ITK-Branche weiter im Aufwind

Allen trüben Wirtschaftsprognosen zum Trotz erwartet Bitkom, dass sich der Aufschwung in der IT- und Telekommunikationsbranche (ITK) auch 2020 fortsetzt. Neben den Umsätzen soll nach Einschätzung des Branchenverbands auch die Zahl der Arbeitsplätze kräftig steigen. Um im internationalen Vergleich mithalten zu können, fordert Bitkom von der Politik dennoch ein Umdenken.

Das Geschäftsklima in der ITK-Branche hat sich zuletzt kräftig aufgehellt. Im Oktober lag der Bitkom-Ifo-Digitalindex noch bei 19,2 Punkten — der niedrigste Wert seit sieben Jahren. Zum Jahresende stieg der Geschäftsklimaindex von Bitkom jedoch noch auf 26,9 Punkte und macht die Talfahrt seit Mai 2019 wieder wett. Die positiven Rahmenbedingungen bilden sich auch in den Umsatzerwartungen der ITK-Branche ab: Der deutsche Markt für IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik soll in diesem Jahr um 1,5 Prozent auf 172,2 Milliarden Euro wachsen. Im vergangenen Jahr erwartete Bitkom ebenfalls ein Wachstum von 1,5 Prozent. Diese Prognose wurde deutlich übertroffen: Die Umsätze legten 2019 um 2,0 Prozent auf 169,6 Milliarden Euro zu. Bitkom-Präsident Achim Berg sagt:

„Das stabile Wachstum der Bitkom-Branche ist Ausdruck der zunehmenden Digitalisierung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Das gilt auch und gerade für das wirtschaftlich allgemein sehr schwierige Jahr 2019, das von Handelskonflikten, konjunktureller Eintrübung und Brexit-Streit geprägt war.“

Einzelne ITK-Segmente entwickeln sich sehr unterschiedlich

Das größte ITK-Teilsegment, die Informationstechnik, gewinnt weiter an Bedeutung. Die Umsätze steigen in diesem Bereich nach Bitkom-Berechnungen 2020 um 2,7 Prozent auf 95,4 Milliarden Euro. Am stärksten wächst der Bereich Software mit einem Plus von 6,4 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro. Der Markt für Telekommunikation, das zweitgrößte ITK-Segment, soll Bitkom zufolge 2020 um 0,9 Prozent auf 68,8 Milliarden Euro zulegen. Das dritte und kleinste Marktsegment Unterhaltungselektronik befindet sich weiter auf Talfahrt. Laut Bitkom-Prognose fallen die Umsätze 2020 um 7,0 Prozent auf 8,0 Millarden Euro — dies würde das dritte Jahr in Folge ein Umsatzminus bedeuten. Berg sagt:

„Der Markt für Consumer Electronics ist derzeit weitgehend gesättigt. Zwar entwickeln sich die Preise nahezu stabil, aber die Verbraucher investieren derzeit lieber in Smartphones oder neue Dienste statt in Geräte der Unterhaltungselektronik.“

Positive Nachrichten kommen dagegen vom Jobmarkt. Im Laufe des Jahres 2020 entstehen in der deutschen ITK-Branche voraussichtlich 39.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Damit wären erstmals mehr als 1,2 Millionen Menschen in der Branche beschäftigt. Vergangenes Jahr schufen IT- und Kommunikationsunternehmen 42.000 zusätzliche Stellen. Seit 2016 gibt in diesem Bereich damit mehr als 200.000 neue Jobs.

„System Deutschland braucht einen Restart“

Trotz aller positiven Entwicklungen befürchtet der Digitalverband, dass Deutschland momentan den Anschluss an internationale Vorreiter der Digitalisierung wie Dänemark, Singapur, China und die USA verliert. Seine Forderungen an die Politik hat Bitkom deshalb in einer ‚Digitalstrategie 2025‘ zusammengefasst.

„Das System Deutschland braucht dazu mehr als ein Update, es braucht einen Restart“,

so Achim Berg. Im Rahmen seiner Digitalstrategie konzentriert Bitkom sich auf vier Handlungsfelder: Die Bildungspolitik soll nach Ansicht des Digitalverbands stärker in die Verantwortung des Bundes übergehen, damit einheitliche Standards gesetzt werden können. Zusätzlich fordert der Verband, dass Weiterbildungen mehr Anerkennung erfahren. Zweitens verlangt Bitkom höhere Investitionen in die Infrastruktur. Drittens müsse die öffentliche Verwaltung von Grund auf digitalisiert werden. Viertens soll die Politik den Datenschutz und den legitimen Einsatz von Daten neu denken, um diese in eine funktionierende Balance zu bringen.

Simon Tischer

Seit Dezember 2015 schreibt Simon Tischer für Munich Startup. Vorzugsweise berichtet er über Studien, Hintergründe und von Veranstaltungen. Er studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

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