Clever mit Carbon: 7 Fragen an… Blackwave
Bastian Behrens (links) und Raphael Setz © Blackwave (Montage: Munich Startup)

Clever mit Carbon: 7 Fragen an… Blackwave

Blackwave wollen den Leichtbaumarkt revolutionieren. Dafür setzen die Gründer Raphael und Basti auf eine ganz bestimmte Fertigungstechnologie, mit der sie ihren Kunden hochkomplexe Carbonbauteile liefern können. Über mangelnde Nachfrage kann sich das Münchner Startup keineswegs beschweren. Das und noch vieles mehr, hat uns das Gründerteam in unseren 7 Fragen verraten.

1. Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch und Euer Startup bitte kurz vor! 

Wir sind das Team von Blackwave. Raphael und ich (Basti) (30 & 29 Jahre, Maschinenbau & Luft- und Raumfahrttechnik) haben uns 2010 im Rahmen der Formula Student an der TU München kennengelernt. Für alle, die es nicht wissen: Die Formula Student ist ein studentischer Wettbewerb, bei dem universitäre Teams weltweit an einem Rennwagen arbeiten und mit ihren Entwicklungen auf der Rennstrecke gegeneinander antreten.

Wir haben uns schon damals geweigert, eine wissenschaftliche Arbeit nur auf dem Papier und für die Schublade zu schreiben. Daher haben wir uns gemeinsam mit Airbus und dem Lehrstuhl für Carbon Composites entschlossen, für unser Team eine Leichtbaufelge zu entwickeln. Außerdem wollten wir dabei mit dem Carbon Sheet Molding Compound (C-SMC) eine damals noch unbekannte Fertigungstechnologie zum Einsatz bringen.

Mitarbeiter gesucht!

Das Ergebnis bekam dann letztendlich so viel positive Resonanz, dass wir uns entschlossen haben Blackwave zu gründen und unser Wissen zu kommerzialisieren. Als Blackwave haben wir diese Technologie permanent weiterentwickelt und bieten unseren Kunden heute die Serienproduktion von hochkomplexen Carbonbauteilen an.

Seit der Gründung im April 2016 ist nun schon viel passiert: Wir haben Investoren mit im Boot, bearbeiten Projekte für namhafte Kunden und arbeiten mit inzwischen 8 Mitarbeitern auf unserem Firmengelände mit knapp 1300 Quadratmetern Fläche in Taufkirchen. Momentan läuft es sehr gut, sodass wir bereits wieder neue Mitarbeiter suchen, die Lust haben, mit uns den Leichtbaumarkt von morgen zu prägen.

2. Aber das gibt’s doch schon längst!

SMC ist tatsächlich eine Technologie, die schon seit den 70er Jahren verwendet wird. Getrieben von der Ölkrise suchten damals die Automobilhersteller einen Weg, das Gewicht von vornehmlich schweren Verkleidungsteilen zu reduzieren. Allerdings wurden dabei noch Glasfasern und Polyester verarbeitet und die Bauteile an großen Fahrzeugen wie z.B. LKWs verbaut. Wir verwenden hingegen Kohlenstofffasern und leistungsfähige duroplastische Kunststoffe, daher der Name: Carbon-SMC. Dadurch haben die Bauteile um ein vielfaches bessere mechanische Eigenschaften und es ergeben sich völlig neue Anwendungsfelder, für die es bisher keine zufriedenstellenden Lösungen gab.

„Unser Prozess ist hochautomatisiert“

Wir erleben in den letzten Jahren eine Art Renaissance des SMC-Verfahrens, da es immer relevanter wird, carbonfaserverstärkte Bauteile effizient und in großen Stückzahlen herzustellen. Hier spielen wir ganz klar unsere Vorteile aus: Unser Prozess ist hochautomatisiert, arbeitet äußerst kosteneffizient und verursacht fast keine Produktionsabfälle, womit wir gleich mehrere Probleme der konventionellen Herstellungstechnologien für Carbon lösen. Einer unserer Hauptvorteile ist außerdem, dass wir uns leicht tun, geometrisch sehr anspruchsvolle Bauteile herzustellen.

