Das Manyfolds-Team (von links): Christian Kusmanow, Sebastian Gutmann und Frank Thomsen.

Manyfolds: Größenoptimierte und umweltfreundliche Versandverpackungen

Wer online einkauft, dürfte das Problem kennen: Ein kleiner Artikel oder übersichtlicher Einkauf kommt in einem viel zu großen Karton an, der zur Hälfte mit Füllmaterial voll ist. Das Münchner Startup hat diesem Problem nun den Kampf angesagt. Wie Umwelt und Händler von ihrer Lösung profitieren, erklären die Gründer im Interview.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Manyfolds: Hi, wir sind Guz und Frank, die Gründer von Manyfolds. Wir haben ein System entwickelt, mit dem größenoptimierte und umweltfreundliche Versandverpackungen on-demand erstellt werden. Guz (Sebastian Gutmann) hat einen Hintergrund als Industriedesigner mit vielen internationalen Erfahrungen, Frank ist ein Dot-com-erfahrener Entrepreneur, der viele Jahre als Berater und Innovationsprojektmanager tätig war.

Wir haben uns 2018 über einen Bekannten kennengelernt und das Projekt Manyfolds in seiner jetzigen Form aus der Taufe gehoben. Guz ist als CTO für die gesamte Technik zuständig, inkl. Hardware-Entwicklung, Prototypenbau und Software-Entwicklungskoordination. Zusätzlich bedient er auch noch unsere Pilotkunden und produziert mit unserem großen Schneideplotter die Verpackungen. Frank kümmert sich als CEO um die Themen Finanzen, Fördermanagement, Präsentationen, Wettbewerbe, PR und die gefühlt tausend weiteren Aufgaben. Für die Software-Entwicklung haben wir dann noch zwei sehr erfahrende Software-Architekten im Team. Christian ist als CIO zuständig für den Gesamtaufbau des Front- und Backends und alles um das Thema Entwurfsmuster-Design. Markus ist ein Spezialist im Bereich Objekt- und Bilderkennung und CAD-Konstruktionsautomatisierung.

„Durchschnittlich ist 50 Prozent Luft in den Verpackungen „

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Manyfolds: Für den mittelständischen E-Commerce, Einzelhandel und Industrie-Mittelstand bedeuten Versandverpackungen erhebliche Kosten und Stress: Weil in den allermeisten Fällen die vom Kunden bestellten Waren nicht zu den zur Verfügung stehenden Kartons passen und das Vorhalten verschiedener Kartonagensorten kostspielig ist, werden zu großvolumige Versandbehältnisse gewählt. Durchschnittlich ist 50 Prozent Luft in den Verpackungen. Dies hat zur Folge, dass höhere Ausgaben für Füllmaterialien und für den Versand entstehen. Ganz zu schweigen von den dadurch unnötigen CO2-Belastungen und den verstopften Straßen durch Logistikfahrzeuge.

Manyfolds vereinfacht das Thema Versandverpackungen drastisch. Unser Grundansatz: Mit Manyfolds konzentriert sich der Kunde nur auf seine Versandware und nicht darauf, wie diese Waren verpackt werden müssen. Denn das System in unserer App errechnet automatisch die größenoptimierte Verpackung inkl. schützenden Positionierungseinlagen — durch diese wird kein zusätzliches Füllmaterial mehr benötigt. Sogar das Ausmessen der Versandware wird dem Kunden abgenommen: Sind die Warendimensionen nicht vorrätig, genügen zwei Fotos mit der Manyfolds App und die Algorithmen der Bilderkennung nehmen die Vermessung automatisch vor.

Auch im Bereich Produktion geht Manyfolds innovative Wege: Der Kunde kann in Zukunft wählen, ob er durch kompakte Mietmaschinen bei sich im Betrieb vor Ort on-demand selbst produziert oder sich die Verpackung von Manyfolds extern erstellen und zuschicken lässt. Damit wird die Nutzungseintrittshürde deutlich gesenkt. Für unsere Pilotkunden haben wir übrigens schon mit der externen Produktion begonnen, die Mietmaschinen kommen dann nächstes Jahr.

