Munich Startup: Was hat dich zur Gründung motiviert?
Luisa Buinhas: Als Gründer waren wir – Christoph, Stefan und ich – zunächst Wissenschaftler. Für mich persönlich waren drei wesentliche Faktoren für die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, relevant:
- Impact: Wir haben eine Marktlücke erkannt und wollten diese auf eine Art und Weise füllen, die für die Luft- und Raumfahrt sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich gewinnbringend ist.
- Lerneffekt: Als Unternehmer lernt man Dinge, die man anderswo nicht lernen kann, insbesondere nicht in der Wissenschaft. Beispielsweise wie man eine Organisation aufbaut, wie man ein Team leitet oder wie man mit Investoren verhandelt. Uns war von Anfang an klar, dass dies eine steile Lernkurve sein wird, aber die Möglichkeit, diese neuen Fähigkeiten zu erlernen – gemeinsam als Team mit einer Leidenschaft für Herausforderungen – war für mich persönlich eine sehr spannende Aussicht.
- Freiheit: Die Möglichkeit, frei zu entscheiden, wie sich unser Unternehmen entwickeln wird, je nachdem wie sich auch unsere Vision weiterentwickelt.
Munich Startup: Was hättest du gerne vor deiner ersten Gründung gewusst?
Luisa Buinhas: Als Luft- und Raumfahringenieurin im wissenschaftlichen Umfeld befindet man sich in einer Filterblase. Man spricht in Fachjargon und versteht, wie sehr unsere Gesellschaft vom Weltraum und dem Luft- und Raumfahrtsektor abhängt – und man geht davon aus, dass jeder dies zum gleichen Grad versteht. Tatsächlich ist der Weltraum für viele Menschen jedoch ein weit entferntes Konzept und sein Nutzen oder seine strategische Bedeutung sind vielen nicht ausreichend klar. Ich wünschte, diese Wissenslücke wäre uns von Anfang an stärker bewusst gewesen, damit wir unsere Botschaften in den ersten Jahren besser vermitteln hätten können.
Ausgewogenen Verhältnis zwischen privater und nicht verwässernder Finanzierung
Munich Startup: Wie ist dein Unternehmen bislang finanziert?
Luisa Buinhas: Vyoma ist aus privaten Mitteln finanziert und hat bisher rund 19 Millionen Euro an Risikokapital eingeworben. Außerdem haben wir Zusagen für Projekte im Wert von weiteren 13 Millionen Euro von der EU-Kommission, der ESA sowie mehreren Landesregierungen innerhalb der EU. Damit ist Vyoma ein sehr kapitaleffizientes Unternehmen, mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen privater und nicht verwässernder Finanzierung. Vyoma hat außerdem einen Großauftrag mit der ESA abgeschlossen, der die Bereitstellung von Daten über seinen Flamingo-1-Satelliten umfasst und der im Januar 2026 startete.
Munich Startup: Wann und wo bekommst du die besten Ideen?
Luisa Buinhas: Bei langen Spaziergängen und anderen Gelegenheiten zum entspannten Nachdenken an ruhigen Orten.
Munich Startup: Was sind deine 3 liebsten Arbeitstools?
Luisa Buinhas: Ich würde sie nicht unbedingt als Favoriten bezeichenen, aber am häufigsten nutze ich Confluence, Jira und Microsoft Teams – nicht besonders aufregend.
„Kommunikation ist im Deeptech das A und O“
Munich Startup: Dein Top-Tipp zum Thema “Pitchen”?
Luisa Buinhas: Als Deeptech-Unternehmen ist Kommunikation das A und O – und ganz besonders wichtig ist es, die eigenen Botschaften auf die Zielgruppe abzustimmen. Denn nicht jeder verfügt über das erforderliche technische Know-How, auch Investoren nicht. Und damit die Zielgruppe oder Investoren Interesse an einer Idee oder einem Geschäftssmodell entwickeln, müssen sie zunächst das Problem verstehen, das damit gelöst werden soll.
