Prof. Dr. Holger Boche, Leiter der Initiative 6G-life, und Prof. Dr. Wolfang Kellerer, Leiter des 6G Zukunftslabor Bayern, im schall-isolierten Labor
© Andreas Heddergott /TUM

TUM und TU Dresden entwickeln 6G-Mobilfunkgeneration

Mit „6G-life²“ treiben die Technische Universität München und die TU Dresden die Entwicklung der nächsten Mobilfunkgeneration voran. Der Fokus liegt auf technologischer Souveränität und Startup-Förderung.

Mit dem Start der zweiten Förderphase des Forschungsprojekts „6G-life²“ festigen die Technische Universität München (TUM) und die TU Dresden (TUD) ihre führenden Positionen in der europäischen 6G-Forschung. Forschende aus verschiedenen Fachbereichen arbeiten gemeinsam an Konzepten und technischen Lösungen für die sechste Mobilfunkgeneration. Die Förderphase läuft bis Ende 2029, der kommerzielle Start von 6G ist für 2030 vorgesehen.

Im Unterschied zum heutigen 5G-Standard, der die Kommunikation zwischen Maschinen in den Vordergrund stellt, rückt 6G den Menschen in den Fokus. Im Zentrum stehen Anwendungen wie Pflegeroboter, Teleoperationen oder die Interaktion mit virtuellen Welten. Seit 2021 haben die Forschenden ein Ökosystem aufgebaut, das Grundlagenforschung mit Praxisanwendungen verbindet. Diese Strukturen sollen nun gezielt in marktfähige Technologien überführt werden.

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert „6G-life²“ mit 25 Millionen Euro. Damit wird die Grundlage für sichere, resiliente und souveräne Kommunikationstechnologien gelegt und perspektivisch die technologische Abhängigkeit von internationalen Anbietern verringert.

Wolfgang Kellerer, Professor für Kommunikationsnetze an der TUM, betont:

„Die Infrastruktur der Zukunft muss nicht nur leistungsfähig und zuverlässig, sondern vor allem sicher, nachhaltig, flexibel und kostengünstig umsetzbar sein. Genau dafür entwickeln wir an der TUM gemeinsam mit der TUD die notwendigen Konzepte und Technologien.“

Neben der Forschung zielt das Projekt auf den Wissenstransfer in die Wirtschaft und auf die Ausbildung künftiger Fachkräfte ab.

Technologische Souveränität und neue Chancen für Startups

Ein wesentlicher Bestandteil der zweiten Förderphase ist die gezielte Förderung von Startups. Die Initiative sieht darin einen strategischen Hebel, um Innovationen schneller in marktreife Lösungen zu überführen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern. Für Bayern spielt dieser Ansatz eine zentrale Rolle: Durch die Verknüpfung mit regionalen Forschungsinitiativen wie dem „6G Zukunftslabor Bayern“ entsteht ein starkes Netzwerk, das GründerInnen unterstützt, neue Technologien zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Kellerer hebt die Bedeutung technologischer Eigenständigkeit hervor:

„Gerade in der Telekommunikationsindustrie, in der asiatische Unternehmen eine dominierende Rolle spielen, ist technologische Souveränität entscheidend. Um die Entwicklung von 6G in Bayern und Deutschland erfolgreich voranzutreiben, braucht es neue Technologiefirmen, die Lücken schließen und Innovationen zügig zur Marktreife bringen.“

Mit dem Startup-Inkubator launchhub42 in Dresden wurde 2024 eine Plattform geschaffen, die Gründungen aus der Forschung heraus fördert. Sie erleichtert außerdem den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Verbindung von Wissenschaft, Unternehmertum und Technologietransfer soll sicherstellen, dass neue 6G-Anwendungen „Made in Germany“ entstehen.

Frank Fitzek, Professor der Deutsche Telekom Professur für Kommunikationsnetze an der TUD, unterstreicht:

„Technologische Souveränität und ein starkes Startup-Ökosystem stehen im Zentrum von ‚6G-life²‘. Mit Anwendungen im Bereich 6G und Robotik haben wir gezeigt, welches Potenzial in Ausgründungen steckt – getragen von der engen Zusammenarbeit zwischen TUD, TUM und unserem Transfernetzwerk.“

Forschung als Standortvorteil für Bayern

Das „6G Zukunftslabor Bayern“ an der TUM ergänzt die Arbeiten von „6G-life²“ gezielt durch Schwerpunkte wie Energieeffizienz, Netzsicherheit und digitale Zwillinge. Beide Projekte sind eng miteinander verknüpft und entwickeln gemeinsame Testbeds, Demonstratoren und Experimentalsysteme.

Damit positioniert sich die Münchner Startup-Szene als führend in der Erforschung und Entwicklung der sechsten Mobilfunkgeneration. Die Region stärkt damit ihre Rolle in der Hightech-Forschung und beweist einmal mehr das innovationsfreundliche Umfeld für GründerInnen und Technologieunternehmen.

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