Das Gründer-Team von Cellbyte
Foto: Cellbyte

Cellbyte: KI beschleunigt Marktzugang für Pharma

Cellbyte will die globale Markteinführung von Medikamenten revolutionieren: Mit einer KI-nativen Plattform automatisiert das Münchner Startup Pricing- und Market-Access-Prozesse in der Pharmaindustrie. Über 100 Datenquellen, tiefes Branchenwissen und regulatorisches Verständnis machen komplexe Entscheidungen in Sekunden möglich.

Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst ihr?

Felix Steinbrenner, Co-Founder & Co-CEO: Cellbyte ist eine KI-Plattform für Pricing & Market Access (P&MA) in der Pharmaindustrie. Unsere Mission: die globale Markteinführung von Medikamenten zu beschleunigen. Wir ermöglichen es ExpertInnen, komplexe Fragen zu klinischen Daten, HTA-Entscheidungen, Preisreferenzen und regulatorischen Anforderungen innerhalb von Sekunden zu beantworten.

Heute verbringen P&MA-Teams unzählige Stunden damit, Informationen aus sehr heterogenen Quellen manuell zu recherchieren, zu vergleichen und aufzubereiten. Genau hier setzt Cellbyte an: Wir automatisieren diese zeitintensiven Arbeitsschritte und liefern präzise, evidenzbasierte Analysen – schneller, zuverlässiger und deutlich effizienter.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Felix Steinbrenner: Viele Tools sammeln Daten oder visualisieren sie, aber kein bestehendes Produkt versteht den Kontext, die Logik und die regulatorischen Abhängigkeiten im Marktzugang so tief wie unsere KI-native Plattform.

Was Cellbyte besonders macht:

  • Wir verbinden über 100 relevante Datenquellen in einer einheitlichen Plattform.
  • Unsere KI ermöglicht die skalierbare Auswertung kontextueller Informationen aus mehr als 30.000 Dokumenten.
  • Die Plattform wurde speziell für P&MA mit tiefem Expertenwissen entwickelt, nicht als generisches KI-Tool.

Kurz gesagt: Der Markt hatte viele Datenbanken, aber kein intelligentes System, das die komplexen Entscheidungsprozesse im Market Access wirklich versteht. Genau diese Lücke schließen wir.

Tiefe Branchenexpertise trifft technisches Know-how

Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?

Felix Steinbrenner: Die Idee zu Cellbyte entstand aus Daniels Arbeit bei der Life-Science-Beratung Simon-Kucher. Dort wurde täglich sichtbar, wie enorm zeitaufwendig und fehleranfällig es ist, Informationen aus klinischen Studien, HTA-Verfahren und Preislisten zusammenzutragen.

Parallel dazu haben wir – Samuel und ich – mit Glocally bereits ein Startup aufgebaut und wussten, wie man datengetriebene Prozesse skalierbar gestaltet. Als sich bei Glocally abzeichnete, dass ein Pivot notwendig werden könnte, haben wir uns intensiver zu dritt ausgetauscht. Der entscheidende Moment kam Ende 2022, als klar wurde, wie selbst frühe KI-Modelle wie GPT-3.5 komplexe pharmazeutische Dokumente in Sekunden strukturieren können. Wir erkannten das enorme Potenzial und gleichzeitig, wie groß der ungelöste Bedarf im Markt ist.

So entstand Cellbyte: die Kombination aus tiefer Branchenexpertise, technischem Know-how und dem gemeinsamen Willen, Market Access neu zu denken.

Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?

Felix Steinbrenner: Eine KI-Plattform in einem hoch regulierten Umfeld aufzubauen, war von Anfang an anspruchsvoll. Wir mussten gleichzeitig:

  • höchste Anforderungen an Datenqualität erfüllen,
  • vollkommen transparente Datenflüsse schaffen,
  • robuste Compliance-Prozesse etablieren,
  • und das Vertrauen einer Branche gewinnen, die zurecht sehr kritisch prüft.

Parallel dazu ist die Datenlandschaft extrem heterogen: Klinische Endpunkte, HTA-Logiken, Preisregeln und regulatorische Dokumente folgen völlig unterschiedlichen Formaten und Mustern. Die technische Herausforderung, all diese Informationen KI-nativ zu vereinheitlichen, war groß, aber genau daraus entstand unsere technologische Stärke.

Ziel: Globale Referenzplattform für Market Access

Munich Startup: Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Felix Steinbrenner: In einem Jahr möchten wir Cellbyte fest als führende KI-Plattform für Pricing & Market Access in Europa und den USA etabliert haben. Wir werden unser Team weiter ausgebaut, tiefer integrierte Workflows gelauncht und unsere Technologie noch stärker in den Alltag unserer NutzerInnen verankert haben.

In fünf Jahren wollen wir die globale Referenzplattform für Market Access sein – ein System, das pharmazeutische, regulatorische und ökonomische Daten weltweit harmonisiert und ExpertInnen ermöglicht, komplexe Workflows durch KI unterstützt und mit größtmöglicher Transparenz durchzuführen. Unsere Vision ist klar: Medikamente sollen schneller die PatientInnen erreichen, die sie brauchen.

Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Felix Steinbrenner: München ist für uns ein idealer Standort. Die Nähe zu starken Pharma- und Biotech-Unternehmen, exzellenten Universitäten und einem wachsenden Tech-Ökosystem schafft genau die Mischung, die wir brauchen. Zudem profitieren wir vom Zugang zu Talenten im KI- und Datenbereich sowie von einer aktiven Investorenszene.

München kombiniert internationale Ambition mit einer starken wissenschaftlichen Basis – ein sehr guter Boden für ein KI-Startup im Gesundheitsbereich.

Munich Startup: Hidden Champion oder Shooting Star?

Felix Steinbrenner: Ein bisschen von beidem. Wir lösen ein extrem spezifisches, aber global relevantes Problem. Das macht uns zum Hidden Champion in einer Nische, die riesigen Einfluss auf die Gesundheitsversorgung hat. Gleichzeitig erleben wir gerade einen starken internationalen Aufwind: steigende Nachfrage, wachsende Kundenbasis und große technologische Sprünge.

Wenn man beides zusammennimmt, beschreiben wir uns am liebsten so: ein Hidden Champion, der gerade zum Shooting Star wird.

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