Das Gründer-Team: Philip Mayer und Joshua Linn (v. l. n. r.)
Foto: The Ocean Package

The Ocean Package: Kreislauf statt Einwegkarton

Einwegkartons verursachen Kosten, Müll und CO2 – und sind im E-Commerce längst nicht mehr zeitgemäß. The Ocean Package setzt auf ein geschlossenes Mehrwegsystem für Versandverpackungen. Gründer Joshua Linn erklärt, warum das System radikal anders gedacht ist und weshalb Geschwindigkeit dabei entscheidend ist.

Munich Startup: Welches Problem raubt euren KundInnen den Schlaf und wie genau löst ihr es?

Joshua Linn, Gründer & Geschäftsführer: Unsere Kunden stehen vor einem massiven Zielkonflikt: E-Commerce wächst weiter, gleichzeitig steigen regulatorischer Druck (PPWR), Kosten und Nachhaltigkeitsanforderungen. Einwegkartons sind dabei ein riesiges Problem. Der ständige Nachkauf erzeugt nicht nur hohe Kosten, sondern auch enorme Mengen Verpackungsmüll. Der ganze Retourenprozess ist extrem ineffizient.

Wir lösen das mit einem geschlossenen Mehrwegsystem für Versandverpackungen.
Unsere Boxen werden für mehr als 20 Umläufe genutzt, digital per QR-Code getrackt und automatisch wieder in den Kreislauf zurückgeführt.

Das Ergebnis:

  • bis zu 95 Prozent weniger Verpackungsmüll
  • bis zu 80 Prozent CO2-Einsparung
  • langfristig deutlich geringere Kosten

Munich Startup: Was macht ihr radikal anders als andere Anbieter?

Joshua Linn: Wir verkaufen keine Verpackung – wir betreiben ein System.

Das bedeutet:

  • Packaging-as-a-Service statt Produktverkauf
  • jede Box ist Teil eines geschlossenen Kreislaufs
  • Tracking, Daten und Rückführung sind integriert
  • C2C Ansatz: Wir holen end of life alle Boxen wieder zu uns zurück und recyceln diese selber, um das Rezyklat anschließend für neue Produktionen wiederzuverwenden

Viele denken bei Mehrweg an „robustere Box“. Wir denken in Logistikprozessen und Zirkularität. Unser Ansatz funktioniert besonders gut dort, wo Retouren sowieso stattfinden, zum Beispiel im Bereich Fashion, Mietmodelle, Reparatur- und Austauschprozesse oder Intralogistik.

„Aktuelles System ist absurd“

Munich Startup: Wann wusstet ihr: Wir ziehen das jetzt durch?

Joshua Linn: Der Moment kam, als wir gesehen haben, wie absurd das System aktuell ist: Produkte werden aufwendig produziert, verschickt und die Verpackung wird nach wenigen Minuten entsorgt. Spätestens nach den ersten Gesprächen mit Outfittery war klar: Das Problem ist nicht nur real – es ist riesig und ungelöst. Und dann gab es eigentlich kein Zurück mehr.

Munich Startup: Was war euer bisher schwierigster Moment und was habt ihr daraus gelernt?

Joshua Linn: Der schwierigste Teil war (und ist) nicht das Produkt – sondern der Markt. Wir bewegen uns zwischen etablierten Logistikprozessen, konservativen Entscheidungsstrukturen und gleichzeitig extremem Innovationsdruck. Es gab Phasen, in denen Deals kurz vor Abschluss geplatzt sind oder sich monatelang verzögert haben.

Unsere wichtigste Erkenntnis: Timing schlägt oft die beste Lösung. Du brauchst extrem viel Durchhaltevermögen, weil sich Entscheidungen in großen Organisationen selten linear entwickeln.

The Ocean Package bringt Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammen

Munich Startup: Wenn alles nach Plan läuft: Was soll man in fünf Jahren über euch sagen?

Joshua Linn: Dass Mehrweg im E-Commerce durch uns zum neuen Standard geworden ist. Und dass wir gezeigt haben: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Unser Ziel ist, dass Unternehmen gar nicht mehr darüber nachdenken, ob sie Mehrweg nutzen, sondern nur noch welches System.

Infobox
The Ocean Package

The Ocean Package wurde 2021 gegründet und entwickelt ein geschlossenes Mehrwegsystem für Versandverpackungen im E-Commerce. Ziel ist es, Verpackungsmüll drastisch zu reduzieren und gleichzeitig Kosten sowie CO2-Emissionen zu senken.
Gründer des Startups sind Joshua Linn und Philip Mayer. Linn studierte Staatswissenschaften mit Schwerpunkt Politik und VWL und entwickelte die Idee bereits während seines Studiums.

Munich Startup: Wo stößt man als Startup in München an Grenzen und was funktioniert hier besonders gut?

Joshua Linn: München ist ein starker Standort – aber nicht der einfachste.

Herausforderungen:

  • hohe Kosten (Büro, Personal)
  • vergleichsweise konservatives Umfeld

Was sehr gut funktioniert:

  • Zugang zu Industrie und Konzernen
  • starke Netzwerke (z. B. Logistics, Mobility, Circular Economy)
  • hohe Qualität an Talenten

Für uns als B2B-Startup ist München deshalb trotz allem ein sehr guter Standort.

Munich Startup: Perfektion oder Geschwindigkeit?

Joshua Linn: Ganz klar: Geschwindigkeit. Perfektion bringt dir nichts, wenn du zu spät bist.
Gerade in einem sich schnell entwickelnden Markt wie unserem musst du iterieren, testen und lernen. Unser Ansatz: Schnell starten, sauber lernen, kontinuierlich verbessern.

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