Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (m.) beim MSC Startup Hub

1,7 Billionen Euro Hightech-Potenzial: Aber wer skaliert es?

Deutschland steht an einem Wendepunkt. 1,7 Billionen Euro – so groß ist das jährliche Hightech-Umsatzpotenzial, das in den zentralen Zukunftstechnologien unseres Landes steckt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die UnternehmerTUM gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) im Rahmen des MSC Startup Hub vorgestellt hat.

„Es ist massiv“, sagt Helmut Schönenberger, CEO von UnternehmerTUM. Gemeinsam mit BCG habe man die Innovationsfelder, von KI bis Quantentechnologie, systematisch analysiert. Das Ergebnis: 1,7 Billionen Euro pro Jahr an möglichem Umsatz. Doch klar ist auch: Dieses Potenzial hebt sich nicht von allein.

Hightech-Agenda: Fokus, Tempo, Ambition

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär stellte beim Panel des erstmalig ausgerichteten MSC Startup Hub in München die neue Hightech-Agenda der Bundesregierung vor und machte deutlich, worum es geht: technologische Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke.

Deutschland sei zwar weiterhin eine „Innovation Nation“, doch im Ranking der innovativsten Länder sei man 2025 auf Platz 11 zurückgefallen – nach Platz 9 in 2024 und Platz 8 in 2023. „Wir müssen diesen Trend umkehren“, so Bär. Ziel sei es, wieder ein führendes Technologieland zu werden und Magnet für Top-Talente und Investitionen.

Die Hightech-Agenda setzt dabei bewusst klare Prioritäten. Es geht um sechs Schlüsseltechnologien: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusionsenergie sowie klimaneutrale Energie und Mobilität.

Hinzu kommen konkrete Ambitionen:

Und: Tempo. Das Kabinett verabschiedete die Agenda mit einem Budget von 18 Milliarden Euro aus dem Forschungsministerium. Weitere Mittel kommen aus anderen Ressorts.

Das Geld ist da – aber es muss gebündelt werden

Für Schönenberger ist klar: Es geht nicht nur um staatliche Mittel. Entscheidend sei, dass alle Akteure ihre Ressourcen gemeinsam auf den Tisch legen. Allein das Münchner Ökosystem zeigt, welche Hebel möglich sind: Die TUM verfügt über ein Jahresbudget von rund einer Milliarde Euro. Startups aus dem Umfeld bringen zusammen etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr auf, überwiegend aus privaten Quellen. Die Hightech-Agenda könne ein Kristallisationspunkt sein, müsse aber deutlich mehr Kapital, Partnerschaften und Umsetzungskraft freisetzen.

Deutschland hat wissenschaftliche Exzellenz. Doch genau hier liegt die strukturelle Schwäche: Die Übersetzung in skalierbare Geschäftsmodelle gelingt zu selten. „Transfer“ werde das große Leitmotiv der kommenden Jahre sein, betont Bär. Es gehe nicht nur um Input, sondern um Impact. Forschung müsse schneller in marktfähige Produkte überführt werden.

Schönenberger unterstreicht: Die Chancen in den sechs Zukunftsfeldern seien „unglaublich“. Aber sie müssten verstanden und genutzt werden. Wenn aus KI-Forschung keine globalen Plattformen entstehen, wenn aus Quantentechnologie keine skalierbaren Geschäftsmodelle folgen, wenn aus Deeptech-Startups keine Weltmarktführer wachsen – dann bleibt das 1,7-Billionen-Potenzial Theorie.

Ein weiterer Hebel: Der Staat selbst. Die öffentliche Hand müsse künftig stärker als Kunde auftreten, etwa bei der geplanten KI-Gigafactory. Gerade im Verteidigungsbereich ermöglichen hohe Budgets Investitionen in neue Technologien. Für Startups bedeutet das: Wer in strategischen Schlüsseltechnologien unterwegs ist, kann auf neue Nachfrage aus der öffentlichen Hand hoffen, wenn er skalierungsfähig ist.

Die zentrale Botschaft des Panels ist eindeutig: Das Potenzial ist da. Die Technologien sind identifiziert. Das Kapital – zumindest teilweise – ebenfalls. Was jetzt zählt, ist die Umsetzung. „Unser Job hier ist es, das möglich zu machen“, sagt Schönenberger. Und er meint damit nicht nur die Politik, sondern Universitäten, Startups, Investoren, Industrie und europäische Partner gleichermaßen.

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