Interview mit Felix Haas: G’scheit Investorengeld sammeln – So holst Du Dir Geld
© Hannes Magerstaedt / Bits&Pretzels

Interview mit Felix Haas: G’scheit Investorengeld sammeln – So holst Du Dir Geld

Felix Haas spricht als Co-Host des Bits & Pretzels Festivals, erfolgreicher Gründer und Investor bei Munich Startup über Angel Money, VCs und erzählt, was Gründer zum Thema Startup-Finanzierung wissen sollten. Mit Investments in über 100 Startups hat der Gründungsexperte unzählige Tipps auf Lager.

Mal ehrlich: Was machen die meisten Startups falsch, wenn sie auf Investorensuche gehen? Warum ist das so?

Viele Startups gehen erst auf Investorensuche, wenn sie dringend Kapital benötigen oder ihnen sogar das Geld ausgeht. Das ist der Hauptfehler, den ich sehe. Was ich stattdessen empfehle: Es ist viel besser einen stetigen Austausch mit den Investoren zu pflegen und echte Beziehungen aufzubauen. Das kostet natürlich Zeit, denn gute Beziehungen sollten gepflegt werden, aber der ständige Dialog lohnt sich. Der ganz klare Vorteil: Wenn die nächste Funding-Runde ansteht, kennt man sich schon. Das erleichtert Vieles!

Der zweite Fehler, den ich immer wieder beobachte: Vielen Gründern fällt es schwer, die Investoren als Partner auf Augenhöhe zu betrachten, sondern stecken zu sehr im Verkaufsmodus fest. Das kommt bei vielen Investoren nicht gut an – denn sie wollen als Partner mit an Bord geholt werden.

Und dann kommt noch mein letzter Punkt, den ich sehr häufig beobachte. Viele Gründer sprechen blind und teilweise auch sehr stupide viele verschiedene Investoren gleichzeitig an, die teilweise inhaltlich gar nicht zum Unternehmen passen oder ganz andere Funding-Modelle haben. Das nimmt man als Investor dann natürlich wahr und es spricht sich auch rum, denn die Szene ist klein und man kennt sich. Das erweckt dann den Anschein, dass der Gründer gar keine Ahnung hat, welche Investoren passen und ist dann eher ein negatives “Signaling”, das von dem Startup ausgeht.

Hinzu kommt natürlich, dass es auch für den Gründer ein sehr großer Zeitaufwand ist, der dann mehr oder weniger für die Tonne ist. Die Zeitverschwendung kann man sich sparen, wenn man mit einer ordentlichen Recherche startet und sich in der Szene umhört und vernetzt.

Warum sollte ich mir als Gründer überhaupt einen Angel-Investor mit an Bord holen?

Ganz klar: Jeder Angel-Investor hat ein umfangreiches und meist sehr wertvolles Netzwerk, auf das man normalerweise als Gründer nicht so schnell zugreifen kann. Ein solches Netzwerk bringt einen unglaublich großen Mehrwert mit sich und man kommt viel schneller und zielgerichteter vorwärts.

Hinzu kommt, dass Angel-Investoren normalerweise eigene Erfahrungen mit mindestens einer eigenen Unternehmensgründung haben und damit auch mehr oder weniger erfolgreich waren. Diese Erfahrung kann man sich als Gründer dann natürlich selbst zunutze machen und wertvolle Tipps abstauben. So muss man nicht mehr alle Fehler nochmal machen, sondern kann die ein- oder anderen gekonnt und gezielt vermeiden.

Und dann – last but not least – noch ein großer Mehrwert, den ich sehe: Angel-Investoren sind meist auch gut vernetzt in die Welt der institutionellen VCs und haben eigene Erfahrungswerte. So können sie für Gründer auch die Rolle als Sparring-Partner gegenüber den VCs einnehmen, wenn das Startup mal soweit ist, den nächsten Schritt zu machen.

Viele Gründer haben Angst, durch Investorenübernahme ihr “Baby” zu früh aus den Händen zu geben. Wie siehst Du das?

