Foto: Wolf Innovation GmbH

Articly: Vom Text zum Audio-Erlebnis

Articly baut maßgeschneiderte KI-basierte Lösungen, die Artikel, Newsletter oder Blogposts in professionelle Hör-Produkte verwandeln – egal, ob Podcast oder Audio-Briefing. Im Interview erklären Lukas Paetzmann und Wolf Weimer, wie Medienhäuser damit neue Zielgruppen erreichen, warum der Pivot zum B2B-Modell entscheidend war und wohin sich KI-Audio entwickelt.

Munich Startup: Welchen messbaren Unterschied macht eure Lösung heute schon?

Lukas Paetzmann, Co-Founder & CEO: Bei Articly verwandeln wir für unsere Kunden Textinhalte automatisiert in Hörerlebnisse wie Podcasts. Konkret sehen wir drei Effekte: Erstens erreichen unsere Partner Zielgruppen, die klassische Texte kaum konsumieren – etwa in Situationen wie unterwegs, im Auto oder im Alltag nebenbei. Zweitens steigt die Content-Auslastung signifikant: Ein Artikel kann mehrfach verwertet werden. Und drittens entsteht sofort Monetarisierungspotenzial durch Audio-Ads und Sponsoring.

Munich Startup: Warum seid ihr schneller, besser oder mutiger als etablierte Anbieter?

Wolf Weimer, Gründer & CEO: Weil wir nicht nur Technologie bauen und „über den Zaun werfen“, sondern komplette Workflows und Audio-Produkte – immer eng abgestimmt mit unseren Kunden. Unser Ansatz ist ein klarer Managed Service: Wir nehmen unseren Partnern die Komplexität ab, statt einfach ein Tool zu liefern.

Lukas Paetzmann: Dazu gehört auch, dass wir kontinuierlich die führenden KI- und Text-to-Speech-Modelle integrieren. Unsere Kunden bekommen immer State-of-the-Art – ohne selbst Expertise aufbauen oder sich um technologische Entwicklungen kümmern zu müssen.

Shift zu B2B-Plattform war entscheidend

Munich Startup: Welche Entscheidung war bisher die wichtigste?

Wolf Weimer: Die wichtigste Entscheidung war der klare Shift von einer Consumer-App hin zu einem B2B- und Plattform-Modell. Wir haben früh verstanden, dass der größere Hebel in der Skalierung über starke Partner und bestehende Distributoren geht. Seitdem wir Articly als KI-Service-Partner für Medienhäuser, Mobilitätsunternehmen und Kommunikatoren verstehen, konnten wir große Fortschritte machen. Das hat unser Wachstum massiv beschleunigt und uns strategisch ganz anders positioniert. Dabei sind wir uns trotzdem immer treu geblieben: Wir wollten von Anfang an für erstklassige Hörerlebnisse stehen.

Munich Startup: Welche Phase hat euch am meisten Wachstumsschmerzen bereitet?

Lukas Paetzmann: Die größte Phase mit Wachstumsschmerzen war ganz klar der Übergang von ersten Piloten in den skalierenden Betrieb. In der frühen Phase waren – trotz aller Automatisierung – noch viele manuelle Prozesse notwendig, auch in Projekten mit namhaften Verlagen. Es musste deutlich mehr menschliche Checks geben, als uns langfristig lieb war.
Ich bin zum Glück Frühaufsteher und Wolf eher in der Spätschicht – das hat in der Phase geholfen. Und wir haben daraus gelernt: Automatisierung ist nicht nur unser Produktversprechen für Kunden, sondern auch intern entscheidend.

Die Zukunft: Personalisiertes Audio

Munich Startup: Wo wollt ihr in fünf Jahren stehen und was muss bis dahin zwingend passieren?

Lukas Paetzmann: In fünf Jahren sehen wir uns als führenden Player für KI-Audio in der deutschen Medienlandschaft – mit breiter Marktabdeckung über Verlage, Mobility und Konzerne. Ein zentraler Hebel wird personalisiertes Audio sein: maßgeschneiderte Podcasts und Briefings, wie wir sie heute schon im ICE-Portal anbieten – nur deutlich weiter skaliert.

Wolf Weimer: In KI-Jahren sind fünf Jahre ja fast ein Horizont von 20 Jahren in früheren Zeiten… Bis dahin sieht die Welt etwas anders aus und unsere Produkte hören und fühlen sich etwas anders an. Ich kann es kaum erwarten! Aber mit Sicherheit sind wir noch internationaler unterwegs als heute. Unsere Heimat bleibt trotzdem München.

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Articly

Articly entstand 2020 und bietet KI-basierte Audiolösungen für Unternehmen und Medienhäuser. Die Plattform verwandelt Texte automatisiert in hochwertige Audioformate und eröffnet neue Wege für Reichweite und Monetarisierung.

Gegründet wurde das Startup von Wolf Weimer, der Articly zunächst als Side-Hustle startete. Später stieg Lukas Paetzmann ein, den er aus dem Studium an der Zeppelin Universität kennt. Beide bringen internationale Erfahrung aus Stationen bei PwC, Google sowie Studienaufenthalten in London und Rotterdam mit.

(Foto: Cineworx)

Munich Startup: Was funktioniert im Münchner Startup-Ökosystem besonders gut und wo wünscht ihr euch mehr Unterstützung?

Wolf Weimer: Wir sind extrem zufrieden mit München als Standort. Besonders stark ist der Zugang zu Talenten – zum Beispiel über die TU München, wo wir hervorragende Entwickler gewinnen konnten. Viele unserer Kunden sitzen ebenfalls direkt vor Ort, etwa O2 Telefónica, Prosieben-Sat.1 oder auch Burda. Im Ökosystem selbst sind wir sehr gut vernetzt, etwa über das Media Lab Bayern oder unseren Innovationsspace Wayra. Und nicht zuletzt konnten wir in dieser Stadt mit dem AI Audio Day ein eigenes Event etablieren, weil es in München eine so dichte Szene aus Partnern, Sponsoren und Speakern gibt.

Munich Startup: Remote-Team oder Office-Kultur?

Wolf Weimer: So digital, wie wir unterwegs sind, funktioniert Remote bei uns tatsächlich ziemlich gut…

Lukas Paetzmann:
…aber eine gute Office-Kultur ist mir auch sehr wichtig. Zusammenzuarbeiten macht einfach mehr Spaß und ist oft fruchtbarer. Aber das ist wahrscheinlich das Einzige, wo Wolf und ich uns mal ein bisschen uneins sind.

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