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Women in Tech: Maria Laparidou von Orbem

Maria Laparidou ist promovierte Veterinärmedizinerin, CSO und Co-Founderin von Orbem. Gemeinsam mit Pedro Gómez und Miguel Molina Romero gründete sie 2019 das Münchner Unternehmen. Im Interview spricht sie über ihren Weg von der Wissenschaft zur industriellen Skalierung, warum Resilienz wichtiger ist als der perfekte Zeitpunkt und wie Orbem mit Hardtech und Nachhaltigkeit echten Impact schaffen will.

Munich Startup: Was hat dich zur Gründung motiviert?

Maria Laparidou: Ganz klar die Möglichkeit, etwas aufzubauen, das einen messbaren, positiven Impact auf die Welt hat. Ich wollte nicht nur Technologie um der Technologie Willen entwickeln, sondern ein echtes Problem lösen. Die Verbindung aus „Hardtech“ und Nachhaltigkeit ist meine tägliche Motivation.

Munich Startup: Was hättest du gerne vor deiner ersten Gründung gewusst?

Maria Laparidou: Dass der Weg von der Wissenschaft zur industriellen Skalierung kein Sprint, sondern ein Marathon mit Hürdenlauf ist. Ich hätte gerne früher gewusst, dass man nicht jede Antwort sofort haben muss. Es ist okay, Unklarheit auszuhalten, solange man das richtige Team an seiner Seite hat. Das Vertrauen in die eigene Resilienz wächst erst mit den Herausforderungen.

Gesunder Mix aus Fördergeldern, Business Angels und Venture Capital

Munich Startup: Wie ist dein Unternehmen bislang finanziert?

Maria Laparidou: Wir haben einen klassischen, aber sehr gesunden Mix für Deeptech durchlaufen. Angefangen hat es mit Grants und öffentlichen Fördergeldern, die essenziell für den Anfang waren. Danach haben Business Angels an uns geglaubt, bevor wir Venture Capital an Bord geholt haben. Gerade haben wir unsere Series B über 55 Millionen Euro abgeschlossen – eine Bestätigung, dass unser Modell reif für den globalen Markt ist.

Munich Startup: Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Maria Laparidou: Sicherlich nie am Schreibtisch. Die besten Ideen entstehen im dynamischen und entspannten Austausch und beim Brainstorming mit anderen Menschen. Mein persönlicher Schlüssel zur Innovation ist es, automatische Annahmen, die wir um ein Problem herum aufgebaut haben, bewusst zu entfernen. Wenn wir fragen „Muss das wirklich so sein, oder glauben wir das nur?“, entstehen meist die Durchbrüche.

Munich Startup: Was sind deine 3 liebsten Arbeitstools?

Maria Laparidou: Confluence: In einem Deeptech-Unternehmen ist Wissensmanagement alles. Wir müssen komplexe Vorgänge für alle nachvollziehbar dokumentieren.
Slack: Für die schnelle, kurze Abstimmung, die E-Mails überflüssig macht und das Team verbindet.
Gemini: KI beschleunigt einige Arbeitsprozesse enorm.

Der eigene Stil entscheidet

Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema „Pitchen“?

Maria Laparidou: Finde deinen eigenen Stil und kopiere niemanden. Deine Zuhörer haben ein feines Gespür dafür, ob jemand eine Rolle spielt oder echt ist. Gerade als Frau in der Tech-Welt versucht man vielleicht anfangs, Erwartungen zu entsprechen, aber am erfolgreichsten ist man immer dann, wenn man absolut authentisch ist.

Munich Startup: Erscheint es dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?

Maria Laparidou: Ich glaube nicht an den „perfekten Zeitpunkt“. Jede Marktphase bringt ihre eigenen Herausforderungen, sei es Kapitalmangel oder geopolitische Unsicherheit, aber eben auch spezifische Möglichkeiten. Wer heute gründet, muss resilienter sein, findet aber vielleicht weniger Lärm und mehr Substanz im Markt vor. Mein Rat: Warte nicht auf gutes Wetter, sondern finde die Lücke, die genau jetzt offen ist.

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Orbem

Orbem wurde 2019 gegründet und kombiniert Künstliche Intelligenz mit industriell skalierbarer MRT-Technologie. Das Startup ermöglicht nicht-invasive Analysen biologischer Materialien und macht Magnetresonanztomographie schnell und massentauglich für industrielle Anwendungen. In der Geflügelindustrie zählt Orbem mit Lösungen für In-Ovo-Sexing und die Erkennung unbefruchteter Eier zu den führenden AnbieterInnen in Europa. Perspektivisch will das Unternehmen seine Plattform auf Agrarprodukte und langfristig auch auf das Gesundheitswesen ausweiten.

Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest du bei deiner nächsten Gründung setzen?

Maria Laparidou: Ehrlich gesagt bin ich mit dem Kopf und dem Herzen so sehr bei unserer jetzigen Mission, dass ich mir schwer etwas anderes vorstellen kann. Wir haben mit der industrialisierten MRT-Technologie gerade erst an der Oberfläche gekratzt. Es gibt in der Lebensmittelindustrie und darüber hinaus noch so viel Potenzial für positiven Impact, dass meine „nächste Gründung“ im Grunde der nächste große Entwicklungsschritt unserer jetzigen Firma ist.

Bürokratie als Hindernis

Munich Startup: Was könnte aus deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?

Maria Laparidou: München ist technologisch Weltklasse, aber wir müssen bürokratische Hürden abbauen. Wenn wir Diversität und Wachstum wollen, brauchen wir schnellere administrative Vorgänge.

Munich Startup: Welche Gründerin oder welchen Gründer würdest du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest du sie oder ihn fragen?

Maria Laparidou: Jede Gründerin und jeder Gründer, die ein Unternehmen durch verschiedene Phasen skaliert hat, besitzt wertvolle Erfahrungen. Ich würde mich am liebsten mit einer Runde aus sehr unterschiedlichen Gründern zusammensetzen und fragen: „Was war der Moment, in dem ihr fast aufgegeben hättet, und was genau hat euch weitermachen lassen?“ Daraus lernt man oft mehr als aus Erfolgsgeschichten.

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