Grundsätzlich ist ein Finanzierungsmodell über Fremdkapital nur eine Möglichkeit, um als Unternehmen schnell an Geld zukommen und zu wachsen. Wer da als Gründer zu viele Bedenken hat, muss ein solches Modell auch nicht fahren. Bootstrapping ist durchaus eine bedenkenswerte Alternative, die ich immer wieder erfolgreich beobachten kann. Es dauert zwar alles länger, aber damit bleibt das Baby komplett bei einem selbst. Aber auch wer sich als Gründer dazu entscheidet, Investoren mit reinzuholen und unsicher ist: Es gibt auch die Möglichkeit, über entsprechende Schutzrechte die Investoren-Beziehung zu regeln. Das ist durchaus legitim. Gute Gründer sichern sich hier in der Regel ab und schauen, dass sie selbst im Driver Seat bleiben und die Investoren im Zweifel nicht zu viel sperren können. Die unternehmerische Freiheit sollte meiner Meinung nach nur minimal eingeschränkt werden – sonst wird es als Gründer schwierig.

Wenn ich einen Investor reinholen möchte: Wie kann ich mich als Gründer bestmöglich vorbereiten?

Als Gründer ist es entscheidend, sich ein Netzwerk aufzubauen. Wer es schafft in die Szene einzutauchen, die für das eigene Unternehmen oder die eigene Branche wichtig ist, hat einen klaren Vorteil. Außerdem ist es hilfreich, sich mit befreundeten Gründern auszutauschen und deren Erfahrungen einzuholen. Viele Startups befinden sich in einer ähnlichen Lage und haben schon vergleichbare Situationen durchlebt. Da ist es sinnvoll, die Tipps zur Investorensuche, den Gesprächen und den Deals zu nutzen. Beides gelingt sehr gut, wenn man die passenden Veranstaltungen kennt und diese auch besucht. Ich selbst gehe auch auf einige ausgewählte Veranstaltungen im Jahr und so machen das auch die meisten Investoren, die ich kenne.

Warum ich das so wichtig finde, ist relativ einfach: Bei Bits & Pretzels haben wir dieses Jahr zum Beispiel mehr als 300 Investoren vor Ort, die für Gründer sehr einfach zugänglich sind. Ideal ist es natürlich, wenn man sich vorab die Mühe macht, die passenden Investoren rauszusuchen und diese anschreibt, um Termine zu vereinbaren. Und selbst wenn nicht klappt, rate ich jedem, proaktiv vorzugehen und die Investoren vor Ort bei Events anzusprechen.

Bei Bits & Pretzels versuchen wir die besten Möglichkeiten zu schaffen, um es Gründern und Investoren so einfach wie möglich zu machen zueinander zu finden. Hierfür haben wir einerseits unseren Startup Pitch oder die Startup Exhibition, die von Investoren gerne besucht werden und die Matchmaking-Area für gezielte Zusammentreffen. Es gibt außerdem extra Vorträge von Investoren – so zum Beispiel auf der Academy-Stage zum Thema „Investoren finden“. Mit Holtzbrinck Ventures, die mehr als eine Milliarde Euro managen und bereits in 160 Startups investiert haben, wird das Thema auch von einem der größten und erfahrensten europäischen VCs in Deutschland präsentiert. Investoren, die zu Bits & Pretzels kommen, sind meist sehr offen für Gespräche, denn sie wissen aus der Erfahrung, dass da viele gute Gründer anwesend sind. Um die Terminfindung vorab zu ermöglichen, gibt es eine Event-App, die ich jedem Gründer rate, vorab zu benutzen.

Mal eine persönliche Frage: Warum investierst Du in Startups? Was reizt Dich daran?

Ich empfinde es als unglaublichen Luxus, mit anderen engagierten und interessanten Unternehmern zusammenarbeiten und bei deren Wachstum dabei sein zu dürfen. Das Teilen von Wissen, Netzwerk und Möglichkeiten ist eine große Befriedigung. Und overall habe ich mit der Assetklasse “Startups” einen weit überdurchschnittlichen jährlichen Return – das ist natürlich auch ein schöner Effekt.


Über Felix Haas:
Felix Haas ist Co-Host des Bits & Pretzels Festivals, Gründer von zahlreichen erfolgreichen Startups und Business Angel bei über 100 europäischen und internationalen Startups. Er hat über zwei Jahre im Silicon Valley gelebt und verbringt seine seltene Freizeit am Liebsten mit Fliegen.

Mehr Informationen zum Thema „Investoren finden“, die Gründer von Startups unbedingt kennen sollten, gibt es dieses Jahr bei Bits & Pretzels bei der Startup Academy.

Ein Artikel von

Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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