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„Wir Gründer haben alle eins an der Klatsche!“ Everdrop-Founder über zu viel Ego im Ökosystem

„Wir Gründer haben alle eins an der Klatsche!“ Everdrop-Founder über zu viel Ego im Ökosystem

Kyrill Ring

Kyrill Ring

Seriengründer, Investor – und jemand, der sich selbst als „saugute Sieben“ bezeichnet: Daniel Schmitt-Haverkamp hat in den vergangenen 18 Jahren zahlreiche Startups gegründet, scheitern sehen und wieder neu begonnen. Bekannt wurde er vor allem als Mitgründer des nachhaltigen Reinigungsmittel-Startups Everdrop. Im Videocast Pitch & People spricht er über seinen ungewöhnlichen Werdegang, den Umgang mit Niederlagen und warum er das heutige Fundraising-System für überholt hält.

10. März 2026

PITCH & PEOPLE Folge 24: Daniel Schmitt-Haverkamp

Seriengründer, Investor – und jemand, der sich selbst als „saugute Sieben“ bezeichnet: Daniel Schmitt-Haverkamp hat in den vergangenen 18 Jahren zahlreiche Startups gegründet, scheitern sehen und wieder neu begonnen. Bekannt wurde er vor allem als Mitgründer des nachhaltigen Reinigungsmittel-Startups Everdrop. Im Videocast Pitch & People spricht er über seinen ungewöhnlichen Werdegang, den Umgang mit Niederlagen und warum er das heutige Fundraising-System für überholt hält.

ExperteInvestor

Daniel Schmitt-Haverkamp gründete sein erstes Startup bereits vor rund 18 Jahren. Die Plattform Experte24, ein Versicherungs- und Finanzvergleich, sollte damals vom Boom der Online-Vergleichsportale profitieren. Obwohl die Seite zeitweise mehr Abschlüsse generierte als etablierte Anbieter, scheiterte das Unternehmen nach vier Jahren. Der Grund: eine Änderung im Google-Algorithmus, die den Traffic einbrechen ließ.

Es blieb nicht die einzige Erfahrung dieser Art. Auch ein späteres Fashion-Startup, ein Preisvergleich für Mode mit Gutscheinen und Cashback, scheiterte nach kurzer Zeit – rund 500.000 Euro Investition inklusive. Für den Gründer war das eine schmerzhafte, aber wichtige Lektion: Ideen müssen schnell getestet werden. Daniel Schmitt-Haverkamp sagt rückblickend in unserem Videocast Pitch & People:

„Ich habe gelernt: Ich darf nicht nur etwas entwickeln, das ich selbst geil finde – ich muss schnell testen, ob es wirklich funktioniert.“

„Ich bin kein Spezialist. Ich bin ein Generalist“

Über die Jahre hat Schmitt-Haverkamp zahlreiche Projekte aufgebaut. Dabei versteht er sich nicht als Experte für eine einzelne Disziplin, sondern als Generalist. Seine Stärke sieht er darin, Ideen schnell anzustoßen, zu testen und weiterzuentwickeln.

Typisch für seinen Arbeitsstil: Nach zwei bis drei Jahren verliert er oft die operative Motivation, weil sich Prozesse wiederholen. Dann sucht er bewusst nach neuen Herausforderungen und übergibt Verantwortung an Spezialisten im Team.

Everdrop: Impact als Hebel

Den größten Bekanntheitsgrad erreichte Schmitt-Haverkamp mit dem Nachhaltigkeits-Startup Everdrop. Das Unternehmen entwickelt Reinigungsmittel, die als Tabs in Wasser aufgelöst werden und so Plastikflaschen vermeiden.

Der Start verlief rasant: Bereits im ersten Jahr erzielte Everdrop rund zehn Millionen Euro Umsatz und schloss innerhalb von 13 Monaten eine Series-A-Finanzierung ab.

Doch für den Gründer zählt vor allem der Impact: Millionen eingesparte Plastikflaschen sowie weniger CO₂-Emissionen und Chemikalien durch die Produkte.

