Munich Startup
76 Millionen Euro für Quantum Diamonds

76 Millionen Euro für Quantum Diamonds

Quantum Diamonds Team

Credit: Foto: QuantumDiamonds GmbH

Quantum Diamonds Team – Credit: Foto: QuantumDiamonds GmbH

Saskia Müller

Saskia Müller

Die EU-Kommission genehmigt 76 Millionen Euro staatliche Beihilfe für Quantum Diamonds. In München soll eine Produktionsstätte für Halbleiter-Testsysteme entstehen, eingebettet in die europäische Chip-Strategie.

30. Juni 2026

3 Min. Lesezeit

Mit der Beihilfe der EU-Kommission will das Münchner Startup in München eine neue Produktionsstätte für Halbleiter-Testsysteme aufbauen, die auf neuartigen Quantensensoren basiert. Die Anlage soll die erste Produktionsstätte dieser Art in der Europäischen Union sein und die Rolle Europas in der Halbleiter-Wertschöpfungskette stärken.

Ausgangspunkt ist eine von Deutschland angemeldete Beihilfemaßnahme für das Projekt „IPF-ATEST“ von Quantum Diamonds. Die Kommission hat diese Maßnahme nach den EU-Beihilfevorschriften geprüft und nun freigegeben.

Die Beihilfe fließt als direkter Zuschuss. Ohne diese öffentliche Förderung, so die Kommission, würde Quantum Diamonds die geplante Investition nicht in Europa tätigen. Die Entscheidung ist damit auch ein Signal an die europäische Halbleiterindustrie und an das Münchner Startup-Ökosystem, dass Brüssel gezielt Produktionskapazitäten entlang der Wertschöpfungskette unterstützen will.

Halbleiter made in Munich

Kern des Projekts ist die Entwicklung und Herstellung fortschrittlicher Mess- und Inspektionssysteme für die Halbleiterindustrie. Die Systeme beruhen auf Quantensensoren, die hochauflösende und dreidimensionale Inspektionen moderner Chips ermöglichen sollen. In der Europäischen Union gibt es nach Angaben der Kommission bislang keine vergleichbare Produktionsanlage.

Im Gegenzug zum Zuschuss in Millionenhöhe verpflichtet sich das Münchner Deeptech-Startup, die Versorgungssicherheit zu stärken und die Zahl qualifizierter Fachkräfte zu erhöhen.

Das Unternehmen soll laut EU zudem die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen intensivieren. Ein Teil der Anlage wird Startups, Hightech-Unternehmen in der Frühphase, kleinen und mittleren Unternehmen sowie wissenschaftlichen Laboratorien zur Verfügung gestellt. Für die Münchner Startup-Szene entsteht damit eine Infrastruktur, die Zugang zu hochspezialisierter Messtechnik im Halbleiterbereich eröffnet. Im Fall von Versorgungsengpässen verpflichtet sich Quantum Diamonds zudem, vorrangige Aufträge auszuführen. Potenzielle projektbezogene Gewinne, die über die aktuellen Erwartungen hinausgehen, werden zwischen dem Unternehmen und Deutschland geteilt.

Neuartige Produktion in Europa als Leuchtturmprojekt

Die Kommission bewertet die Maßnahme als förderfähig, weil sie aus ihrer Sicht die Entwicklung einer wirtschaftlichen Tätigkeit unterstützt, ohne den Wettbewerb im Binnenmarkt unverhältnismäßig zu verzerren. Sie betont, dass es sich um eine neuartige Produktion in Europa handelt und dass die Beihilfe notwendig, geeignet und auf das erforderliche Minimum begrenzt sei. Die Entscheidung fügt sich in die politischen Leitlinien der Kommission für den Zeitraum 2024 bis 2029 ein und steht im Einklang mit dem europäischen Chip-Gesetz.

Der Beschluss steht in einem größeren Förderkontext. Deutschland hatte im November 2024 eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für innovative Investitionsprojekte in der europäischen Halbleiter-Wertschöpfungskette veröffentlicht. Das Projekt von Quantum Diamonds ist das fünfte, das im Rahmen dieser Ausschreibung vorausgewählt wurde. Insgesamt handelt es sich um den vierzehnten Beschluss der Kommission, der auf den Grundsätzen des Chip-Gesetzes basiert. Bisher haben verschiedene Mitgliedstaaten Beihilfen in Höhe von rund 14,2 Milliarden Euro für Halbleitertechnologien und -anwendungen gewährt.

Parallel treibt die EU ihre industriepolitischen Rahmenbedingungen weiter voran. Am 3. Juni 2026 hat die Kommission einen neuen Vorschlag für das sogenannte Chip-Gesetz 2.0 angenommen. Ziel ist es, die Chip-Industrie in Europa weiter auszubauen, strategische Abhängigkeiten zu verringern und die Herstellung fortgeschrittener Halbleitertechnologien zu fördern. Chip-Gesetz 2.0 soll die bisherigen Fortschritte konsolidieren, Stärken bei handelsüblichen Chips ausbauen und neue Kapazitäten im Spitzensegment schaffen.

Für München und die regionale Startup-Szene bedeutet die Entscheidung, dass ein weiterer Baustein der europäischen Halbleiterstrategie vor Ort angesiedelt werden soll. Die Öffnung von Teilen der Anlage für Startups und Forschung kann und soll neue Kooperationen anstoßen.

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