Venture Debt: Was ist das eigentlich und wie können Risikokredite Startups helfen?

Venture Debt: Was ist das eigentlich und wie können Risikokredite Startups helfen?

Die Suche nach Investoren und Kreditgebern ist für junge Wachstumsunternehmen nicht immer einfach. Denn: Zusätzliche Eigenkapital-Investoren kosten weitere Unternehmensanteile und Kredite werden oft nach dem Cash-Flow bemessen. Diese Finanzierungslücke kann Venture Debt schließen. Für welche Unternehmen ist Venture Debt geeignet? Und wann ist der richtige Moment für einen Risikokredit? Ein Überblick.


Ein Gastbeitrag von Oscar Jazdowski, Co-Head der Silicon Valley Bank Deutschland

Die Risikokapitalbeschaffung durch Eigenkapital ist für viele Startups ein üblicher Weg, um weiter investieren und wachsen zu können: Risikoinvestoren oder VCs erwerben dabei Kapitalbeteiligungen an jungen, innovativen, nicht börsennotierten Unternehmen, die sich trotz unzureichender laufender Ertragskraft durch ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial auszeichnen. Doch die Eigenkapitalkosten schwanken in den Konjunkturzyklen der Innovationswirtschaft erheblich. Immer wieder gibt es Phasen, in denen Eigenkapital am Markt knapp ist.

Kredite könnten dann eine attraktive Finanzierungsvariante sein. Oft erweist sich das in der Praxis jedoch als schwierig für die Unternehmen. Denn der Großteil der Kredite wird auf der Grundlage des erwirtschafteten Cash-Flows gewährt. Ein Dilemma: Naturgemäß fällt dieser bei jüngeren Unternehmen fast immer negativ aus. Kreditgeber fordern außerdem im Normalfall finanzielle Nachweise über die zurückliegenden drei Jahre in Form von Jahresabschlüssen – Auflagen, die Jungunternehmen in den seltensten Fällen erfüllen können. Für die meisten Tech-Unternehmen kommt erschwerend hinzu: Sie setzen überwiegend auf sogenannte Asset-Light-Geschäftsmodelle, bei denen alles, was hohe Investitionen erfordert, im Zweifel an Zulieferer ausgelagert wird oder erst gar nicht notwendig ist, weil sie auf rein digitale Produkte setzen.

Wie kann Venture Debt helfen?

Das Konzept Venture Debt wird dann attraktiv, wenn Unternehmen, die nicht mehr ganz am Anfang stehen oder sogar schon über die Frühphase hinausgewachsen sind, sich erfolgreich mit Eigenkapitalgebern finanzieren konnten, nun aber die Anteilseigner-Struktur nicht massiv verwässern wollen. Anstatt sich auf den historischen Cash-Flow oder das Betriebskapital als Rückzahlungsquelle zu konzentrieren, betont Venture Debt die Fähigkeit des Kreditnehmers, zusätzliches Kapital zur Finanzierung des Wachstums und zur Rückzahlung der Schulden aufzubringen – getreu dem Hintergedanken daran, dass Fremdkapital eben billiger ist als Eigenkapital. Die durchschnittlichen Kapitalkosten sinken und rechtfertigen damit den Kredit. Können Absicherungen gestellt werden, ist dies natürlich ebenfalls hilfreich.

Venture-Debt-Kapital gibt jungen Wachstumsunternehmen vor allem Flexibilität und verlängert die Wirkung des eingesammelten Eigenkapitals. Aus Sicht der Eigenkapitalgeber ist dieses zusätzliche Risikokapital deshalb ein positives Zeichen: Die Liquidität des Portfoliounternehmens wird vergrößert, es steigert zudem die Dynamik und zahlt außerdem auf die eigene Reputation ein. Genau wie Eigenkapital kann Venture Debt einen wertvollen Beitrag für die Weiterentwicklung, etwa neuer Innovationen oder zur Erweiterung des Teams, leisten. Es kann gleichzeitig als Absicherung gegen Performance-Einbrüche oder Bewertungshürden gesehen werden.

Für welche Unternehmen ist Venture Debt geeignet?

