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Women in Tech: Christina Mauer von Einwert

Christina Mauer hat Einwert im Jahr 2022 gemeinsam mit Co-Founder Maximilian Schlachter gegründet. Die Bauingenieurin promovierte an der TU München im Bereich Immobilienbewertung und war anschließend als Portfoliomanagerin für Immobilienfonds tätig. Mit Einwert entwickelt sie eine Plattform für digitales Real Estate Value Management, die Prozesse rund um Immobilienbewertungen automatisiert, datenbasierte Entscheidungsgrundlagen schafft und zentrale Branchenakteure wie Asset Manager, Banken und InvestorInnen an einem Ort zusammenführt.

Munich Startup: Was hat Dich zur Gründung motiviert?

Christina Mauer: Für mich war immer klar, dass ich ein eigenes Unternehmen gründen möchte. Aber ich wollte nicht einfach gründen, um zu gründen. Ich wollte ein echtes Problem lösen.

Während meiner Promotion habe ich die theoretischen Ineffizienzen in der Immobilienbewertung erforscht. Danach habe ich mehrere Jahre als Portfoliomanagerin gearbeitet und die Probleme aus erster Hand selbst erlebt: Bewertungsprozesse, die Wochen dauern, manuelle Fleißarbeit auf allen Seiten, fehlende Transparenz, keine digitale Durchgängigkeit. Das war frustrierend.

Der entscheidende Punkt war das Markttiming. Die Immobilienbranche ist eine der konservativsten Branchen überhaupt. Aber mit der Pandemie entstand plötzlich eine viel größere Offenheit für digitale Lösungen. Neue Systeme kamen auf den Markt, medienbruchfreie Übertragungen wurden möglich. In diesem Moment war mir klar: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Ich kenne das Problem aus der Praxis, die Branche ist endlich bereit für Veränderung, und die technische Infrastruktur existiert, um wirklich etwas zu bewegen.

Gründen: Eine Berg- und Talfahrt

Munich Startup: Was hättest Du gerne vor Deiner ersten Gründung gewusst?

Christina Mauer: Dass Gründen wirklich eine Berg- und Talfahrt ist. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Man liest das überall, man hört es von anderen Gründern, aber man versteht es erst wirklich, wenn man es selbst erlebt.

Was ich gerne vorher gewusst hätte: Nach jedem Tal kommt auch wieder eine Bergfahrt. Das klingt banal, aber wenn man mittendrin im Tal steckt, fühlt es sich manchmal nicht so an. Durchhalten ist das Allerwichtigste.

Diese mentale Stärke und dieses Vertrauen hätte ich gerne von Anfang an gehabt. Aber vielleicht ist es auch etwas, das man nur durch Erfahrung lernen kann.

Munich Startup: Wie ist Dein Unternehmen bislang finanziert?

Christina Mauer: Wir haben mit dem EXIST-Gründerstipendium gestartet, das ich wirklich jedem empfehlen kann. Es hat uns nicht nur finanziell den Rücken freigehalten, sondern auch den Zugang zu einem wichtigen Netzwerk und wertvollen Coachings ermöglicht.

Danach haben wir einige Förderungen bekommen und auch Preise gewonnen, was für uns als junges Unternehmen eine wichtige Bestätigung war. Mittlerweile hatten wir bereits zwei Finanzierungsrunden, eine Pre-Seed und eine Seed-Runde, mit einer starken Mischung aus VCs und Business Angels, die uns nicht nur Kapital, sondern auch wertvolle Expertise und Netzwerke mitbringen.

Strategische Sessions im Team als Katalysator

Munich Startup: Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Christina Mauer: Tatsächlich meistens dann, wenn ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftige. Im Urlaub zum Beispiel, wenn der Kopf frei ist und man Abstand vom Tagesgeschäft hat. In diesen Momenten kommen oft die besten und klarsten Gedanken.

Was aber auch ein echter Katalysator ist, sind unsere strategischen Sessions im Team. Wenn verschiedene Perspektiven und Blickwinkel aufeinandertreffen und wir gemeinsam diskutieren, entstehen oft die spannendsten Ideen. Diese Mischung aus unterschiedlichen Expertisen und Denkweisen bringt uns wirklich weiter.