 

Konventionelle Verfahren für Carbon sind hier stark eingeschränkt, da klassische Gewebematten an einfache und flächige Geometrien gebunden sind. Damit man es sich ein bisschen besser vorstellen kann: Wir verarbeiten eine Pressmasse, die im Gegensatz zu klassischen Gewebematten nicht Lage für Lage ins Werkzeug eingelegt werden muss, sondern portioniert in die Form gebracht wird. Unter hohem Druck und Temperatur fließt das Material und füllt die Form komplett aus. Rippen und Wandstärkenübergänge, die zuvor undenkbar waren, gelingen uns in unseren Presswerkzeugen im Handumdrehen. Wenn unsere Pressmasse dann nach 2 Minuten ausgehärtet ist, hat sie Eigenschaften, die es mit Titan aufnehmen können.

3. Was sind die drei Hauptzutaten für Euer Erfolgsrezept?

  • Eine offene Unternehmenskultur und die Art und Weise, mit Fehlern umzugehen
  • Die Liebe für effizienten Leichtbau
  • So viele Formula Student Alumni, wie wir kriegen können

Fokus liegt auf Großprojekten

4. Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

Mit unserem Umzug Anfang des Jahres haben wir die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur erheblich ausgebaut und anschließend natürlich ordentlich die Werbetrommel gerührt. Dadurch haben wir aktuell derart viel Nachfrage, dass wir die Rotationsgeschwindigkeit unserer Werbetrommel sogar wieder ein bisschen reduzieren mussten.

Aktuell konzentrieren wir uns vor allem auf die Märkte, in denen wir sowohl das größte Wachstumspotential als auch eine hohe Notwendigkeit für herausragenden Leichtbau sehen: Wir arbeiten deshalb primär an größeren Projekten für Hersteller von Premiumfahrzeugen, in der Sportgerätebranche und im Aerospace Sektor. Dieses Jahr wollen wir unsere Technologie weiter industrialisieren und die Prozesse für Serienprojekte einfahren. 2019 soll dann die erste größere Serie bei uns an den Start gehen. Bis dahin planen wir mit 15 festangestellten Mitarbeitern. Auf jeden Fall freuen wir uns total darauf, bald die ersten Bauteile aus unseren Projekten der Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen.

Für unser Vorhaben gibt es keinen besseren Standort als München

5. Was bedeutet München für Euch? 

Für unser Vorhaben, den Leichtbaumarkt zu revolutionieren, gibt es einfach keinen besseren Standort als München: Wir haben so viele Kunden aus verschiedensten Industriezweigen direkt vor unserer Nase, dass wir gar nicht wissen, wo wir eigentlich anfangen sollen. Investoren, die an uns glauben und uns bei unserem Vorhaben mit Rat und Tat unterstützen, haben wir hier ebenfalls im Handumdrehen gefunden.

Ganz zu schweigen von der fantastischen Gründungsmentalität der Technischen Universität München, die uns zu jedem Zeitpunkt unterstützt und ermutigt hat, unser eigenes Unternehmen aufzubauen. Und dann noch das Thema Nachwuchs: mit so vielen Top-Universitäten werden wir natürlich bestens mit engagiertem Nachwuchs versorgt. Und wenn wir dann doch irgendwann mal Feierabend machen, können wir uns in der Isar abkühlen, um am nächsten Tag wieder voll durchstarten zu können.

Vorreiterrolle verteidigen — Wachstum ausbauen

6. Wie wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night

Um den Megatrend Mobilität, der ja momentan wieder in aller Munde ist, vorwärts zu bringen, sind effiziente Leichtbautechnologien unabdingbar. Der Leichtbaumarkt ist natürlich hart umkämpft. Sowohl die Leichtbautechnologien untereinander konkurrieren als auch verschiedene Unternehmen. Wir sind allerdings fest davon überzeugt, dass wir mit unserer Technologie auf ein zukunftsträchtiges Material und einen überlegenen Prozess gesetzt haben.

Unser Vorteil ist, dass bei metallischen Werkstoffen bereits ein Großteil des Potentials ausgereizt ist, während unsere Technologie gerade erst anfängt ihr Potential zu entfalten. Wenn wir es also schaffen, unsere Vorreiterrolle zu verteidigen und auszubauen, stehen die Chancen für weiteres Wachstum hervorragend. Deshalb werden wir auf jeden Fall weiter unsere Vision verfolgen, der Premium-Ansprechpartner für komplexe Carbon Bauteile zu werden.

7. Helles oder Prosecco?

Hat hier schon mal jemand Prosecco geantwortet? Helles natürlich!

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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