Nur noch sieben Prozent der befragten Unicorn-GründerInnen würden heute erneut in den USA gründen – vor einem Jahr waren es noch mehr als dreimal so viele. Gleichzeitig sagen 57 Prozent, dass sie sich wieder für Deutschland entscheiden würden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Bitkom-Umfrage unter 14 GründerInnen deutscher Unicorns, die noch im Management aktiv sind.
Auch andere EU-Länder gewinnen an Attraktivität. Der Trend ist klar: Der Blick geht weg vom Silicon Valley, hin zu europäischen Alternativen.
Wie denkt Benjamin Domnick, Gründer von Wow Urbane Utopien, darüber? Wir haben ihn interviewt.
Der amerikanische Traum? Nein danke!
Domnick ist kein klassischer Tech-Founder aus dem Venture-Capital-Umfeld und gerade deshalb ein spannender Gradmesser für die aktuelle Gründerstimmung. Mit Wow Urbane Utopien entwickelt und realisiert er kreative und nachhaltige Lösungen für den öffentlichen Raum: von parkähnlichen Begegnungszonen über urbane Möbel bis hin zu Konzepten für Mobilität und partizipative Quartiersgestaltung. Für ihn kommt eine Gründung in den USA nicht infrage. Nicht aus pragmatischen, sondern vor allem aus grundsätzlichen Gründen.
„Rein ideologisch würde ich definitiv nicht in die USA gehen. Ich würde alles daransetzen, diesen Weg zu vermeiden. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung dort schreckt mich zunehmend ab. Dieser extreme Kapitalismus, dieser Silicon-Valley-Vibe, das catcht mich überhaupt nicht.“
Damit spricht Domnick aus, was sich auch in der Bitkom-Umfrage andeutet: Die Attraktivität eines Standorts bemisst sich längst nicht mehr nur an Kapitalverfügbarkeit oder Marktgröße, sondern auch an Werten, politischer Stabilität und gesellschaftlichem Umfeld.
„Ich will keinen einzigen Euro in die amerikanische Wirtschaft stecken. Am Ende unterstützte ich damit eine Politik, die ich nicht vertreten kann. Das lässt sich für mich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Wenn wir Europa stärken wollen, müssen wir in unsere Wirtschaft investieren.“
Benjamin Domnick ist Gründer und Geschäftsführer des Münchner Startups Wow Urbane Utopien. Der studierte Umweltingenieur beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Städte lebenswerter, nachhaltiger und gemeinschaftlicher gestaltet werden können. Bevor er Wow Urbane Utopien mitgründete, war Domnick in der Kultur- und Eventbranche aktiv und sammelte dort umfassende Erfahrungen in der Konzeption, Organisation und Umsetzung komplexer Projekte. Heute entwickelt er innovative Konzepte für den öffentlichen Raum, von Parklets und urbanen Möbeln bis hin zu partizipativen Stadtentwicklungsprojekten in Zusammenarbeit mit Kommunen, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Europa ja – aber bitte einfacher
Gleichzeitig ist Domnick weit davon entfernt, Deutschland oder Europa unkritisch zu sehen. Bürokratie, komplexe Förderlandschaften und steuerliche Unterschiede kosten ihn, wie viele andere GründerInnen, viel Zeit und Energie. Trotzdem bleibt Europa für ihn der bevorzugte Standort.
„Ich weiß nicht, ob ich nochmal in Deutschland gründen würde, aber definitiv in Europa“,
sagt er. Länder wie Estland oder Litauen mit digitaleren und schnelleren Gründungsprozessen findet er besonders interessant. Entscheidend sei, dass Europa insgesamt stärker werde. Auch, um die Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen zu reduzieren.
Bitkom sieht Deutschland auf dem richtigen Weg
Dass dieser europäische Fokus kein Einzelfall ist, zeigt auch die Bitkom-Umfrage. Die Hälfte der befragten Unicorn-GründerInnen erwartet, dass Deutschland 2026 ein attraktiverer Standort für innovative Tech-Unternehmen sein wird, deutlich mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig fordern fast 80 Prozent einen konsequenten Bürokratieabbau.
Quellen
-Munich Startup Interview mit Benjamin Domnick, 28.01.2026
-Bitkom-Umfrage, 19.01.2026, https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutsche-Unicorns-USA-verlieren-Attraktivitaet-als-Gruendungsstandort