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„Mein größtes Talent ist meine Authentizität“

Miriam Haerst hat 2017 zusammen mit ihren Geschäftspartnern Stefan Leonhardt, Sebastian Pammer, Stefan Fischer und Alexander Henhammer das Münchner Hightech-Startup Kumovis gegründet. Das Unternehmen hat den ersten 3D-Produktionsdrucker mit Reinraumintegration entwickelt. Wir haben mit ihr über ihre Motivation, ihre Erfahrungen und ihren Gründerinnen-Alltag gesprochen.

Was hat Dich zur Gründung motiviert?

Während meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Medizintechnik der TU München kam immer wieder die Frage nach einem 3D-Drucker für Kunststoffimplantate auf. Da der Markt keine zufriedenstellende Antwort darauf geben konnte, haben wir angefangen, diesen Drucker selbst zu entwickeln. Die starke Resonanz auf unsere ersten Ergebnisse war dann so motivierend, dass wir ein Jahr später Kumovis gegründet haben.

Hattest Du Vorbilder beim Gründen?

Ich hatte kein konkretes Vorbild, bewundere aber jeden, der an eine Idee glaubt und diese auch in die Tat umsetzt. Dabei geht es nicht nur um allseits bekannte Persönlichkeiten, sondern auch Freunde, die zu einer Weltreise aufgebrochen sind oder ein Buch geschrieben haben.

„Die besten Ideen sind die, die tatsächlich umgesetzt werden“

Wann und wo bekommst Du die besten Ideen?

Ich besuche gerne Konferenzen und Fachveranstaltungen, um neuen Input zu bekommen. Die besten Ideen sind für mich allerdings die, die tatsächlich umgesetzt werden. Um eine Idee so weit zu schärfen, dass sie sich erfolgreich ausführen lässt, ist für mich zunächst die Diskussion mit anderen Menschen, vor allen meinen Kollegen, sehr wichtig. Sobald sich daraus ein ausgefeiltes Konzept abzeichnet, treiben wir die Idee im Unternehmen voran.

Dein größtes Talent?

Ich bin authentisch, das ist vermutlich mein größtes Talent. Und ich glaube, das schätzen die Menschen an mir. Sie wissen immer, woran sie sind und für was ich einstehe. Daraus ergeben sich häufig loyale Partnerschaften und Netzwerke, in denen wir uns gegenseitig unterstützen – sowohl privat als auch im Job.

Der größte Irrtum, dem Du je unterlegen bist?

Noch während meiner Doktorarbeit an der TUM dachte ich, ich sei zu ängstlich, um ein Unternehmen zu gründen. Nun – drei Jahre später – sitze ich in Verhandlungen über die Series-A-Finanzierungsrunde meines eigenen Startups und arbeite mit großartigen Kollegen und Partnern an der Zukunft der medizintechnischen Produktion.

Deine Geheimwaffe beim Networking?

Wahrscheinlich zum einen auch, dass ich authentisch bin, und zum anderen ein bisschen Ausdauer. Gerade wenn sich die Reihen lichten, werden die Gespräche intensiver und offener. Dann macht mir das Netzwerken richtig Spaß.

Richtiger Zeitpunkt für Kumovis

Erscheint es Dir gerade als eine gute Zeit, um zu gründen?

Sowohl für mich persönlich als auch für die Kumovis war es genau der richtige Zeitpunkt. Nach meiner wissenschaftlichen Tätigkeit an der Uni verspürte ich einen enormen Drang, an einem marktfähigen wie zukunftsträchtigen Produkt zu arbeiten. Und meine privaten Verpflichtungen ließen das Risiko einer Gründung zum Glück zu. Wenn die Gründeridee gut ist, helfen derzeit neben dieser intrinsischen Motivation auch vielfältige Netzwerke und Förderinstrumente. Kumovis hat bis heute viel Unterstützung bekommen, wofür wir sehr dankbar sind. Die schnelle Entwicklung der Kumovis während der vergangenen zwei Jahre war damit überhaupt erst möglich. Die Gründungsvoraussetzungen sind derzeit also gut – insofern die Idee dahinter zukunfts- und lösungsorientiert ist.

Die drei übelsten Vorurteile, die Dir im Gründeralltag begegnet sind?

Vielleicht bin ich auch zu gutgläubig für diese Frage, aber mir fällt aktuell kein Vorurteil ein, mit dem ich konfrontiert wurde.

Was liegt auf Deinem Schreibtisch gerade ganz oben?

Mein Notizbuch. Auch wenn im 3D-Druck die Digitalisierung mein täglicher Begleiter ist, in dem Bereich bevorzuge ich den analogen Weg. Stift und Papier habe ich fast immer zur Hand, und damit halte ich alles fest, was mir wichtig erscheint.

Wohin geht’s als nächstes in den Urlaub?

Es ist zwar nur ein Kurzurlaub, aber dennoch: Im Oktober geht es für ein Wochenende nach Südtirol zum Törggelen. Wandern in Kombination mit gutem Essen und Trinken zusammen mit Freunden – Genuss pur.

Weibliche Vorbilder in Technik und Führungspositionen sichtbar machen

Findest Du es wichtig, dass in Deutschland mehr Frauen gründen?

Frauen gründen ja, aber oft als Solo-Unternehmerinnen und weniger Tech-Startups. Deshalb finde ich es wichtig, weibliche Vorbilder allgemein in der Technik und in Führungspositionen sichtbar zu machen. Dadurch prägt sich diese Option in den Köpfen technikaffiner Mädchen und junger Frauen sowie von deren Eltern und Freunden hoffentlich noch vor oder bei der Berufswahl ein.

War es für Dich von Vorteil oder von Nachteil, eine Gründerin zu sein?

Gerade im technischen Umfeld fällt man als eine der wenigen Frauen oft auf, was einerseits manchmal anstrengend ist, andererseits aber zu dem Wiedererkennungswert und der Bekanntheit eines Unternehmens beitragen kann.

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