© Ecofario/ Janina Laszlo

Ecofario: Starker Wirbel für weniger Mikroplastik im Wasser

Das Münchner Startup Ecofario hat eine Technologie entwickelt, mit der es Mikroplastik effizient aus dem Abwasser filtern kann. Die patentierte Anwendung nutzt das sogenannte Hydrozyklonprinzip effizienter und kostengünstiger als bisher. Der Prototyp soll nun über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden. Die Vision der Gründer: Alle Abwasseranlagen weltweit mit ihrer Technologie auszustatten! Wie der Weg dorthin aussehen könnte beantwortet Ecofario-CEO und Gründer Sebastian Porkert.

1. Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch und Euer Produkt bitte kurz vor! 

Unser Interviewgeber, Ecofario-Geschäftsführer und CEO Sebastian Porkert © Ecofario/ Janina Laszlo

Wir sind das Greentech-Startup Ecofario und wollen mit unserer innovativen Technologie Mikroplastik aus dem Wasser filtern. Damit reduzieren wir den bislang daraus entstehenden Schadstoffeintrag, der über unsere Abwässer und Kläranlagen in unsere Bäche, Flüsse, Seen und Meere gelangt, auf ein Minimum.

Wie ein Wirbel Mikroplastik aus dem Abwasser trennt

Unsere patentierte Technologie basiert auf dem Hydrozyklonprinzip. Das bedeutet, dass wir das Abwasser in einen extremen, aber sehr definierten Wirbel versetzen. Dadurch wirkt fast das 2000-fache der Erdanziehungskraft auf das Wasser. Das wiederum führt dazu, dass sich Mikroplastikpartikel vom Wasser abtrennen lassen.

Unsere Anlagen sollen künftig als letzte Stufe in Kläranlagen oder Industriebetrieben installiert werden. Dadurch gelangt dann kein Mikroplastik mehr in die Umwelt! Da unsere Technologie extrem robust und effizient funktioniert, ist sie im Wettbewerbsvergleich deutlich kostengünstiger.

Das Ecofario-Team besteht derzeit aus vier Gründern: Als promovierter Papieringenieur bringe ich Expertise in großindustrieller Verfahrenstechnik mit ins Team und habe die Technologie erfunden. Unser zweiter Geschäftsführer und CFO Adrian Scholl ist ausgebildeter Übersetzer. Seit einigen Jahren arbeitet Adrian im übergeordneten Projektmanagement und ist momentan in der finalen Phase seines MBA. Robert Krapez wiederum übernimmt die Leitung von Forschung und Entwicklung. Er ist Papier- und Maschinenbauingenieur und befindet sich derzeit in der zweiten Hälfte seines Masterstudiums im Bereich Maschinenbau. Der vierte im Bunde ist Stefan Tomme, Leiter des Bereichs Technologie. Er ist gelernter IT-Systemelektroniker und Energiesystemingenieur.

2. Aber das gibt’s doch schon längst!

Ja und Nein! Das Grundprinzip unserer Technologie, das Hydrozyklonprinzip, ist ein etabliertes Verfahren, und wird seit geraumer Zeit zur Trennung von Mehrphasengemischen verwendet.

Nichtsdestotrotz ist es uns gelungen dieses Prinzip derart abzuwandeln, dass unsere Variante im Vergleich zu den herkömmlichen um bis zum Faktor 50 effizienter arbeitet. Diese Modifikationen sind derart neu, dass wir sie erfolgreich zum Patent anmelden konnten. Somit sind wir in der Lage, Kleinstpartikel wie Mikroplastik, die sich durch ihre Dichte nur sehr gering von Wasser unterscheiden, ohne eine Filterschicht oder einen Tuchfilter aus dem Wasser herauszufiltern. Somit eröffnet unsere Technologie für das Hydrozyklonprinzip komplett neue Sphären der Einsatzmöglichkeiten, unter die eben auch die Mikroplastikfiltration fällt.

Ein Modell der künftigen Filteranlage (© Ecofario).

Lange Durststrecke auf dem Weg von der Forschung zur Gründung

3. Was war Eure bisher größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war bisher die solide Gründung der Ecofario GmbH. Da wir seit nunmehr fünf Jahren an diesem Thema arbeiten und forschen liegt eine lange Durststrecke hinter uns. Denn für die Patent, Markenanmeldung etc. mussten wir sehr tief in die eigenen Taschen greifen. Zum Glück zeichnet sich langsam ein Ende dieser Durststrecke ab.

