Munich Startup: Wie war dein bisheriger Karriereweg?
Vera Meinert: Ich bin ursprünglich Wirtschaftsingenieurin und habe in meiner Karriere als Beraterin in verschiedenen großen Unternehmen an Themen rund um Künstliche Intelligenz und Daten gearbeitet. Dabei habe ich mein Engagement und meine Leidenschaft für Transformation und die Verbesserung von Arbeitsabläufen nie aus den Augen verloren. Als Teamleiterin trug ich Verantwortung, merkte aber, dass der Industrie etwas fehlt.
Motivation zur Gründung und der Schritt zu Diafania
Munich Startup: Was hat dich zur Gründung motiviert?
Vera Meinert: Ich wollte gründen, weil ich meine Leidenschaft für Transformation und Innovation direkt umsetzen wollte. Lange bevor das Thema Künstliche Intelligenz die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, habe ich in großen Unternehmen an KI-Themen gearbeitet und gesehen, dass der Industrie etwas Entscheidendes fehlt: Datenverfügbarkeit und -qualität, gerade aus unstrukturierten Datenquellen, sind lange nicht gelöst.
Mit Diafania kann ich mein Wissen und meine Begeisterung für Innovation verbinden, Prozesse verbessern, echten gesellschaftlichen Impact schaffen und die Immobilienbranche aktiv mitgestalten.
Für mich bedeutet Gründen nicht nur Herausforderung und Bürokratie – es ist vor allem die Freiheit, etwas Eigenes zu schaffen, das Wirkung zeigt – für Unternehmen, Menschen und die Branche.
Munich Startup: Was hättest du gerne vor deiner ersten Gründung gewusst?
Vera Meinert: Da ich ziemlich nah an einigen Gründern dran war, dachte ich, ich hab ein ganz gutes Gefühl was auf mich zukommt. Zwei Sachen hab ich allerdings ziemlich unterschätzt: Die Unsicherheit, die niemals aufhört. Und wie allein man trotz Team am Anfang manchmal ist.
Die ersten Wochen habe ich an der finanziellen Unsicherheit zu knabbern gehabt, dann die Frage, ob man mit den richtigen Leuten spricht, ob die Idee so gut ist, ob die KundInnen wirklich ehrliches Feedback geben und und und… Irgendwann gewöhnt man sich dran, dass man es eigentlich nie weiß und nur nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen treffen kann. Ob es die richtigen waren, weiß man oft erst im Nachhinein.
Finanzierung, Sicherheit und erste zahlende KundInnen
Munich Startup: Wie ist dein Unternehmen bislang finanziert?
Vera Meinert: Momentan finanzieren wir uns hauptsächlich über das Exist-Gründungsstipendium, was ich wirklich jedem nur empfehlen kann, und erste zahlenden KundInnen. Gleichzeitig halten wir uns alle Optionen offen, möchten aber vor allem unserem Produkt und unserer Vision treu bleiben.
Munich Startup: Wann und wo bekommst du die besten Ideen?
Vera Meinert: Die besten Ideen entstehen für mich in den Bergen: Über Geröll zu klettern, mich an meine eigenen Grenzen zu bringen und die frische Luft zu genießen, macht den Kopf frei und inspiriert mich jedes Mal aufs Neue.
Munich Startup: Was sind deine 3 liebsten Arbeitstools?
Vera Meinert: Zu meinen Lieblingstools gehören Miro für die gemeinsame, vielseitige Zusammenarbeit auch mit KundInnen. Zusätzlich arbeite ich sehr gerne mit PowerPoint – von Pitch Decks zu Strategien zu ersten Prototypen, ich baue alles gerne in PowerPoint. Klar gibt es Figma, aber bis ich da das Skill-Level erreicht habe, dauert es wohl noch eine Weile.
Zu guter Letzt setze ich viel auf persönliche Gespräche: Der direkte Austausch mit Menschen war schon immer mein Weg, Ideen zu vermitteln, und hat mich heute dorthin gebracht, wo ich stehe.
Der richtige Zeitpunkt zum Gründen
Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema „Pitchen“?
Vera Meinert: Mein wichtigster Tipp fürs Pitchen: Tief durchatmen und authentisch bleiben. Wer sich selbst treu bleibt und weiß, wofür man steht, braucht keine Angst zu haben – selbst nicht vor hunderten fremden, kritischen Blicken.
Munich Startup: Erscheint es dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?
Vera Meinert: Gerade jetzt ist es meiner Meinung nach eine sehr spannende Zeit, um zu gründen, insbesondere in der Proptech-Industrie. Die Branche steht vor großen Herausforderungen: Steigende Zinsen, unruhige geopolitische Lage und steigende Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Digitalisierung verlangen nach neuen Lösungen. Genau hier können GründerInnen echten Mehrwert schaffen und den Alltag von Unternehmen erleichtern. Natürlich ist es nicht immer einfach, aber gerade die Chance, mit Diafania echten Impact in der Immobilienwirtschaft zu erzielen, macht die jetzige Zeit besonders inspirierend.
Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest du bei deiner nächsten Gründung setzen?
Vera Meinert: KI und Daten sind definitiv mein Steckenpferd, aber ich bleibe immer am Puls der Zeit und gespannt, wohin sich Technik – und besonders diese Technologie – entwickeln wird. Aktuell konzentriere ich mich erst einmal darauf, Diafania richtig erfolgreich zu machen, bevor ich an die nächste Idee denke.
Günstigere Mieten
Munich Startup: Was könnte aus deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?
Vera Meinert: München hat ein gigantisches Netzwerk. Manchmal ist es fast das schwierigste einen Überblick zu bekommen, was alles möglich ist und auf welche Fragen ich wo eine Antwort bekomme. Definitiv ein Luxusproblem. Wenn wir jetzt noch ein bisschen günstigere Mieten hätten, wäre wohl alles perfekt!
Munich Startup: Welchen Gründer oder welche Gründerin würdest du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest du sie oder ihn fragen?
Vera Meinert: Ganz ehrlich? Ich freue mich über jede Gründerin, die ich treffe. Frauen sind in dem Feld, und speziell im Bereich KI, chronisch unterrepräsentiert. Das hat systemische Gründe und somit ist es absolut bewundernswert, wenn jemand den Mut aufgebracht hat, sich selbst in dieser Form zu verwirklichen. Fragen habe ich da keine speziellen, aber ich wäre super neugierig zu hören, wie diejenige die ganze Startup-Welt wahrnimmt und was wir gemeinsam tun können, um noch mehr Frauen in das Feld zu holen. Für noch bessere Lösungen!