Munich Startup: Was sind Deine 3 liebsten Arbeitstools?

Christina Mauer: Notion, Claude, Diktierfunktion

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?

Christina Mauer: Ganz klar: eine emotionale Story und die Emotion wirklich rüberbringen. Energie mitbringen!

Ich konnte aufgrund meiner eigenen Praxiserfahrung zum Beispiel beim Pain Point über die unfassbar manuellen Bewertungsprozesse sehr emotional rüberbringen, wie frustrierend das im Alltag ist. Und das hat glaube ich jeden abgeholt.

Wir Menschen funktionieren immer über Emotionen, so ticken wir einfach. Zahlen und Fakten sind wichtig, aber was Menschen wirklich überzeugt und mitnimmt, ist die emotionale Verbindung zur Story. Wenn du selbst brennst für das, was du tust, und das authentisch rüberbringst, spüren das auch die Zuhörer.

Munich Startup: Erscheint es Dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Christina Mauer: Es gibt keine perfekte Zeit. Wenn man ein echtes, aktuelles Problem löst, der Markt groß genug ist und die Eintrittsbarrieren gering sind, dann sollte man immer gründen.

Natürlich kann man sich Gedanken über die aktuelle Wirtschaftslage machen, über schwieriges Funding-Umfeld oder Unsicherheiten. Aber am Ende des Tages zählt: Gibt es ein reales Problem, das gelöst werden muss? Gibt es Kunden, die dafür bezahlen würden? Wenn die Antwort ja ist, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Wer auf die perfekten Rahmenbedingungen wartet, wartet ewig. Die besten Unternehmen entstehen oft gerade in herausfordernden Zeiten, weil dann der Druck da ist, wirklich effizient und smart zu arbeiten.

Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest Du bei Deiner nächsten Gründung setzen?

Christina Mauer: Auf jeden Fall im Bereich einer Zukunftstechnologie wie humanoide Roboter oder KI. Diese Technologien haben das Potenzial, ganze Industrien zu transformieren und die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben, grundlegend zu verändern.

Die konkrete Branche wäre mir dabei eigentlich egal. Viel wichtiger ist, dass die Technologie ein echtes Problem löst und einen messbaren Impact hat. Genau wie bei Einwert geht es mir weniger um die Branche an sich, sondern darum, mit innovativer Technologie reale Probleme zu lösen und Mehrwert zu schaffen.

„München könnte mehr Sichtbarkeit gegenüber Berlin vertragen.“

Munich Startup: Was könnte aus Deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Christina Mauer: Die Verfügbarkeit von Talenten und das Preisniveau sind definitiv Herausforderungen. München ist teuer, sowohl was Büroflächen als auch Lebenshaltungskosten angeht. Das macht es schwieriger, Top-Talente zu gewinnen, gerade im Vergleich zu anderen Standorten.

Außerdem könnte München mehr Sichtbarkeit gegenüber Berlin vertragen. Berlin wird oft automatisch als der deutsche Startup-Hub wahrgenommen, dabei hat München eine unglaublich starke Technologie- und Innovationslandschaft, exzellente Unis und ein tolles Ökosystem. Diese Stärken könnten noch besser nach außen kommuniziert werden, um München als Gründungsstandort stärker zu positionieren.

Munich Startup: Welche Gründerin oder welchen Gründer würdest Du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest Du sie oder ihn fragen?

Christina Mauer: Ich würde gerne Whitney Wolfe Herd oder Melanie Perkins treffen. Beide haben ihre Unternehmen von der Gründung bis zu Multi-Milliarden-Dollar-Bewertungen aufgebaut und sind als Gründerinnen mit ihren Unternehmen gewachsen.

Meine Frage an sie wäre: Wie habt ihr es geschafft, dass ihr euch mit dem Unternehmen mitentwickelt? Also wie seid ihr mit den verschiedenen Phasen des Unternehmens mitgewachsen? Von der Gründerin, die alles selbst macht, zur CEO, die ein großes Team führt und strategische Entscheidungen trifft. Das ist eine der größten Herausforderungen für GründerInnen, und ich würde gerne verstehen, wie sie diesen Weg gemeistert haben.

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