Neue Verpackungen aus nur einem Material

Durch die komplett digitale Erstellung der Verpackungsschnittmuster sind darüber hinaus völlig neue Versandverpackungsarchitekturen mit nur einer Materialart und Materialqualität möglich. Dadurch reicht eine 3 Millimeter dicke, zu 100 Prozent recycelte Wellpappe durch entsprechende Faltungstechniken völlig aus, um selbst fragile oder schwere Objekte sicher zu verpacken.

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Manyfolds: Natürlich gibt es schon diverse Verpackungssysteme im Markt. Einerseits sind da die klassischen „wir haben jeden Karton“-Online-Anbieter. Die konzentrieren sich aber nur auf den möglichst massenhaften Abverkauf von Standardgrößen und kümmern sich nicht darum, die bestmögliche Verpackung für die Waren sicherzustellen. Andererseits gibt es die Anbieter von meist riesigen, automatisierten Systemen. Deren Lösungen sind insgesamt teurer, organisationsintensiver und haben bei Weitem nicht die Anwendungsvielfalt von Manyfolds.

Keiner unserer Wettbewerber hat die Ware-zu-Schnittmuster-Technologie inkl. Bilderkennung über App, plus die Positioniereinlagen-Technik, die eine füllmaterialfreie Versandverpackung auch bei mehreren Waren in einer Verpackung ermöglicht. Also unterm Strich: Nein. So etwas wie Manyfolds gibt es noch nicht im Markt.

Munich Startup: Was waren bisher Eure drei größten Herausforderungen?

Manyfolds: Bei einem Software-Hardware-Startup, das sehr in der physischen Welt agiert, gibt es fast täglich neue Herausforderungen. Neben der ständigen Herausforderung, immer ausreichend finanziert zu sein (besonders in Corona-Zeiten ein ‚Extra-Level‘), hatten wir für mehrere Monate einfach keine ausreichend große und bezahlbare Produktionsstätte in München oder Umgebung finden können. Wir haben einen 1,8 Tonnen schweren Schneideplotter, der schon durch seine Abmessungen nicht durch normale Bürotüren passt, sondern ein entsprechendes Hallentor benötigt. Glücklicherweise haben wir dann doch eine gute Location in Pasing gefunden, wo wir uns mittlerweile richtig zu Hause fühlen. Und natürlich gibt es immer mal wieder Stolpersteine in der Entwicklung und im Zusammenspiel von Hardware und Software. Aber letztendlich läuft das alles, manchmal muss man nur etwas mehr Geduld haben — für Entrepreneure psychologisch die größte Herausforderung.

Manyfolds nimmt Pilotproduktion auf

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

Manyfolds: Wir haben Ende März die Pilotproduktion aufgenommen, wir produzieren also jetzt für ausgewählte Kunden die größenoptimierten Verpackungen auf unserem eigenen Schneideplotter. Nebenbei entwickeln wir die eigene kleine Produktionsmaschine und die Software weiter. Mittlerweile erhalten wir quasi ‚vertriebslos‘ Anfragen von diversen Firmen. Die Geschäfte laufen also gut an.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Manyfolds: München ist von der Startup-Dichte der absolute Hammer, darum gibt es hier auch ein richtig gut funktionierendes Startup-Ecosystem. Wir durften letztes Jahr beim UnternehmerTUM Xpreneurs Inkubator-Programm dabei sein und haben dadurch wertvolle Kontakte in die ganze Startup-Branche aufbauen können. Das hilft uns beim Vorankommen jeden Tag. Seit diesem Monat sind wir übrigens auch Teilnehmer des LMU Entrepreneurship Center Programms, mit dem wir auch in die internationale Szene eintauchen werden. Darum: München ist für uns ein wichtiger Standort, um unser Startup voranzubringen. Ein kleines ‚aber‘ gibt es jedoch: In diesen schwierigen Corona-Zeiten wäre ein einfacherer Zugang zu Krediten und Kapital vorteilhaft, besonders für die vielen innovativen Startups die noch keine großen Umsätze haben. Aber da ist die Politik gefragt.

Munich Startup: Selbst kochen oder liefern lassen?

Manyfolds: Selbst kochen! Guz ist seit jeher begeisterter Hobbykoch und ist schon bis in die Molekularküche vorgedrungen. Frank kocht für die 5-köpfige Familie regelmäßig die Klassiker aus der italienischen und deutschen Küche.

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