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Daria Saharova von Vito One: Kapital für Proptech-Startups

Seit 2015 gibt es den Münchner Risikokapitalgeber Vito One, einen Investmentarm der hessischen Viessmann-Gruppe. Der Fokus liegt speziell auf Frühphasenfinanzierungen von Startups aus der Bau- und Immobilienbranche. Erfolgreiche Münchner Startups, in die die VC-Firma investiert hat, sind beispielsweise das Proptech Building Radar und das IoT-Startup Gridx. Das Gesicht der Investment-Firma ist Daria Saharova, die 2020 bei den German Startup Awards als „Investorin des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Wir haben mit ihr über Vito One gesprochen.

Munich Startup: Stellt Euch bitte kurz vor!

Daria Saharova: Sehr gern! Vito One ist der erste europäische Venture-Capital-Fonds mit Fokus auf Proptech, Energytech und Constructiontech, also Startups aus der Bau- und Immobilienbranche. Was uns besonders macht: Durch unser großes relevantes Netzwerk — auch in der Bau- und Immobilienbranche — können wir den Startups mit Zugang zu Wissen, Kunden, Talent und weiterem Kapital helfen.

Fokus auf Startups aus der Bau- und Immobilienbranche

Munich Startup: In was investiert Ihr bevorzugt?

Daria Saharova: Wir investieren seit 2015 von München aus in einer frühen Phase (Seed-Funding) in B2B- und B2C-Startups, die das Potenzial haben, die nächsten „Big Player“ zu werden. Aktuell haben wir 19 Unternehmen in unserem Portfolio, zum Beispiel Building Radar, eine KI-gestützte Suchmaschine für Bauprojekte, und das IoT-Startup Gridx — beide übrigens aus München!

Daria Saharova Vito One
Daria Saharova mit weiteren Gewinnern des „German Startup Awards“ 2020. Saharova wurde als „Investorin des Jahres“ ausgezeichnet. (Copyright: Sylvie Gagelmann/ Goodfeelography)

Vito One: Aktiv, aber nie im ‚Driver Seat‘

Munich Startup: Beeinflussen auch mal ganz persönliche Präferenzen Eure Investments?

Daria Saharova: Wir investieren hypothesengetrieben. Unser Ziel ist es, Unternehmen zu finden, die das Potenzial haben, einen hohen Return on Investment zu bringen. Dabei entscheiden die üblichen VC-Kriterien und weniger persönliche Präferenzen. Natürlich sollte man als Investor eine grundsätzliche Themenbegeisterung und Neugier mitbringen.

Munich Startup: Müssen Startups bei Euch Angst haben, dass Ihr Euch zu stark einmischt?

Daria Saharova: Nein, sie müssen auf keinen Fall Angst haben! Wir investieren in einer frühen Unternehmensphase und verstehen uns als Sparring Partner. Dabei unterstützen wir unsere Portfolio-Startups zum Beispiel aktiv im Beirat, sind aber nie selbst im “Driver Seat”. Die besten Investments sind die, wo ich am wenigsten tun muss.

Munich Startup: Wie lang braucht es von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Vertragsabschluss?

Daria Saharova: Das ist ganz unterschiedlich, meistens aber dauert der Prozess zwischen drei und sechs Monaten. Dabei kommt es auch darauf an, wie gut das Startup für die Due Diligence vorbereitet ist, wie hoch die Qualität der Unterlagen ist und wie die Verhandlung verläuft.

In der Seed-Phase besteht eine hohe Unsicherheit, daher spielt natürlich das Gründerteam eine große Rolle. Neben vielen persönlichen Treffen sind vor allem die sogenannten “Reference Calls” für uns wichtig und zeitintensiv. Dabei sprechen wir zum Beispiel mit BranchenexpertInnen, ehemaligen KollegInnen oder befreundeten InvestorInnen, um ein genaues Bild vom Team, Markt und Produkt zu bekommen.

„Das Momentum im Markt muss stimmen“

Munich Startup: Um erfolgreich zu sein, muss ein Startup…

Daria Saharova: … ein echtes und großes Problem zum richtigen Zeitpunkt lösen! Das klingt trivial, aber oft verzetteln sich GründerInnen, weil sie ihr Produkt oder Technologie so sehr lieben, dass sie dabei den Kunden vergessen. Auch das Momentum im Markt muss stimmen.

Munich Startup: Nenne uns das K.o.-Kriterium beim Pitch!

Daria Saharova: Ganz klar: das Team muss vorbereitet sein! Natürlich ist es eine Prüfungssituation und man kann auch nicht alle Fragen parat haben. Aber man merkt als Investor sehr schnell, ob sich das Team dafür vorbereitet hat und das Gespräch ernst nimmt.

Der Trend: Sustainable Tech

Munich Startup: Der Trend des Jahres ist…

Daria Saharova: … Sustainable Tech. Bei Vito One investieren wir in die Branchen, die mit die größten CO2-Schädlinge sind. Ich hoffe sehr, dass wir trotz der Corona-Krise die größte Krise nicht aus der Acht lassen — die Klimakrise.

Munich Startup: Was macht die Münchner Startup-Szene aus Sicht der Investoren richtig? Was könnte sie besser machen?

Aus meiner Sicht ist die Münchner Startup-Szene saustark und hat auch historisch eine unglaubliche Bedeutung! Vor allem was die Tech-Startups angeht, finde ich hier alle Komponenten für ein signifikantes Ökosystem, wie es das in Europa selten gibt. Was wir besser machen könnten, ist uns noch stärker zu vernetzen. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum ich letztes Jahr die 1E9-Denkfabrik mitgegründet habe, um einen Beitrag dazu zu leisten.

Die Münchner Startup-Szene sollte sich noch stärker vernetzen

Munich Startup: Last but not least: Auf wen gehen Startups zu, wenn sie mit Euch ins Gespräch kommen wollen?

Daria Saharova: Meldet Euch gerne direkt bei mir, liebe Startups! Für den “Background Check” vorab empfehle ich, mir bei Instagram zu folgen. Oder schreibt mir einfach per Mail!