Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst ihr?
Tobias Lieberum, Mitgründer und Managing Director: Cyberdesk ist ein schnell wachsendes Münchner Cybersicherheits-Startup. Bisher gibt es heute nur ganz wenige europäische Lösungsanbieter im Cyberbereich. Das wollen wir ändern und entwickeln dafür eine Softwarelösung für das größte Sicherheitsrisiko: Zugriffsrechte. Hacker hacken in der Regel gar nicht wirklich, sie loggen sich einfach ein.
Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, eine wachsende Zahl von menschlichen Identitäten (Mitarbeiter, Partner, Kunden) sowie nicht-menschlichen Identitäten (Maschinenkonten, KI-Agenten, IoT- und OT-Systeme) sicher zu verwalten. Diese Komplexität erschwert es zunehmend, Zugriffsrechte nachvollziehbar und sicher zu steuern – ein erhebliches Sicherheitsrisiko: Rund 80 Prozent aller Data Breaches sind auf kompromittierte Identitäten zurückzuführen.
Gleichzeitig bleiben über 95 Prozent aller Zugriffsrechte ungenutzt, was eine gewaltige – und vermeidbare – Angriffsfläche schafft. Genau hier setzt unsere identitätszentrierte Datensicherheitsplattform an. Cyberdesk bringt Transparenz ins Chaos und macht sichtbar, wer auf welche Daten Zugriff hat – bis runter auf die Dateiebene. Damit ermöglichen wir eine präzise, identitätszentrierte Steuerung von Datenzugriffen, die Unternehmen hilft, Risiken zu minimieren und Sicherheitslücken effektiv zu schließen. Weil ein Einsatz von KI ohne eine Lösung wie Cyberdesk kaum zu vertreten ist, wachsen wir derzeit sehr stark.
Warum bestehende Lösungen nicht ausreichen – und wo Cyberdesk ansetzt
Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!
Tobias Lieberum: Zugriffskontrolle an sich ist nichts Neues. Seit dem Aufkommen der ersten Unternehmensnetzwerke kämpfen Organisationen mit der Verwaltung von Berechtigungen. Seitdem sind die führenden Lösungsanbieter immer wieder von Innovationen überholt worden und neue Marktführer entstanden. Beispielsweise sind, getrieben durch den Boom von SaaS-Anwendungen, in den 2010er-Jahren erste cloud-first Identity-Lösungen wie Okta groß geworden und haben die alten Platzhirsche abgelöst.
Heute stehen wir wieder an so einem Wendepunkt: Daten sind heute eine der am schnellsten wachsenden Ressourcen. 90 Prozent aller Daten weltweit sind überhaupt erst in den letzten zwei Jahren entstanden. Die meisten Unternehmen kämpfen mit einer Überprovisionierung von Datenzugriffen über ihre Identitäten hinweg. Cyberdesk schließt diese Lücke: Wir bringen Identitäten und Daten zusammen und beantworten die zentrale Frage: „Wer hat Zugriff auf was?“
Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?
Tobias Lieberum: Cyberdesk wurde 2022 von meinem Mitgründer Prabhakar Mishra und mir gegründet. In unseren früheren Rollen – er im Bankwesen, ich in der Beratung – hatten wir täglich mit hochsensiblen Daten zu tun. Dabei haben wir aus erster Hand erlebt, wie schwierig es ist, sicheren Datenzugriff zu gewährleisten. Trotz zahlreicher Tools fehlte eine Lösung, die Identitäten und Daten wirklich sinnvoll zusammenbringt. Also haben wir beschlossen: Wir bauen sie selbst.
Seitdem sind wir stetig gewachsen. Das Herzstück von Cyberdesk ist ein Team aus erfahrenen Softwareentwicklern und Cyberenthusiasten mit Vorerfahrung von Unternehmen wie Google, Microsoft, Cisco oder Palo Alto Networks. Es ist ein großes Glück, mit solchen Talenten arbeiten zu dürfen. Unterstützt werden wir von einem ganz breiten Netzwerk an Investoren, die wir in stark überzeichneten Finanzierungsrunden für uns gewinnen konnten. Was mich ganz besonders freut: Unsere Vision wird von vielen starken Stimmen aus dem europäischen Cybersicherheits-Ökosystem tatkräftig unterstützt – unter anderem von den CISOs vom ADAC, Bilfinger, der Oetker-Gruppe und vielen mehr.
Wachstumsschmerzen trotz großer Nachfrage
Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?
Tobias Lieberum: Ein echtes Luxusproblem: Die Nachfrage ist da, aber die Kapazitäten fehlen. Wir haben eine umfangreiche Warteliste mit spannenden Kunden aus unterschiedlichsten Branchen. Unsere Herausforderung besteht nun darin, unser Team schnell genug zu skalieren, um alle Onboardings und Feature-Anfragen zeitnah umzusetzen.
Munich Startup: Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?
Tobias Lieberum: In einem Jahr möchten wir führender Anbieter für identitätszentrierte Datensicherheit in Europa sein mit einem klaren Fokus auf den DACH-Raum und dutzenden Unternehmenskunden. Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu helfen, den Zugriff auf sensible Daten nachvollziehbar, sicher und effizient zu steuern. Durch die Reduktion überflüssiger Daten helfen wir außerdem dabei, Kosten zu sparen und die IT nachhaltiger zu machen.
In fünf Jahren streben wir an, weltweit als Marktführer für sicheren Datenzugriff durch identitätsbasierte Steuerung anerkannt zu sein. Dabei setzen wir gezielt auf künstliche Intelligenz, um Berechtigungen nicht nur statisch zu verwalten, sondern dynamisch und adaptiv zu steuern basierend auf Kontext, Risiko und Nutzerverhalten.
Unsere Vision ist es, das Berechtigungsmanagement intelligenter zu machen: proaktiv, lernfähig und präzise, um Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und den Zugriff genau im richtigen Moment zu gewähren oder zu verweigern. Wenn uns dies gelingt, können wir das Ende von Cyberangriffen einläuten.
München als lebendiger Tech-Hub für Cybersecurity
Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?
Tobias Lieberum: Sehr positiv! München bietet ein wirklich großartiges Ökosystem aus weltklasse Talenten, spannenden Unternehmen und tollen Partnern. Zum Beispiel sitzen wir aktuell im Munich Urban Colab und schätzen die dynamische Atmosphäre und den Zugang zu dem inspirierenden Netzwerk aus dem UnternehmerTUM-Umfeld. Gleichzeitig profitieren wir auch von unserem Standort in Berlin und planen, in beiden Städten künftig noch aktiver zu werden.
Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?
Tobias Lieberum: Selber machen. Für uns stehen Mensch und Sicherheit im Mittelpunkt. Innovation entsteht nicht durch ausgelagerte Aufgaben, sondern durch ein starkes Team mit gemeinsamer Vision. Wir wollen Menschen um uns, die unsere Leidenschaft teilen und gemeinsam mit uns an einer sichereren digitalen Welt arbeiten. Und wir sind immer auf der Suche nach weiteren Talenten – meldet euch gerne bei uns!