Die Scalable Capital-Gründer: Erik Podzuweit, Florian Prucker und Stefan Mittnik.
© Scalable Capital

Scalable Capital zieht sich aus der Schweiz zurück

Wegen einer neuen gesetzlichen Regelung lohnt sich für den Münchner Vermögensverwalter Scalable Capital das Geschäft in der Schweiz nicht mehr. Der Robo-Advisor zieht sich deshalb aus dem Nachbarland zurück.

Auf den ersten Blick scheint die Schweiz ein optimaler Markt für einen deutschen Vermögensverwalter zu sein: Die geographische Nähe, viele wohlhabende Einwohner, ein großer Teil der Bevölkerung spricht Deutsch. Problematisch ist allerdings, dass die Schweiz nicht Teil der Europäischen Union ist und damit nicht dem europäischen Finanzmarkt angehört.

Neue Regelung steigert den Aufwand

Zum 1. Januar 2020 tritt in der Eidgenossenschaft das Finanzdienstleistungsgesetz, kurz FIDLEG, in Kraft. Dieses regelt das Verhältnis von Finanzdienstleistern und ihren Kunden. Außerdem verpflichtet es Anbieter von Finanzprodukten, bestimmte Informations- und Transparenzstandards einzuhalten. Innerhalb der EU erfüllt die Richtlinie Mifid II einen ähnlichen Zweck.

Wie das Handelsblatt berichtet, erwartet Scalable Capital durch die neuen Vorgaben zusätzlichen Aufwand und Kosten. Die Münchner verlassen deshalb den Schweizer Markt. Gegenüber dem Handelsblatt erklärt Mitgründer Erik Podzuweit:

„Wir hatten in der Schweiz keine eigene Niederlassung, sondern haben das Geschäft von Deutschland aus betrieben. Dafür genügte es bisher, dass wir eine Lizenz als Vermögensverwalter von der deutschen Finanzaufsicht Bafin haben und die Vorgaben der Mifid II erfüllen.“

Um weiterhin Schweizer Kunden bedienen zu dürfen, so Podzuweit, hätte das Unternehmen auch die Vorgaben des FIDLEG erfüllen müssen. Dieser Aufwand hätte sich nicht gelohnt. Zum Jahreswechsel werden die Depots der Schweizer Kunden deshalb aufgelöst.

Scalable Capital hält sich Rückkehr in die Schweiz offen

Das Fintech hat den Schweizer Markt indes nicht aufgegeben und hält sich eine Rückkehr offen. Das bisherige Geschäft in der Schweiz wurde von Deutschland aus über eine deutsche Depotbank in Euro abgewickelt. Podzuweit sagt dem Handelsblatt, dass dies ein Nachteil gewesen sei, da die Schweizer ihre Finanzgeschäfte doch lieber in Franken abwickelten.

„Wenn wir den Markt in Zukunft erneut in Angriff nehmen, dann entweder mit einer eigenen Niederlassung oder einem lokalen Partner“,

so Erik Podzuweit.

Mit einem verwalteten Vermögen von über 1,5 Milliarden Euro und mehr als 50.000 verwalteten Portfolios ist Scalable Capital nach eigenen Angaben Marktführer in Kontinentaleuropa.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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