Innovationsranking: Deutschland bei Digitalisierung abgeschlagen

Deutschland belegt in einem aktuellen Innovationsranking international einen guten vierten Platz. Besorgniserregend  schneidet Deutschland jedoch bei der Digitalisierung ab.

Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) untersuchten für die Studie das Innovationspotenzial von 35 Industrienationen. Dabei errechneten die Autoren auch einen Indikator für den Fortschritt der Digitalisierung in den einzelnen Volkswirtschaften. Deutschland rangiert hier abgeschlagen auf dem 17. Platz hinter Frankreich. Die Top-Platzierungen sichern sich Finnland, Schweden und Israel.

Besser sehen die Ergebnisse im Gesamtranking des Innovationsindikators aus: Hier verpasst Deutschland nur knapp einen Platz auf dem Treppchen und landet hinter der Schweiz, Singapur und Belgien auf dem vierten Rang.

Licht und Schatten

Zu den Stärken des deutschen Innovationssystems zählen der Studie zufolge die gute berufliche Ausbildung mit einem hohen Anteil an spitzenqualifizierten Akademikern/-innen in den sogenannten MINT-Fächern, ein hoher Beitrag der Hochtechnologiebranchen zur Wertschöpfung, eine umfangreiche staatliche Finanzierung des Wissenschaftssystems sowie eine hohe Anzahl von Patentanmeldungen je Einwohner im Vergleich zu anderen großen Industrienationen.

Die Schwächen liegen hierzulande in einem sinkenden Handelsbilanzsaldo bei Hochtechnologiegütern und des Beschäftigtenanteils in wissensintensiven Dienstleistungen sowie der Wagniskapital-Investitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Anders als in den meisten anderen Industrienationen verzichte der deutsche Staat bislang auf eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung. ZEW-Projektleiter Dr. Christian Rammer sagt:

„Die gute Position Deutschlands im Innovationsindikator ist seinem ausbalancierten Innovationssystem geschuldet. Anstelle von Spitzenleistungen in einzelnen Bereichen punktet Deutschland mit einer hohen Innovationsbereitschaft in der Breite von Wirtschaft und Gesellschaft.“

Diese zu erhalten, so Rammer, solle oberste Priorität der Innovationspolitik sein.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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