Der typische Venture-Debt-Kreditnehmer ist ein schnell wachsendes Unternehmen, das zum Beispiel Geld von Risikokapitalgesellschaften eingesammelt und eine definierte Strategie für die weitere Kapitalbeschaffung hat. Dabei steht das Unternehmen idealerweise auch finanziell nicht mehr ganz am Anfang und hat schon Series-A-Fundings in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro erzielt. Das Geschäftsmodell sollte sich als tragfähig und skalierbar erwiesen haben, umgesetzt von einem erfahrenen Management-Team. Umsatz und Kundenstamm sollten ein nachhaltiges Wachstum aufweisen. In dieser Phase können normalerweise geschäftskritische Technologierisiken ausgeschlossen werden.

Welche Kriterien im Detail welche Gewichtung erhalten, hängt eng mit dem jeweiligen Unternehmen und dessen konkreter Situation zusammen. Die Höhe der Risikokredite richtet sich im Allgemeinen nach der Höhe der Eigenkapitalrunde und der aktuellen und prognostizierten Cash-Burn-Rate.

Was ist der richtige Zeitpunkt für Venture Debt?

Eine Venture-Debt-Finanzierung wird typischerweise mit einer traditionellen Eigenkapitalrunde synchronisiert. Oft laufen beide Verhandlungen kurz nacheinander ab, zwischen den Abschlüssen sind oft nur wenige Wochen oder Monate. Auf den ersten Blick mag es unsinnig erscheinen, genau dann Risikoschulden aufzunehmen, wenn sowieso gerade neues Kapital ins Unternehmen gespült wird. Doch in vielen Fällen kann die Schuld mit einer verlängerten tilgungsfreien Zeit strukturiert werden, sodass das Darlehen nicht sofort finanziert werden muss.

Unabhängig davon, wann das Darlehen tatsächlich finanziert werden soll, sind die Bonität und der Verhandlungsspielraum des Unternehmens unmittelbar nach dem Schließen des neuen Eigenkapitals am höchsten. Zudem ist der Zusatzaufwand in dieser Phase am geringsten: Der Venture-Debt-Anbieter kann die meisten Inhalte der für die Eigenkapitalrunde erstellten Investoren-Due-Diligence nutzen.

Was gibt es bei der Auswahl des Kreditgebers zu beachten?

Kaum ein Unternehmen wächst genau so, wie es im ursprünglichen Businessplan einmal erdacht worden ist. Fremdkapital, das ohne traditionelle Sicherheiten vergeben wird, kann hier ein finanzieller Puffer und gleichzeitig Wachstumsbeschleuniger sein. Aber nicht um jeden Preis: Genau wie die Fremdkapitalgeber ihre potentiellen Kreditnehmer vorab genau unter die Lupe nehmen, sollten Unternehmen bei der Wahl des Finanzier genau evaluieren.

Branchenerfahrung, Transparenz und Zuverlässigkeit sind wichtige Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Fragen nach einer soliden Erfolgsbilanz als Venture-Debt-Anbieter sind ebenso angebracht wie Diskussionen vor Vertragsabschluss darüber, was passiert, wenn die Performance sich unplanmäßig entwickelt, Meilensteine nicht erreicht werden oder andere Engpässe auftauchen. Denn das ist gerade bei innovativen Geschäftsideen unvermeidlich. Es ist daher von großem Wert, eine Partnerschaft mit einem Kreditgeber aufzubauen, der über die Erfahrung und Fähigkeit verfügt, flexibel und ruhig zu bleiben.


© Silicon Valley Bank

Über den  Autor

Oscar Jazdowski ist Co-Head der   Silicon Valley Bank Deutschland und verantwortlich für das Business Development. Er ist seit 16 Jahren bei der Bank und hat zuletzt am Aufbau des China-Geschäfts mitgewirkt. Die Silicon Valley Bank eröffnete im Frühjahr 2018 ihre erste Niederlassung in Deutschland.

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Munich Startup

Munich Startup ist das offizielle Startup Portal für München und die Region, das von der Landeshauptstadt München entwickelt wurde. Mitinitiatoren bzw. Kooperationspartner sind die UnternehmerTUM, das Entrepreneurship Center der LMU, das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) und die IHK für München und Oberbayern. Träger ist die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrum GmbH (MGH).

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