Munich Startup
Knapp 3 Millionen Euro für Finto

Knapp 3 Millionen Euro für Finto

Credit: Foto: Finto

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Bernd Heppel

Bernd Heppel

Das Münchner Startup Finto hat eine Seed-Finanzierung über 2,98 Millionen Euro (3,4 Millionen Dollar) abgeschlossen. Mit Kapital von Y Combinator, Gradient und Lightspeed will das Unternehmen KI-Agenten für die Buchhaltung in Europa etablieren und Finanzprozesse in ERP-Systemen wie SAP, Microsoft Dynamics und DATEV automatisieren.

13. Juli 2026

3 Min. Lesezeit

Die Aufnahme in den US-Accelerator Y Combinator gilt für deutsche Startups als Ausnahme. Unternehmen wie Airbnb, Stripe oder Dropbox gehören zu dessen bekanntesten Alumni. Auch Finto gehört dazu. Doch statt nach dem renommierten Accelerator Y Combinator dauerhaft im Silicon Valley zu bleiben, entschieden sich die Gründer bewusst für den weiteren Unternehmensaufbau in München. Damit setzt Finto auf einen europäischen Markt, dessen regulatorische Anforderungen, ERP-Landschaft und Unternehmensstrukturen nach Ansicht des Teams spezialisierte KI-Lösungen erfordern.

München statt Silicon Valley

Für die Finto-Gründer Jonas Morgner, Linus Boehm und Lorenz Neuner war das Programm dennoch kein Sprungbrett für eine dauerhafte Expansion in die USA. Stattdessen fiel die Entscheidung, die nächste Wachstumsphase bewusst in Europa umzusetzen.

„Wir haben uns bewusst für München entschieden: Das Talent ist über die TU München hier, unsere Kunden – der industrielle Mittelstand und Konzerne Europas – sind hier, und der Enterprise-Software-Kern, auf dem wir aufbauen, inklusive SAP, ist direkt vor unserer Tür“,

sagt Jonas Morgner, Mitgründer und CEO von Finto.

KI-Agenten übernehmen Buchhaltungsaufgaben eigenständig

Während viele Automatisierungslösungen im Rechnungswesen weiterhin auf OCR-Technologien und regelbasierte Workflows setzen, verfolgt Finto einen agentenbasierten Ansatz.

Die KI-Agenten übernehmen zentrale Aufgaben der Kreditorenbuchhaltung eigenständig. Dazu zählen die Rechnungsprüfung, die steuerliche Bewertung, die Kontierung sowie der Abgleich mit Bestellungen. Anschließend erstellen sie die entsprechenden Buchungen. Ist eine Entscheidung nicht eindeutig möglich, geben die Agenten den Vorgang an Mitarbeitende weiter, die den Fall prüfen und abschließen.

Die Software integriert sich nach Unternehmensangaben direkt in SAP, Microsoft Dynamics und DATEV. Bei Unsicherheiten greifen die KI-Agenten nicht autonom durch, sondern beziehen BuchhalterInnen gezielt in die Entscheidung ein.

„Unser Ansatz liefert direkt Ergebnisse. Sind die Agenten unsicher, melden sie das und bitten den Buchhalter um Mithilfe. So schaffen wir Kapazitäten frei und werten die Rolle des Finanzteams strategisch auf“,

erklärt Morgner.

Gründer bringen Enterprise-Erfahrung mit

Vor der Gründung von Finto waren die Gründer in leitenden Funktionen bei den Enterprise-Software-Unternehmen Tacto und TradeLink tätig.

Zusätzlich wird Finto von erfahrenen Finanzmanagern beraten, darunter Jürgen Klöpffer (ehemaliger CFO von Everllence und GBS Volkswagen), Lukas Deutsch (Chief Controlling Officer bei SAP) und Michael Felix (ehemaliger Managing Director GBS bei Melitta und Burda).

Erste Kunden kommen aus Sport und Handel

Zu den ersten Referenzkunden zählen der Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld sowie die Eat Happy Group, die Sushi-Theken unter anderem bei Rewe, Edeka und Kaufland betreibt.

Bei Arminia Bielefeld entstand die Lösung gemeinsam mit Finto. Nach Unternehmensangaben ist die Kreditorenbuchhaltung inzwischen weitgehend automatisiert.

„Unsere Buchhaltung war fast ausschließlich mit operativen Tätigkeiten beschäftigt. Für Analyse oder Controlling blieb kaum Raum. Wir schaffen eine Grundlage, auf der wir belastbar arbeiten und Entscheidungen treffen können“,

sagt Patrick Krausch, Direktor Finanzen & Controlling bei Arminia Bielefeld.

Auch bei Eat Happy soll die Software helfen, das starke Unternehmenswachstum mit einer skalierbaren Finanzorganisation zu begleiten. Seit 2025 werden dort erste Gesellschaften KI-gestützt geführt – weitere sollen 2026 folgen.

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