich die drei an den Rechner und entwickeln eine simple Software, die die Abstände zwischen zwei Zeitstempeln misst. Dort, wo der größte Abstand herrscht, werden Prozesse ausgebremst und müssen angepasst werden. Erstmals entsteht damit eine Software zur Visualisierung und Analyse realer IT-Prozesse. Damit legen sie die technologische Grundlage für das, was heute als Process Mining bekannt ist: eine datenbasierte Methode, mit der sich Abläufe in Unternehmen objektiv analysieren und Optimierungspotenziale aufdecken lassen. Auf ein paar DIN A4 Blätter gedruckt, präsentieren die drei ihre Ergebnisse dem Bayerischen Rundfunk. Dort ist man sofort begeistert. Prozesse dauern künftig nicht mehr fünf Tage, sondern nur noch ein paar Stunden.
Beflügelt vom ersten Auftrag arbeiten die drei Studenten eifrig an ihrer eigenen Firma. Nur, wie soll die eigentlich heißen? Zelos, eine Gestalt aus der griechischen Mythologie, die den „Eifer“ verkörpert, schlägt einer vor. Doch der Name ist irgendwie zu kurz. Zelonis hört sich besser an. Doch im Alphabet wäre man dann ganz am Ende. Kurz vor dem Notartermin einigen sich die Gründer auf Celonis mit C statt Z.
Doch die Investorensuche läuft schleppend. Zu schwierig zu verstehen, zu komplex ist oft das Feedback. So bleibt Celonis zunächst gebootstrapped. Schnell kommt neben dem BR auch noch Siemens als Kunde hinzu, auch weil die drei fleißig CEOs anschreiben. Und zwar handschriftlich. 1.500 solcher Briefe flattern bei den großen Unternehmen ein. Der Gedanke dahinter: Handschriftlich geschriebene Briefe werden vom Vorzimmer nicht so einfach weggeworfen.
Der Erfolg gibt ihnen recht. Inzwischen zählen zu den großen Kunden von Celonis Dreiviertel der Dax-Unternehmen. Bis heute haben Celonis-Kunden damit einen Mehrwert von mehr als 8,8 Milliarden US-Dollar realisiert und einen Gesamtwert von über 18 Milliarden US-Dollar identifiziert. Die Deutsche Telekom erzielte über 66 Millionen Euro Einsparungen durch die Optimierung ihrer Procure-to-Pay-Prozesse. HP Inc. identifizierte mehr als eine Milliarde US-Dollar an zusätzlichem Cashflow-Potenzial.
Celonis hat Process Mining als neue technologische Kategorie etabliert und konsequent weiterentwickelt: von der rein retrospektiven Analyse hin zu einer Plattform für Prozessintelligenz. Heute verknüpft die Plattform Ereignisdaten mit Geschäftskontext, branchenspezifischem Wissen und KI-Funktionalitäten – und generiert daraus kontinuierlich handlungsrelevante Erkenntnisse sowie automatisierte Empfehlungen. Darüber hinaus initiiert sie konkrete Maßnahmen.

Happy ohne End
Seit November 2022 ermöglicht Celonis mit Object-Centric Process Mining (OCPM) erstmals eine multidimensionale Ansicht sämtlicher Unternehmensabläufe und der mit ihnen verbundenen Faktoren und Abhängigkeiten. Damit lässt sich das komplette Spektrum an Ineffizienzen und Potenzialen rund um die verschiedenen Prozesse erfassen.
Mit dem 2023 vorgestellten Process Intelligence Graph (PI-Graph) hat Celonis seine Plattform zu einer Prozessintelligenz-Lösung weiterentwickelt. Der PI-Graph vereint systemübergreifend Ereignisdaten, maschinelles Lernen (ML) und Erfahrungswissen aus tausenden Kundenprojekten – und stellt daraus einen objektiven, systemunabhängigen digitalen Zwilling der Unternehmensprozesse bereit.
Der PI-Graph bildet das Herzstück der Celonis-Plattform: Er erkennt Optimierungspotenziale, priorisiert Maßnahmen nach Business Impact und liefert den Kontext für KI-gesteuerte Automatisierung. Als offene, kontinuierlich lernende Datenbasis macht der PI-Graph Prozesswissen unternehmensweit nutzbar und ermöglicht so ein bislang unerreichtes, kontextbasiertes Verständnis von Geschäftsabläufen. Damit wird er zum Rückgrat für erfolgreiche KI-Initiativen.
Celosphere 2025 und der Return on AI
Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk haben innerhalb von 14 Jahren aus einer studentischen Idee heraus ein Decacorn herangezogen. Celonis gilt weltweit als technologischer Vorreiter im Bereich Process Mining und Prozessintelligenz und wurde dafür bereits vielfach ausgezeichnet. 2019 erhielten die drei Gründer den Deutschen Zukunftspreis, den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation.
Das Erfolgsgeheimnis: Ständiger Wandel und ständige Optimierung der eigenen Software. Das Motto auf der diesjährigen Celosphere ist: “Return on AI”.
„Wir beobachten immer wieder, dass Unternehmen Schwierigkeiten haben, einen Return on Invest aus ihren KI-Investitionen zu erreichen. Einer der Hauptgründe: Sie betrachten Unternehmens-KI wie eine herkömmliche Technologie. Dabei ist sie eine strategische Disziplin, mit dem Ziel, KI in alle Geschäftsabläufe zu integrieren. Genau dabei unterstützen wir unsere Kunden gemeinsam mit unseren Partnern. Wir geben KI den Kontext, den sie braucht. Wir helfen unseren Kunden, sie dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert schafft. Und wir sorgen dafür, dass KI mit allem, was sie tun, nahtlos zusammenspielt,”
sagt Alexander Rinke, Co-CEO und Mitgründer von Celonis, in seiner Keynote.