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Gründerinnen gesucht: Die deutsche Startup-Welt unter der Lupe

85 Prozent der 2019 gegründeten Startups werden ausschließlich von Männern geleitet, 7 Prozent werden nur von Frauen geführt. Die verbleibenden 8 Prozent haben sowohl Männer als auch Frauen in der Führungstage. Dies hat eine Auswertung des Handelsregisters durch den Branchendienst Startupdetector ergeben.

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 2.289 Startups von insgesamt 3.493 GründerInnen ins Leben gerufen, so die Untersuchung. Der Frauenanteil lag dabei bei nur 11 Prozent und somit sogar noch unter den 19 Prozent, die die KfW für die Jahre 2016 bis 2018 angibt. Nach Bundesländern aufgeschlüsselt zeigt sich, dass in Bremen die meisten Startups existieren, die mindestens eine Frau in der Geschäftsführung haben (20 Prozent). Der geringste Anteil an Gründerinnen findet sich im Saarland (9,1 Prozent). In Berlin haben 16,7 Prozent der Startups weibliches Führungspersonal, in Bayern sind es 13,1 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der Betrachtung der Investments. So hatten von allen 982 Startups, die im zweiten Halbjahr 2019 eine Finanzierungsrunde abgeschlossen haben, 85 Prozent eine männliche, 9 Prozent eine gemischte und 6 Prozent eine ausschließlich weibliche Geschäftsführung.

Die Branche macht für Frauen in Startups den Unterschied

Mit Blick auf die einzelnen Branchen finden sich die meisten Geschäftsführerinnen bei Startups im Bereich E-Commerce. Dort haben 24,8 Prozent der Jungunternehmen weibliches Führungspersonal. Den zweiten Platz belegt der Bereich Lebensmittel (24,7 Prozent), dicht gefolgt von Gesundheit (23,5 Prozent). Es folgen auf Platz vier Personal (21,5 Prozent) und auf Rang fünf Dienstleistung (21,4 Prozent). Keine weibliche Leitung eines Startups gab es im Jahr 2019 in der Baubranche. Auch in den Branchen Mobilität (4 Prozent) und Blockchain/ Crypto (4,8 Prozent) gab es nur sehr wenige Gründerinnen.

Den Grund für diese ungleiche Verteilung vermuten die Studienautoren in der niedrigen Zahl an Absolventinnen in den entsprechenden Studiengebieten. Damit schließen sie sich der Einschätzung von KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib an, die zur Veröffentlichung des KfW-Startup-Reports sagte:

„Der Startup-Szene in Deutschland fehlen die Frauen. Deutschland kann es sich aber nicht leisten, auf die von ihnen ausgehenden innovativen Impulse und wirtschaftliche Dynamik zu verzichten. Deshalb müssen die Anstrengungen, Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufswege zu gewinnen, intensiviert und Hemmnisse abgebaut werden. Zudem sollten ökonomische Kenntnisse und Kompetenzen bereits in der Schule vermittelt werden. Nicht zuletzt muss der Zugang von Gründerinnen zu Wagniskapital verbessert werden, was die gesamte Startup-Community positiv beeinflussen würde. Denn mehr erfolgreiche Vorbilder würden weitere Frauen ermutigen.“

Außerdem zeigt die Statistik, dass Geschäftsführerinnen der 2019 gegründeten Startups im Schnitt etwas jünger als ihre männlichen Pendants sind. Geschäftsführer haben dagegen etwas häufiger promoviert oder verfügen über weiterführende wissenschaftliche Abschlüsse (Männer: 10,7 Prozent, Frauen: 8,6 Prozent). Zudem haben 28 Prozent der Männer in den letzten zehn Jahren bereits ein Unternehmen geleitet, unter den Gründerinnen haben nur 11,8 Prozent diese Erfahrung gemacht. Darüber hinaus halten sich bei Frauen B2B und B2C-Startups die Waage (49,4 Prozent B2B-Fokus), während Männer sich eher auf B2B-Startups konzentrieren (59,5 Prozent).

Über die Studie

Der Report von Startupdetector wertet innovative, zumeist digitale Unternehmen im Alter von nicht mehr als zehn Jahren als Startups, die ein signifikantes Wachstums- und Skalierungspotenzial aufweisen und meist digitale Zielmärkte adressieren. Grundlage der Untersuchung ist das Handelsregister.

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