Das bedeutet zum Beispiel, Erklärungen einfach zu halten, beispielsweise durch Analogien, oder anfangs nicht zu sehr in die Details zu gehen und sich einfach auf die positiven Effekte und Auswirkungen zu fokussieren, die eine Lösung für die Zielgruppe bringen kann. Kommunikation ist das wertvollste Werkzeug, um die eigenen Botschaften zu vermitteln und die effektivste Art und Weise zu kommunizieren ist, sie an die Zielgruppe anzupassen.
Munich Startup: Erscheint es dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen? Warum?
Luisa Buinhas: Das hängt stark vom jeweiligen Sektor ab. Vor einigen Jahren lag der Fokus stark auf Nachhaltigkeitslösungen und grüner Energie. Die aktuelle geopolitische Lage hat jedoch zur Folge, dass Umweltthemen etwas in den Hintergrund getreten sind und stattdessen Themen wie Weltraum, Sicherheit, Souveränität und Verteidigung in den Vordergrund gerückt sind. In einem dieser Sektoren ist aktuell ein guter Zeitpunkt für Unternehmensgründungen – und um dafür verfügbare private und öffentliche Fördermittel zu nutzen.
Munich Startup: Auf welche Technologie oder Branche würdest du bei deiner nächsten Gründung setzen?
Luisa Buinhas: Im aktuellen Kontext werden Themen wie Weltraum und Souveräntität vermutlich noch eine Zeit lang relevant bleiben. Sollte sich daher nach Vyoma noch einmal eine ähnliche Gelegenheit ergeben, würde ich nicht ausschließen, an einer weiteren sinnvollen und – wie bereits erwähnt – wirtschaftlich gewinnbringenden Lösung in diesen Bereichen mitzuwirken.
Höherer Frauenanteil wünschenswert
Munich Startup: Was könnte aus deiner Sicht am Gründungsstandort München noch verbessert werden?
Luisa Buinhas: Ich komme aus einem ganz anderem Umfeld außerhalb Deutschlands und begrüße deshalb alle Ressourcen, die von der deutschen Regierung zur Unterstützung von Gründern und jungen Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial bereitgestellt werden, nicht nur in Form von Fördermitteln, sondern auch durch Mentoring- und Inkubationsprogramme. Natürlich wäre es großartig, einen höheren Frauenanteil in Deeptech-Unternehmen zu sehen, sowohl als Mitarbeiterinnen als auch in Führungs- und Management-Positionen, aber dies ist eine Entwicklung, die Jahre dauert.
Munich Startup: Welche Gründerin oder welchen Gründer würdest du gerne einmal persönlich treffen? Und was würdest du sie oder ihn fragen?
Luisa Buinhas: Es gibt viele fantastische Gründerinnen, von denen wir uns alle inspirieren lassen und von denen wir viel lernen können. Aber wenn wir davon ausgehen, dass eine Unternehmensgründung im globalen Westen schwierig ist, dann kann ich mir kaum vorstellen, wie schwierig es für (weibliche) Unternehmerinnen in Entwicklungsländern sein muss. Deshalb würde ich mich gerne mit einer Gründerinnen-Community in Südamerika, Afrika oder Südostasien austauschen. Und die wichtigste Frage wäre: „Ihr seid die Zukunft unseres Planeten. Wie können wir euch helfen?“ Diese Gründerinnen sind wahrscheinlich die hartnäckigsten auf der Welt. Parallel zu oder sogar nach meiner Zeit bei Vyoma möchte ich ihnen und anderen eine Stimme geben und sie dabei unterstützen, andere reale Mikro- und Makroprobleme in anderen Teilen der Welt zu lösen. Denn es sollte unsere gemeinsame Verantwortung sein, etwas zurückzugeben und anderen den Weg zu ebnen, damit auch sie erfolgreich sein können.