Die beiden Lytra-Gründer Etienne Fieg (l.) und Benedikt S. Vogler (r.)
Foto: lytra

Lytra: KI macht Maschinenbau-Service skalierbar

Wie lässt sich Service im Maschinenbau effizient skalieren, obwohl Wissen in Köpfen steckt und Systeme hochkomplex sind? Das Münchner Startup Lytra setzt auf ein KI-Betriebssystem, das Serviceprozesse aus verstreuten Daten automatisiert, Umsatzpotenziale hebt und maximale Datensicherheit bietet.

Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst ihr?

Etienne Fieg, Co-Founder & CEO: Das Servicegeschäft im Maschinenbau hat das Potenzial, ein Umsatztreiber zu werden und mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Situation muss es das auch. Best-in-class Unternehmen erzielen knapp 50 Prozent ihrer Umsätze aus dem Service, der im Vergleich zum Neukundengeschäft eine viel größere Marge hat. Die meisten Maschinenbauer in Europa sind jedoch weit davon entfernt. Aber warum?

Ihr Servicegeschäft ist kaum skalierbar, da das Prozess- und Produktwissen – und das hat bei komplexen Maschinen schnell einen gigantischen Umfang – in den Köpfen erfahrener Mitarbeiter liegt und nur sehr begrenzt dokumentiert ist. Genau diese Mitarbeiter gehen aber in den nächsten Jahren in Rente. Zusätzlich sorgt dieser Umstand dafür, dass sich Serviceprozesse kaum automatisieren lassen, weil es keine klaren Spielregeln gibt, mit denen man konventionelle Automatisierungstools füttern könnte. 

Wir haben das KI-Betriebssystem für den Maschinenbau-Service entwickelt, das Serviceteams Superkräfte verleiht. Lytra extrahiert aus Datenquellen, die eigentlich gar nicht dafür gedacht waren, die Serviceprozesse seiner Kunden und kann darauf basierend individuelle Serviceprozesse automatisiert durch KI-Agenten ausführen. Das spart Zeit, Kosten und bringt mehr Service-Umsatz.

Standard-KI stößt im Maschinenbau an Grenzen

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Etienne Fieg: Nein, zumindest nicht wenn die Produkte hochkomplex werden wie in der Maschinenbau-Branche. Viele der neuen KI-Tools und Chatbots funktionieren zwar hervorragend für einfache Servicefälle, stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen bei verstreuten Daten, komplexen Produkten und höchst individuellen Serviceprozessen.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die IT-Systeme, die im Maschinenbau verwendet werden, nicht unbedingt standardisierte Schnittstellen haben, braucht es eine Lösung, die auf die Komplexität und die genauen Anforderungen der Branche zugeschnitten ist und sich in bestehende Systemumgebungen nahtlos integriert.

Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?

Etienne Fieg: Während meines Maschinenbau-Studiums habe ich sowohl bei großen Playern als auch mittelständischen Maschinenbau-Unternehmen immer wieder die verschiedenen Probleme, die sich aus implizitem Expertenwissen ergeben, an der eigenen Haut erlebt.

Es folgten sehr viele und intensive Experteninterviews, die uns letzlich den konkreten Anwendungsfall und das ungenutzte Potenzial im immer weiter offenbart haben. Gepaart mit den Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz in den letzten Jahren und unterstützt durch das EXIST-Gründerstipendium ist daraus Lytra entstanden.

Datensicherheit als Schlüssel zur Akzeptanz von KI

Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?

Etienne Fieg: Eine große Herausforderung ist die nachvollziehbare Angst vieler Unternehmen, was mit den eigenen Daten passiert. Viele Unternehmen wünschen sich zwar einerseits mehr Effizienz, haben aber andererseits so viel Angst vor Veränderungen, dass Entscheidungsprozesse oft länger dauern als notwendig.

Dem begegnen wir mit einer ganz speziellen Software-Architektur. Die Daten verbleiben beim Unternehmen und werden wie gehabt auch nur dort gespeichert. So bekommen unsere Kunden beides: Maximale Datensicherheit und -kontrolle gepaart mit den Vorteilen von hochmodernen, KI-zentrischen IT-Systemen.

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

Etienne Fieg: Sehr gut! Wir haben hervorragende Kunden mit denen wir partnerschaftlich zusammenarbeiten und unsere Lösung stetig weiterentwickeln (und es werden jeden Monat mehr), eine Investorenfinanzierung, die unser Wachstum enorm beschleunigt und unser Team wird größer und größer: Bis Q2/2026 möchten wir unser Team auf zehn FTEs skalieren.

Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Etienne Fieg: Nicht umsonst ist das Münchner Startup-Ökosystem bzw. die UnternehmerTUM im Jahr 2025 wiederholt von der Financial Times zum führenden Startup-Hub Europas gekürt worden.

Unzählige Netzwerke, Initiativen, Incubatoren, Accelerator und Investoren sind in München zu Hause. Das macht es deutlich leichter für Startups, egal in welcher Phase sie sich befinden. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten so vielfältig, dass man den Fokus nicht verlieren darf, ein herausragendes Produkt zu bauen, dass den eigenen Kunden echten Mehrwert schafft.

Munich Startup: Risiko oder Sicherheit?

Etienne Fieg: Beides. Kalkuliertes unternehmerisches Risiko beim Wachstum von Lytra. Und maximale Sicherheit, wenn es um die Daten unserer Kunden geht.

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