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Nachhaltigkeit beschäftigt 9 von 10 Startups

Wie relevant ist Nachhaltigkeit für junge Unternehmen? Welche Barrieren gibt es und was sind aus Gründersicht Beschleuniger, um dieses Thema anzugehen? Techfounders, das Accelerator-Programm des Gründerzentrums UnternehmerTUM, ist diesen Fragen in einer europaweiten Online-Befragung nachgegangen.

Knapp 90 Prozent der befragten Startups geben an, sich bereits Gedanken zur Rolle und Relevanz von Nachhaltigkeit in Bezug auf ihr Geschäftsmodell gemacht zu haben — zum großen Teil (62 Prozent) sogar bereits vor ihrer Gründung. Nur 14 Prozent stufen den Aspekt als nicht relevant ein. Miki Yokoyama, COO von Techfounders, erklärt:

„Es freut mich sehr, dass sich fast 90 Prozent der befragten Startups bereits bewusst mit Nachhaltigkeitsthemen auseinandergesetzt haben. Der Großteil berücksichtigt diese bereits in den eigenen Prozessen. Immer mehr machen sich auch bei ihren Produkten, Dienstleistungen und ihren Geschäftsmodellen Gedanken dazu, wie sie Nachhaltigkeit integrieren können.“

Nachhaltigkeit aus Überzeugung

Zwei Drittel der teilnehmenden Startups haben bereits Maßnahmen für die Förderung von Nachhaltigkeitsthemen im eigenen Unternehmen umgesetzt. Ausschlaggebend ist dabei vor allem die interne Motivation, etwa durch Impulse von MitarbeiterInnen. Dies geben 89 Prozent der Jungunternehmen an, die bereits Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt haben. Äußere Einflüsse, etwa durch Geschäftspartner, Kunden oder Investoren, machen hingegen nur 53 Prozent geltend.

Eine Finanzierung unterstützt bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsmaßnahmen nur bedingt. Denn während unter den Startups ohne VC-Finanzierung 75 Prozent Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit realisiert haben, sind es bei solchen mit VC-Beteiligung lediglich 60 Prozent. Von (potenziellen) Investoren zu Nachhaltigkeitsthemen angesprochen wurden 26 Prozent der Startups.

Positive Auswirkungen auf das Geschäft

Die meisten Startups (83 Prozent), die Zeit und Geld in Nachhaltigkeit investiert haben, bestätigen spürbar positive Auswirkungen auf ihr Geschäft. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Kundengewinnung und -bindung (64 Prozent Zustimmung), Wettbewerbsvorteile (61 Prozent) und beim Gewinnen neuer MitarbeiterInnen (57 Prozent).

Danach gefragt, was sie daran hindert, Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen oder Vorteile aus ihnen zu ziehen, gaben die meisten Startups zu bedenken, dass der Nachhaltigkeitsbegriff zu unscharf ist, weswegen es an direkter Messbarkeit fehlt. Aber auch die mit den Maßnahmen verbundenen Kosten sowie die unerwartete Komplexität von deren Umsetzung haben einigen Startups Probleme bereitet. Miki Yokoyama betont:

„Unsere Umfrage zeigt, dass sich ein Großteil der befragten Startups auf einem guten Weg befindet. Dabei wollen wir sie bestmöglich unterstützen. Zudem gilt es, dieses Bewusstsein auch bei Venture-Capital-Unternehmen zu schärfen. Wir hoffen mit diesen ersten Erkenntnissen Gründerinnen und Gründer sowie Venture Capitals gleichermaßen zu inspirieren, aktiv zu werden.“

Über die Umfrage

An der Online-Umfrage nahmen insgesamt 282 europäische Startups aus unterschiedlichen Branchen teil. Davon wurden 87 Prozent nicht vor 2015 gegründet. Der Umfrage-Zeitraum war von Februar bis März 2020. Die Ergebnisse der Umfrage wurden in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsberatung Akzente in dem Whitepaper „Sustainability in Startups“ zusammengefasst und aufbereitet.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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