Die Nebumind-Gründer Franz Engel und Caroline Legler.
© Nebumind

Nebumind optimiert Bauteil-Produktion für Luft- und Raumfahrt

Das Startup Nebumind aus Taufkirchen bei München hat eine Software entwickelt, die die Qualität von Bauteilen vor allem in der Raumfahrt sicherstellt. Aber auch Produktionen im Bereich Luftfahrt, Automobil und Medizintechnik können von der Lösung profitieren. Co-CEO und Mitgründerin Caroline Legler stellt sich unseren 7 Fragen.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Caroline Legler: Wir sind Nebumind, gegründet von Franz (38) und mir, Caroline (32). Franz und ich haben uns in unseren vorherigen Jobs bei Airbus kennengelernt, wo Franz in der zentralen Forschung und ich im Innovationsbereich arbeiteten. Über 2 Jahre zogen wir für Airbus zusammen ein Spin-Off erfolgreich hoch, das auf Sensorik spezialisiert war, bevor wir uns vom Konzernleben verabschiedeten und uns selbstständig machten. Das Wissen rund um Fertigungen, Bauteilqualität und Datenverarbeitung kommt uns jetzt natürlich zu Gute.

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Caroline Legler: Um die Qualität von Bauteilen wie beispielsweise Flugzeugtüren während der Produktion zu überwachen, werden heute mehr und mehr Sensoren eingesetzt. Die Sensoren helfen allerdings nur dabei, die bekannten Schwachstellen zu überwachen. Oft genug weisen Bauteile am Ende der Produktion trotzdem Fehler auf, die man sich nicht erklären kann. Mit den heute üblichen Methoden ist es meist zu teuer und zu aufwendig, solche Fehler auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen. Stattdessen wird das fehlerhafte Produkt weggeschmissen oder repariert.

Aber auch wenn man genau weiß, woher ein Fehler rührt, passen Fertigungen die Maschinen nicht gleich an, da unklar ist, welche Nebeneffekte dies auf die Produktion haben könnte. So leben Fertigungen oft mit „kleineren Ineffizienzen“ oder müssen aufwendige Tests vor Anpassungen durchführen.

Nebumind hilft Produktionen, Ausschuss und Produktionskosten zu reduzieren

Nebumind entwickelt eine Software für Produktionen, die die Qualität von Bauteilen durch die gesamte Fertigung hindurch überwachen kann. Die Software sammelt dazu jegliche Produktionsdaten, die sie von Maschinen und Sensoren während der Fertigung eines Bauteils abgreifen kann, und baut daraus „digitale Bauteilzwillinge“, die der Werker sich am Laptop anschauen kann. Er kann zu jeder Zeit einsehen, welche Produktionsinformationen für eine bestimmte Stelle (x,y,z) im Bauteil vorliegen. So können Fragen wie z.B. „Warum habe ich bei jedem 5. Bauteil oben rechts einen Fehler?“ oder „Wenn ich die Geschwindigkeit der Maschine hochdrehe, beeinflusst das die Qualität meines Bauteils?“ schnell beantwortet werden. Nebumind hilft Produktionen somit, Ausschuss und Produktionskosten zu reduzieren.

Nebumind Analyseplattform
Ein Blick in die Analyseplattform von Nebumind.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Caroline Legler: Auf den ersten Blick mag das so scheinen: Mehr und mehr Softwarelösungen kommen auf den Markt, die Produktionsdaten sammeln und analysieren. Jedoch konzentrieren sich diese Lösungen auf eine effiziente Logistik in der Produktion oder eine hohe Auslastung der Maschinen. Wir haben bisher keine Software gefunden, die sich auf die Qualität von gefertigten Bauteilen konzentriert und diese auch durch die gesamte Produktionskette hindurch überwachen kann, egal um welche Maschine oder welchen Fertigungsprozess es sich handelt. Genau hier setzen wir mit unserer Software und unserem Fertigungswissen an.

Munich Startup: Gab es bereits einen Punkt, an dem Ihr beinahe gescheitert seid?

Caroline Legler: Ursprünglich wollten wir Nebumind zu dritt gründen, unser damaliger Mitgründer entschied sich jedoch vor Gründung, andere Wege zu gehen. Da er hauptsächlich für unsere Softwareentwicklung verantwortlich sein sollte, war das ein ganz schöner Schlag. Gute Softwareentwickler sind bekanntlich schwer zu finden. Glücklicherweise konnten wir aus unserem früheren Netzwerk heraus einen perfekten Nachfolger finden, der uns jetzt hervorragend unterstützt.

„Wir sind von unserer Lösung absolut überzeugt und wollen sie unbedingt in den Markt bringen!“

So oder so können wir sagen: Auch als unsicher war, wie wir weitermachen, war uns klar, dass wir weitermachen. Wir sind von unserer Lösung absolut überzeugt und wollen sie unbedingt in den Markt bringen!

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

Caroline Legler: In Zeiten wie diesen können wir uns glücklich schätzen — trotz Corona können wir recht uneingeschränkt an unseren Pilotprojekten weiterarbeiten. Vor allem im Bereich der Raumfahrtproduktion sind wir derzeit aktiv. Nicht zuletzt auf Grund der hohen Qualitätsanforderungen bei Satelliten und Raketen bekommen wir hier sehr positives Feedback. Wir sind aber auch mit Produktionen im Bereich Luftfahrt, Automobil und Medizintechnik im Gespräch. Allein im Luftfahrtbereich ist unsere Software für ca. 70.000 Maschinen relevant, wir haben also viel zu tun!

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Caroline Legler: München ist vielleicht nicht der günstigste Standort für junge Startups, hat sich jedoch in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Bayern bietet sehr viele Förderprogramme an, in und um München entstehen neue Netzwerke für Startups, und auch Investoren richten ihre Aufmerksamkeit mehr und mehr auf München. Für uns ist vor allem die Nähe zur Industrie und zu Forschungsinstituten (z.B. der Fraunhofer Gesellschaft oder dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt) wichtig, sowie zu den guten Unis hier in München, wo wir immer gerne nach neuen Mitarbeitern Ausschau halten.

Munich Startup: Coworking oder eigenes Office?

Caroline Legler: Nachdem wir die ersten 6 Monate unser Büro in der Motel One Lounge aufgeschlagen hatten und die letzten Monate in Coworking Spaces verbracht haben, freuen wir uns gerade wieder über ein eigenes Büro, das wir selbst gestalten und mit allem möglichen IT-Gadgets ausstatten können.

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