Das Team von Amplifold (v. l. n. r.): Dr. Heini Ijäs, Dr. Gabriela de Melo, Prof. Tim Liedl, Dr. Enzo Kopperger, Dr. Julian Trommler, Dr. Maximilian Urban, Dr. Federico Buersgens
Foto: Amplifold GmbH

Amplifold holt 5 Millionen Euro

Das Münchner Startup Amplifold erhält fünf Millionen Euro für die Weiterentwicklung seiner DNA-Origami-Technologie, die medizinische Schnelltests deutlich sensitiver machen soll.

Amplifold, ein Spin-off der LMU München, schließt eine überzeichnete Seed-Finanzierungsrunde über fünf Millionen Euro ab. Matterwave Ventures und Xista Science Ventures führen das Konsortium an, beteiligt sind außerdem Bayern Kapital, b2venture und Becker Ventures. Das Team zieht in das Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) nach Martinsried und baut dort Produktentwicklung sowie regulatorische Aktivitäten aus – mit dem Ziel, das erste In-vitro-Diagnostikprodukt durch die europäische IVDR-Zertifizierung zu bringen.

Die Grundlage der Technologie bildet ein DNA-Origami-Ansatz, der jüngst in Nature Communications beschrieben wurde. Die Nanostrukturen steigern die Empfindlichkeit klassischer Lateral-Flow-Assays (LFAs) deutlich, jedoch ohne das einfache, kostengünstige Testformat zu verändern. Damit adressiert Amplifold ein zentrales Problem: Die geringe Sensitivität vieler Schnelltests, die im stark wachsenden Markt für Point-of-Care-Diagnostik bislang zu Fehldiagnosen und zusätzlichen PCR-Tests führt.

„Lateral-Flow-Tests haben den Zugang zur Diagnostik revolutioniert, aber ihre Empfindlichkeit blieb traditionell hinter den zentralen Laborsystemen zurück. Die DNA-Origami-Signalverstärkung ermöglicht kostengünstige Schnelltests, die ohne Änderung des Grundformats eine Empfindlichkeit auf Instrumentenniveau erreichen“,

erklärt Maximilian Urban, Mitbegründer, Miterfinder und Geschäftsführer von Amplifold.

Enzo Kopperger, ebenfalls Mitbegründer und Geschäftsführer, ergänzt:

„Was Amplifold einzigartig macht, ist, dass wir eine bis zu 100-fach höhere analytische Empfindlichkeit bei im Wesentlichen gleichen Herstellungskosten wie herkömmliche LFAs bieten können. Unsere Architektur ist so konzipiert, dass sie sich in bestehende Fertigungsabläufe einbinden lässt, sodass Partner ihre Assays schnell aufrüsten können, anstatt ihre Produktlinien von Grund auf neu zu entwickeln.“

Bedeutung für den Diagnostikmarkt

Die Technologie entstand im Nanoengineering-Labor von LMU-Professor Tim Liedl. Er ordnet die Entwicklung so ein:

„In den letzten Jahren hat unsere Gruppe daran gearbeitet, DNA-Origami von einem schönen wissenschaftlichen Konzept in einen robusten Werkzeugkasten für die Nanotechnik zu verwandeln. Das Amplifold-Team war führend dabei, diese Fortschritte in echte diagnostische Anwendungen umzusetzen. Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass eine Technologie, die in unserem Labor entwickelt und gefördert wurde, nun mit Unterstützung eines starken Investorenkonsortiums den Weg in die Klinik und auf den Markt findet.“

Auch InvestorInnen betonen das Marktpotenzial. Benedikt Kronberger, Partner bei Matterwave Ventures, sagt:

„Amplifold ist genau die Art von industriellem Deeptech-Unternehmen, nach der wir suchen: ein grundlegender Durchbruch, der auf einen riesigen, bestehenden Markt angewendet wird. Die Tatsache, dass diese Runde deutlich überzeichnet war, spricht für die Qualität des Teams und die kommerzielle Klarheit der Chance. Wir freuen uns sehr, Amplifold zu unterstützen und dem Vorstand beizutreten.“

Und Monika Steger, Geschäftsführerin bei Bayern Kapital, sieht ebenfalls einen technologischen Durchbruch:

„Die DNA-Origami-Technologie von Amplifold hat das Potenzial, diagnostische Schnelltests grundlegend zu verändern – hin zu Laborgenauigkeit in wenigen Minuten, bis zu 100-fach höherer analytischer Empfindlichkeit und direkt am Point-of-Care. Als langfristiger Partner innovativer Med- und Deeptech-Pioniere freuen wir uns, diesen Weg gemeinsam zu gehen und die nächste Generation der Diagnostik aktiv mitzugestalten.“

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