Gastbeitrag: Startups, so klappt es mit dem Board

Gastbeitrag: Startups, so klappt es mit dem Board

Wie sollte ein Board aussehen? Und was sollten die Mitglieder eines Beirats in ein Startup einbringen? Fritz Oidtmann, Managing Partner bei Acton Capital Partners, gibt seine Erfahrungen aus der Zeit als OnVista-Mitgründer weiter. Er zeigt auf, wie ein Beirat aufgestellt sein soll, hat Euch eine Checkliste erstellt und erklärt, wie falsche Entscheidungen zu einem Alptraum führen.


Ein Gastbeitrag von Fritz Oidtmann

Einige Zeit bevor ich Partner beim VC Acton wurde, habe ich das Finanzportal OnVista mitgegründet. In meiner Rolle als CEO hatte ich einem Kunden einmal bei der Verabschiedung gesagt, dass ich nun zu einem Board-Meeting muss. Er entgegnete: „Sie Armer, in Board-Meetings habe ich immer den Eindruck, in einer mündlichen Prüfung zu stehen und zudem durchzufallen.“ Ich war völlig überrascht, denn ich habe den Austausch mit unserem Beirat immer geschätzt. Denn ich lernte jedesmal dazu und hatte anschließend einen klareren Blick auf unser Geschäft. Ich habe die konstruktive Unterstützung durch unsere Aufsichtsräte immer sehr geschätzt. Seitdem habe ich selbst in einer Vielzahl Boards gedient. Nicht alle waren ein Vergnügen. Nicht immer war die Zusammenarbeit von Vertrauen geprägt. Hier meine Tipps, wie sich das Beste aus einem Board herausholen lässt:

Seid offen

Nutzt Euer Board als vertrauensvollen Sparringspartner. Es gibt kein Startup ohne Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gründern – bei der strategischen Ausrichtung, der Organisation, bei Prioritäten usw. Viele Gründer sehen es als Schwäche, solche Themen in Board-Sitzungen zu adressieren. Ich betrachte es als Souveränität. Wenn es Probleme gibt, die nicht zwischen den Gründern gelöst werden können, geht Zeit und im schlimmsten Fall sogar noch viel mehr verloren. Bringt kritische Probleme zur Sprache. Ihr müsst Vertrauen zwischen Euch und Euren Board-Mitgliedern schaffen.

Klein, aber fein

Idealerweise hat ein Beirat nicht mehr als 3-5 Mitglieder. Große Boards sind selten produktiv. Viele Mitglieder fühlen sich schlichtweg oft nicht verantwortlich. Diskussionen werden langwierig und verlieren das Ziel aus den Augen. Wenn Ihr die Größe des Boards nicht reduzieren könnt, dann schafft Euch kleine Teams – nicht nur für Finanzen oder Personalthemen, sondern auch für strategische Diskussionen. Wenn Ihr nicht allen Mitgliedern vertrauen könnt, sucht Euch ein oder zwei Board-Mitglieder aus, denen Ihr vertraut, und sprecht mit Ihnen über kritische Probleme, bevor Ihr sie in der großen Runde ansprecht. Wenn Ihr niemanden habt, dem Ihr vertrauen könnt, dann sucht Euch einen unabhängigen Board-Vorsitzenden oder bringt zumindest ein unabhängiges Mitglied in Euer Board.

Die gleiche Blickrichtung

Wenn Ihr einen neuen Investor an Bord bringt, holt Referenzen ein und erkundigt Euch bei anderen Startups, in die der VC investiert hat. Achtet stets auf Übereinstimmung in den wichtigsten Fragen zwischen dem neuen Investor, Euch selbst und den bestehenden Investoren. Wenn es keine Übereinstimmung gibt, holt den Investor gar nicht erst ins Boot. Wenn Ihr Euch unsicher seid, prüft seine Position vorab kritisch. Den falschen Investor an Bord zu bringen, nur um das Geld zu bekommen, führt unweigerlich anschließend zum Alptraum.

Sucht nach Board-Mitgliedern, die idealerweise

• bereit und fähig sind, Strategie und wichtige Entscheidungen zu hinterfragen
• das Team zu mehr Mut zu drängen, wenn nötig, und bremsen, wenn der Weg zu gefährlich erscheint
• intelligent, engagiert und herausfordernd sind statt komfortabel leise
• entscheidungsfreudig sind
• Verständnis für die Arbeitsbelastung der Gründer haben und daher pragmatisch in ihren Anfragen sind
• operationale Erfahrung oder Industrieexpertise mitbringen
• nicht in Wettbewerber investieren
• gute Zuhörer sind
• leicht zu erreichen sind, wenn sie gebraucht werden
• Unterlagen lesen, wenn sie darum gebeten werden, und rechtzeitig Feedback geben
• Vertrauliches geheim halten
• persönliches Feedback unter vier Augen und nicht vor anderen geben.

Keine Beschönigungen

Ob ein Board erfolgreich ist, hängt auch von Euch ab. Ihr müsst offen und transparent mit Eurem Beirat sein. Das ist leicht, solange die Sonne scheint. Aber wenn die Dinge mal nicht so gut laufen, braucht Ihr eine ehrliche Diskussion mit Eurem Board. Dem Board sind die Probleme normalerweise nicht verborgen geblieben. Und wenn ihr nicht darüber sprecht, dann denken Eure Board-Mitglieder, dass Ihr entweder nicht transparent seid, oder noch schlimmer, dass Ihr Euch der Situation nicht bewusst seid. Beides ist nicht gut – weder für Euch noch für das Unternehmen. Probleme wachsen, wenn man nicht über sie spricht. Es ist immer besser, gemeinsam eine Lösung zu finden, als zu einer Lösung gezwungen zu werden. Seid offen für Ratschläge. Wenn Ihr zeigt, dass guter Rat willkommen und geschätzt ist, bekommt Ihr mehr davon.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Auf praktischer Ebene solltet Ihr Eure Board-Meetings mit einer klaren Agenda vorbereiten und vorab klarmachen, was Ihr von der Sitzung erwartet: Welche Art von Entscheidungen benötigt Ihr? Über welche Themen möchtet Ihr gerne informieren? Und wo benötigt Ihr Feedback? Stellt sicher, dass die wichtigsten Themen zuerst behandelt werden und dass genug Zeit für sie ist. Bereitet keine Decks mit 80 oder mehr Seiten vor. Dies garantiert Frustration, da Ihr zu viel über Details diskutieren werdet und wahrscheinlich wichtige Punkte zu kurz kommen.

In sonnigen Zeiten ist ein schlechtes Board mühselig und unangenehm, in einer Krise ist es gefährlich. Daher nutzt Euer Board so gut Ihr könnt und macht Board-Meetings zu einem Ereignis, auf das Ihr Euch freuen könnt.


Über den Autor

Oidtmann BoardFritz Oidtmann ist Managing Partner bei Acton Capital Partners. Er vereint analytischen Verstand, Menschlichkeit und operative Erfahrung. Als Mitgründer und CEO von OnVista, einer der frühen Internet-Erfolgsgeschichten in Deutschland, kennt er die Aufs und Abs eines Unternehmensaufbaus und hat hohes Einfühlungsvermögen und Respekt für die Herausforderungen junger Unternehmen. Als Mentor begleitet und navigiert er heute mit sicherer Hand Gründerteams zum Erfolg.

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