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Helmit: Digitaler Schutzschild für Kinder

Helmit: Digitaler Schutzschild für Kinder

Die Helmit-Gründer: Leonardo Benini und Alexander Wolters (v. l. n. r.)

Credit: Foto: Helmit GmbH

Die Helmit-Gründer: Leonardo Benini und Alexander Wolters (v. l. n. r.) – Credit: Foto: Helmit GmbH

Saskia Doll

Saskia Doll

Das Münchner Startup Helmit entwickelt eine KI-App, die Kinder in sozialen Netzwerken vor Cybermobbing, Grooming und unangemessenen Inhalten schützt. Die Besonderheit: Die Analyse erfolgt lokal auf dem Gerät ohne Cloud und mit maximalem Datenschutz. Wie Helmit Sicherheit und Privatsphäre vereint, erklärt das Team im Interview.

30. März 2026

5 Min. Lesezeit

Munich Startup: Was macht euer Startup? Welches Problem löst ihr?

Helmit: Helmit ist der digitale Helm für Kinder auf Social Media. Wir haben eine KI-gestützte App entwickelt, die Kinder vor Gefahren wie Cybermobbing, Grooming und unangemessenen Inhalten schützt. Unsere App läuft lokal auf dem Gerät der Eltern, verbindet sich mit Plattformen wie WhatsApp, Instagram oder Discord und erkennt mit KI in Echtzeit Anzeichen für gefährliche Interaktionen. Wenn ein Risiko erkannt wird, erhalten Eltern eine Warnmeldung.

Warum das wichtig ist, zeigen die Zahlen sehr deutlich: Jedes fünfte Kind ist von Cybermobbing betroffen, jedes vierte erlebt Cybergrooming. Für Eltern gibt es bisher meist nur zwei Optionen: verbieten oder wegschauen. Genau deshalb haben wir Helmit entwickelt.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Helmit: Nicht wirklich. Vieles, was heute als Kinderschutz angeboten wird, regelt vor allem die Bildschirmzeit, sperrt Apps oder blockiert Webseiten. Das hilft zwar, um ungesunde Mediennutzung zu reduzieren, greift aber zu kurz. Denn die kritischen Gefahren entstehen meist innerhalb der Chats auf den Social Media Plattformen. Genau diese Lücke schließen wir.

Es gibt einzelne Anbieter, vor allem in den USA, die auch Chats analysieren. Dort werden die sensiblen Daten aber vollständig in der Cloud verarbeitet und nur wenige Plattformen unterstützt. Im Gegensatz dazu bieten wir mit Helmit eine einfache, effektive und datenschutzfreundliche Lösung an, die mit mehreren technischen Durchbrüchen einhergeht. Wir sind die Ersten, die eine lokale KI-Verarbeitung ermöglichen. Keine Cloud, keine Dritten. Wir können Gefahren in Text, Audio, Bildern und Videos erkennen und unser Setup dauert nur zwei Minuten.

Aus Frustration zur Lösung für digitalen Kinderschutz

Munich Startup: Was ist eure Gründungsstory?

Helmit: Helmit ist aus der Frustration darüber entstanden, dass digitale Gewalt gegen Kinder auf Social Media seit Jahren ein bekanntes Problem ist, die Plattformbetreiber aber kaum Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass ein pauschales Verbot von Social Media nicht zielführend ist, da es am Ende nur Symptome bekämpft und das eigentliche Problem verschiebt.

Deshalb wollten wir einen anderen Ansatz schaffen: Eltern selbst das nötige Werkzeug in die Hand geben, mit dem sie ihre Kinder einfach digital schützen können. Dass wir Helmit gemeinsam aufbauen, ist kein Zufall. Wir kennen uns schon seit der Kindheit und haben beide den Anspruch, mit Innovation gesellschaftlich relevante Probleme zu lösen. Helmit ist genau aus diesem Antrieb heraus entstanden.

Munich Startup: Was waren bisher eure größten Herausforderungen?

Helmit: Die größte Herausforderung war für uns, zwei Dinge zusammenzubringen, die oft als Widerspruch behandelt werden: effektiven Schutz und echte Privatsphäre. Um Kinder online zu schützen, muss man sehr sensible Inhalte analysieren, also genau die Chats und Inhalte, in denen Cybermobbing und Grooming stattfinden. Viele opfern an dieser Stelle entweder den Datenschutz oder wirksamen Schutz. Unser Anspruch war es, beides gleichzeitig zu lösen. Dafür mussten wir sehr kleine KI Modelle entwickeln, die lokal auf den Endgeräten von Eltern effizient laufen können.

Auch die Anbindung von Social-Media-Plattformen ist komplex. Dahinter steckt viel Arbeit von der Entwicklung technischner Schnittstellen bis hin zu Compliance- und Zertifizierungsfragen, um verlässlich mit den Plattformen arbeiten zu können.

Foto: Helmit GmbH

Ziel: Globalen Standard für Kinder-Sicherheit

Munich Startup: Wo möchtet ihr in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren?

Helmit: In einem Jahr wollen wir Helmit als starke Kinderschutzlösung für Familien im deutschsprachigen Raum etabliert haben. Es geht uns vor allem darum, im Alltag vieler Familien einen echten Unterschied zu machen und digitale Gewalt gegen Kinder spürbar zu reduzieren. Wenn Kinder durch Helmit besser geschützt sind, dann ist das für uns der wichtigste Maßstab.

In fünf Jahren soll Helmit der globale Sicherheitsstandard für das erste Smartphone jedes Kindes sein. Wir werden Helmit immer weiter ausbauen: von einer Schutzlösung hin zu einer umfassenden All-in-One-Plattform für digitale Erziehung.

Munich Startup: Wie habt ihr den Startup-Standort München bisher erlebt?

Helmit: Für uns ist München der ideale Standort, um ein Tech-Startup aufzubauen. Hier treffen starke Universitäten, exzellente Forschung und ambitionierte Talente direkt aufeinander. Gerade mit unserem Fokus auf KI-Entwicklung dient die TUM als wichtige Kaderschmiede für den Aufbau eines starken Engineering-Teams. Dazu kommen Förderprogramme und Unterstützungsangebote, die Startups schon in sehr frühen Phasen wirklich weiterhelfen. Diese Kombination aus technischer Exzellenz und einem ausgebauten Ökosystem macht den Standort so wertvoll.

Munich Startup: Outsourcen oder selber machen?

Helmit: Alles, was uns strategisch differenziert, machen wir selbst. Wir haben ein sehr starkes Team aus Machine Learning Engineers, Softwareentwicklern und Marketingtalenten. Deshalb entsteht das meiste komplett inhouse. Was nicht zum strategischen Kern gehört, kann man smart outsourcen, um schneller zu skalieren und mehr Pace auf die Straße zu bringen.

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