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Pactos: Kontrolle über Fremdpersonal dank KI

Pactos ermöglicht Unternehmen aus der Industrie und Logistik die digitale Verwaltung von Fremdpersonal, um Personaldienstleister und externes Personal effizienter zu steuern. 2023 wurde Pactos gegründet und hat die Unterstützung von Business Angels aus der Branche sowie von institutionellen Investoren wie dem High-Tech Gründerfonds. Unsere Interviewpartner Antonio Zill und Philipp Eckert teilen ihre Erfahrungen zur Gründung von Pactos.

Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst ihr?

Antonio Zill und Philipp Eckert, Co-Founder: Das Management von Fremdpersonal ist für Unternehmen eine große Herausforderung: komplex, zeitintensiv und voller Compliance-Risiken. Pactos ist eine KI-gestützte Plattform, die Unternehmen eine vollständige, digitale und rechtskonforme Steuerung externer Arbeitskräfte ermöglicht – von der Beschaffung über die Einsatzplanung bis hin zur Abrechnung – inklusive Compliance-Checks, individueller Prozessanpassungen und Integrationen in bestehende Systeme.

Statt E-Mails, Excel und Insellösungen gibt es einen durchgängigen, prüffesten Workflow: Unternehmen können ihre Anforderungen an das benötigte Personal festlegen. Nach diesen Kriterien wird der Bedarf an die hinterlegten oder neuen Lieferanten ausgespielt. Die vorgeschlagenen Kandidaten können verglichen und für den Einsatz eingeplant werden. Am Ende werden Zeit und Leistungen erfasst sowie Rechnungen automatisiert geprüft. Ergebnis: bis zu 70 Prozent weniger manueller Aufwand, höhere Rechtssicherheit und volle Transparenz über Kosten, Qualität und Verfügbarkeit externer Ressourcen.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Antonio Zill und Philipp Eckert: Der Markt in Europa ist mit über 230 Milliarden Euro substanziell, aber trotzdem läuft vieles noch analog ab. In der Praxis steuern viele Unternehmen Fremdpersonal weiterhin per E-Mail, Dateiablage und Telefonlisten. Das führt zu Medienbrüchen, Intransparenz und Compliance-Risiken. Pactos ersetzt diesen Flickenteppich: Lieferanten schlagen Kandidaten direkt im System vor, Genehmigungen laufen vollautomatisiert, Equal-Pay- und Höchstüberlassungsfristen werden automatisch überwacht, Zeit-/Leistungsnachweise und Rechnungen werden regelbasiert geprüft, alles in einem zentralen Dashboard.

Offene Schnittstellen binden Warenwirtschaftssysteme, HR-Systeme, Zeitwirtschaft und weitere Systeme aus der Praxis an. So entsteht ein einziges, verlässliches Abbild aller Einsätze für Einkauf, HR, Fachbereich, Buchhaltung und Compliance.

Gemeinsame Erfahrungen als Ausgangspunkt für Pactos

Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?

Antonio Zill und Philipp Eckert: Kennengelernt haben wir uns am Auswahltag an der WHU, seitdem arbeiten wir eng zusammen. Philipp brachte Praxiserfahrung aus Pflege und Logistik mit und erlebte Personalmangel und analoge Prozesse aus erster Reihe. Antonio war zuvor Gründer. Im gemeinsamen Sparring drehte sich vieles um Fachkräftemangel und seine Folgen. Später sahen wir in der Beratung denselben Flickenteppich aus Excel und E-Mails mit unklaren Zuständigkeiten rund um Fremdpersonal mit hohem manuellen Aufwand und spürbaren Risiken für Unternehmen. Nach mehr als 200 Gesprächen mit Firmen und ersten Pilotprojekten entstand Pactos: mit dem Anspruch, Fremdpersonal so sauber und effizient zu steuern wie die interne Belegschaft.

Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?

Antonio Zill und Philipp Eckert: Das Thema Fremdpersonal ist extrem breit und betrifft viele Fachbereiche im Unternehmen. Besonders zu Beginn mussten wir immer wieder priorisieren: Wo stiften wir den größten Mehrwert und womit starten wir konkret? Parallel galt es, Regulatorik, Datensicherheit und Enterprise-Tauglichkeit auszubalancieren ohne die Nutzbarkeit für weniger digital affine Anwender zu verlieren.

Als junge Gründer standen wir zudem vor der Aufgabe, mit einer neuen Lösung bei Großunternehmen Gehör zu finden. Vertrauen bekommt man da nicht geschenkt, es will erarbeitet werden: mit Pilotprojekten, belastbaren Referenzen und einem Produkt, das wir konsequent entlang der realen Anforderungen unserer Nutzer weiterentwickelt haben.

Klare Wachstumsziele und der Weg zum europäischen Marktführer

Munich Startup: Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Antonio Zill und Philipp Eckert: In zwölf Monaten wollen wir Kern-Workflows noch stärker automatisieren, zum Beispiel verbesserte Rechnungs- und Dokumentenprüfung, intelligente Lieferanten-Vorauswahl und proaktive Compliance-Assistenten sowie weitere Waren- und Zeitwirtschaftssysteme nahtlos anbinden. Geplant ist ein breiter Roll-out bei DACH- und EU-Kunden in Industrie, Logistik und Healthcare.

In fünf Jahren sehen wir Pactos als europäisches Powerhouse für das Management des Fremdpersonals, das neue Standards für Unternehmen und ihre externen Arbeitskräfte gesetzt hat.

Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Antonio Zill und Philipp Eckert: Wir erleben München als starken B2B-Standort mit direktem Zugang zu Industrie, Logistik und Healthcare. Die Dichte an potenziellen Enterprise-Kunden, Partnern und Talenten ist hoch, die Wege zu Investoren kurz und das lokale Ökosystem ist konstruktiv und handlungsorientiert.

Für unser Thema „Fremdpersonal end-to-end“ ist München ideal: zentrale Lage, eine lebhafte Community und kurze Zyklen zwischen Produktfeedback aus der Industrie und Umsetzung.

Munich Startup: Hidden Champion oder Shooting Star?

Antonio Zill und Philipp Eckert: Heute sind wir eher ein Hidden Champion: Wir lösen bei großen Unternehmen ganz konkret das Chaos rund um Fremdpersonal. In den nächsten Jahren wollen wir diesen Vorsprung nutzen und mit unserer Lösung und starken Partnern deutlich breiter gehen und zum Shooting Star werden. Unser Ziel: Pactos soll zur ersten Adresse werden, wenn es um externes Personal in Europa geht – einfach, sicher und transparent.

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