Warum viele Gründer scheitern

Trotz aller Erfolge sieht Schmitt-Haverkamp typische Muster bei GründerInnen. Ein Problem: das Ego.

„Ich glaube, wir Founder haben alle eins an der Klatsche. Vor allem am Anfang denken viele, sie sind die Geilsten und fragen deshalb niemanden um Hilfe.“

Gerade diese Haltung könne gefährlich werden. Denn Feedback – vor allem kritisches – sei entscheidend, um eine Idee wirklich zu verbessern. Die wertvollsten Gespräche seien nicht die mit Unterstützern, sondern mit Kritikern. Wer eine Idee auseinandernehme, helfe oft mehr als jemand, der nur zustimmt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist für Schmitt-Haverkamp schnelles Experimentieren. Statt monatelang an einem Produkt zu arbeiten, empfiehlt er, Ideen möglichst früh am Markt zu testen – etwa mit Anzeigen, Landingpages oder einfachen Prototypen.

So lasse sich innerhalb weniger Tage erkennen, ob echtes Interesse besteht. Wer stattdessen lange entwickelt, ohne Kundenfeedback einzuholen, riskiere viel Zeit und Geld.

Infobox

Startup Match ist das neueste Projekt von Seriengründer Daniel Schmitt-Haverkamp. Die Plattform soll den Fundraising-Prozess für Startups grundlegend modernisieren. Ziel ist es, Gründerteams mithilfe von Datenanalysen und künstlicher Intelligenz schneller mit passenden Business Angels zusammenzubringen. Hintergrund ist ein strukturelles Problem der Startup-Szene: Fundraising dauert häufig mehrere Monate und bindet viel Zeit, die GründerInnen eigentlich in Produktentwicklung und Kundenarbeit investieren sollten. Startup Match will diesen Prozess effizienter gestalten, indem Gründerteams umfassend analysiert und gezielt mit InvestorInnen gematcht werden, die nicht nur Kapital, sondern auch Know-how und Netzwerk einbringen können. Ziel ist es, Finanzierung deutlich schneller und passgenauer zu ermöglichen. (Foto: Daniel Schmitt-Haverkamp)

Unternehmertum als Spiel

Rückschläge gehören für den Seriengründer zum Alltag. Sein eigenes Leben beschreibt er als Abfolge von Höhen und Tiefen. Gerade in schwierigen Phasen lerne man jedoch am meisten.

„Mein Leben ist kein Hockey-Stick. Es geht nach oben, aber mit vielen Ups und Downs. Und genau in den Downs lernst du am meisten.“

Entscheidend sei deshalb die eigene Haltung: Statt Probleme als Katastrophe zu sehen, sollten GründerInnen sie als Lernchance begreifen.

Startup Match: Fundraising neu denken

Sein aktuelles Projekt heißt Startup Match, eine Plattform, die den Fundraising-Prozess modernisieren soll. Denn obwohl sich viele Bereiche der Startup-Welt stark verändert haben, ist die Finanzierung oft noch erstaunlich analog. Statistisch dauert Fundraising weiterhin mehrere Monate, obwohl heute in wenigen Stunden Websites gebaut und in kurzer Zeit MVPs entwickelt werden können.

Die Folge: GründerInnen investieren enorme Zeit in Pitch-Events, Networking und Investorensuche, statt sich auf Produkt und Kunden zu konzentrieren.

Die Idee hinter Startup Match: den Prozess stärker automatisieren und mithilfe von Daten und KI Gründerteams mit passenden Business Angels zusammenbringen.

Ein zentrales Element des neuen Ansatzes ist die Analyse von Gründerteams. Verschiedene Persönlichkeitstests und Daten sollen kombiniert werden, um ein umfassenderes Bild der Teamdynamik zu erhalten. So sollen InvestorInnen schneller erkennen, welche Startups wirklich zu ihnen passen – und GründerInnen leichter Zugang zu Kapital und Netzwerken bekommen.

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