Wir haben extrem Wert darauf gelegt, dass alles, was wir tun, bis auf das letzte Detail durchdacht ist. Wir wollen keine übereiligen Entschlüsse fassen. Durch diese Strategie sind wir zwar vergleichsweise langsam, haben aber bisher keine Entscheidungen getroffen, die wir bereut haben, oder die gar zu Problemen geführt hätten. Somit haben wir ein perfektes Fundament für Ecofario geschaffen. Und auf dieser Basis können wir optimal agieren.

„Lieber Butter als Mikroplastik bei die Fische!“

4. Butter bei die Fische: Wie läuft das Geschäft?

Lieber Butter als Mikroplastik bei die Fische! Da wir uns momentan noch in der Entwicklungsphase befinden und noch kein Produkt auf dem Markt haben, das sich verkauft, können wir hier noch nicht mit großen Zahlen klotzen. Unser nächster Schritt ist die Fertigung eines mobilen Prototyps im Maßstab 1:1. Den Prototypen können wir voraussichtlich Ende des Jahres bei künftigen Kunden testen und vorführen. Die daraus hervorgehenden Erkenntnisse dienen als Basis für den Scaleup zur ersten Pilotanlage. Diese soll spätestens 2021 in Betrieb gehen.

Die Mittel für den Bau des Prototyps versuchen wir momentan über eine Crowdfunding-Kampagne zu akquirieren. Falls sich hier also jemand angesprochen oder motiviert fühlt: Wir freuen uns über jegliche Art der Unterstützung!

Was das Startup-Herz begehrt

5. Was bedeutet München für Euch? 

München und Umgebung sind für uns Heimat und Zuhause zugleich und somit ein fester Teil unseres Lebens. Aufgrund der Nähe zu Bergen und Seen bekommen wir als bekennende Naturfreaks alles, was wir im privaten Leben benötigen. Auf der anderen Seite hat München ein hervorragendes Netzwerk und eine sehr gute Szene für Startups. Da wir ursprünglich vom SCE kommen, konnten wir diese Vorzüge von Beginn an genießen. Weiter stellen auch die IHK und diverse Bayrische Cluster-Initiativen sehr gute Standortfaktoren für uns dar. Also kurz und knapp: In München bekommen wir alles, was unser Startup-Herz begehrt!

6. Wie wird Euer Startup zum nächsten Unicorn? Oder sehen wir uns bald auf der Epic Fail Night?

Vielleicht sehen wir uns ja auf der Epic Fail Night, aber dann nur als Zuhörer, um gemeinsam aus schlechten Entscheidungen zu lernen. Damit wir einen Bühnenauftritt vermeiden, haben wir alles unternommen, um unser Startup solide in die Zukunft zu führen. Sollte es doch nicht gelingen, im Bereich der Abwasseraufbereitung Fuß zu fassen, so haben wir noch einige Asse im Ärmel. Denn unsere Technologie können wir auch erfolgreich und gewinnbringend in anderen Bereichen einsetzen. Momentan stehen alle Ampeln auf Grün. Daher sind wir sehr zuversichtlich, dass wir unser Unternehmen im Fokusmarkt solide etablieren können.

7. Drei Beispiele, wo Ihr auf Plastik im Alltag ganz einfach verzichten könnt?

Leider ist Plastik mittlerweile eine sehr feste und nahezu unverrückbare Säule unserer Gesellschaft. Von daher wird es wohl über Generationen nicht möglich sein, rohölbasiertes Plastik komplett zu ersetzen. Ein Anfang ist es, auf unnötige Plastikprodukte bewusst zu verzichten. Drei Beispiele:

  • Lebensmittelverpackungen: Greift hier eher zu unverpackten Produkten. Die Verpackungsindustrie wird uns so lange Plastikverpackungen liefern, wie wir sie als Kunden kaufen. Wir als Konsumenten sind hier die Stellschraube.
  •  Plastiktüten: Lieber Papier, da dieses komplett abbaubar ist oder am besten gleich Multi-Use-Lösungen.
  •  Strohhalme: Entweder gar nicht verwenden, oder dann lieber zur Papiervariante greifen. Andere Länder wie Australien machen das schon sehr erfolgreich vor.

Wir sind aber der Meinung, dass die Vermeidung von Produkten hier nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg ist. Viel wichtiger ist zum einen, dass wir alle extrem bewusst recyceln. Nur so kann eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft funktionieren. Zum anderen sollten wir penibel darauf achten, unsere Umwelt bewusst sauber zu halten. Jeder kann zusätzlich etwas zur Reinhaltung beitragen: Bei jedem Spaziergang ein paar Stückchen Müll einsammeln und entsorgen. Wenn das alleine in München jeder Zehnte tun würde, dann könnten wir problemlos von den Straßen essen!

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