Foto: Farminsect

Farminsect: Lokal produzierte Insekten als Nutztierfutter

Farminsect will es Landwirten ermöglichen, selbst Futtermittel für ihre Nutztiere aus Insekten zu produzieren. Hinter dem Agtech-Startup stehen unter anderem die Gründer von Cadami und Braufässchen. Im Interview erklärt das Gründerteam, warum Insekten das bessere Tierfutter sind.

Munich Startup: Wer seid Ihr und was macht Ihr? Stellt Euch bitte kurz vor!

Farminsect: Wir sind Andre, Thomas und Wolfgang und wollen mit Farminsect die Landwirtschaft revolutionieren. Thomas und Wolfgang kennen sich vom Programm Manage&More der UnternehmerTUM. Beide hatten zuvor bereits andere Startups gegründet und haben nach einem Wechsel zusammen nach einer nachhaltigen Geschäftsidee gesucht. Thomas (33) hat Elektrotechnik und BWL studiert und erfolgreich das IT-Startup Cadami gegründet. Wolfgang (34) hat Agrarwissenschaften und Biologie studiert und erfolgreich die Food-Startups Braufässchen und Pure Flavours gegründet.

Als die Idee von Farminsect geboren war, hat nur noch jemand für die Technik gefehlt. Da war es ein absoluter Glücksfall, dass über einige Ecken Andre mit zum Team gestoßen ist. Andre (27) hat Elektrotechnik studiert und bringt mehrere Jahre Berufserfahrung in der Entwicklung von dezentralen Anlagen mit.

Insektenproduktion ohne Vorkenntnisse

Munich Startup: Welches Problem löst Euer Startup?

Farminsect: Mit Farminsect wollen wir Tierhaltung nachhaltiger und effizienter gestalten. Dazu nutzen wir Insekten und die Konzepte der Kreislaufwirtschaft um hochwertiges Proteinfutter herzustellen. Die Produktion passiert direkt beim Landwirt. Dadurch werden Lieferwege gespart und es können regionale Reststoffe als Futter für die Insekten verwendet werden.

Üblicherweise müssen Soja und Fischmehl zu über 90 Prozent in die EU importiert werden. Dadurch entsteht eine starke Abhängigkeit der Futtermittelpreise von den Weltmärkten. In den letzten zehn Jahren haben sich die Preise für Futtermittel mehr als verdoppelt. Da Futtermittel für die meisten Landwirte den Großteil der Betriebskosten ausmachen, stehen bei weiteren Preissteigerungen viele Landwirte vor Betriebsaufgaben. Zusätzlich sind Soja und Fischmehl eine ökologische Katastrophe und zerstören unsere Regenwälder und Ozeane.

Durch unsere Lösung können Landwirte bis zu 20 Prozent ihrer Kosten für Futtermittel einsparen. Wir unterstützen dabei den Landwirt von Anfang bis Ende. Das Maschinenkonzept ist so gestaltet, dass es sich in jede Betriebsinfrastruktur einbinden lässt. Eine intuitive IT-Plattform überwacht alle wichtigen Prozessschritte und führt den Landwirt Schritt für Schritt durch den Produktionsprozess. So kann jeder, auch ohne Vorkenntnisse, erfolgreich mit der Insektenproduktion durchstarten.

„Larven-Ausbruch“ und andere Rückschläge

Munich Startup: Aber das gibt’s doch schon längst!

Farminsect: Insekten sind seit 2017 in der EU als Futter- und Lebensmittel zugelassen. Anfangs gab es einen großen Hype um Insekten-Burger und Co. Das war die Zeit, als wir uns überlegt haben, wo in der Wertschöpfungskette Insekten den größten Mehrwert schaffen können. Wir sind dabei schnell auf die Futtermittelbranche gekommen. Zum einen sind die Mengen dort astronomisch. Zusätzlich ist der Bedarf an Protein für Futtermittel aktuell durch umweltschädliche und teure Lösungen abgedeckt. Dies wollen wir ändern indem wir direkt mit den Landwirten zusammenarbeiten und regionale Kreisläufe entwickeln.

Munich Startup: Was waren bisher Eure drei größten Herausforderungen?

Farminsect: Am Anfang mussten wir erstmal selbst lernen wie man Insekten züchtet. Das war natürlich auch von einigen Fehlschlägen begleitet. Ich sag da nur „Larven-Ausbruch“!

Letztes Jahr haben wir uns für ein großes EU-Förderprojekt beworben. Dazu mussten wir ein interdisziplinäres Netzwerk aus Landwirten und Forschung aufbauen. Das war sehr zeitintensiv. Wir haben dabei aber viel gelernt und können jetzt auf ein solides Netzwerk als Fundament zurückgreifen.

Natürlich mussten wir auch die Bedürfnisse der Landwirte besser kennenlernen. Dazu haben wir mehrere Roadtrips gemacht und Landwirte in verschiedenen Regionen abgefahren. Ich hatte am Anfang großen Respekt vor dieser Herausforderung, war dann aber positiv überrascht wie aufgeschlossen die meisten Landwirte auf unsere Idee reagiert haben.

Pilotanlage ist in Planung

Munich Startup: Wie laufen die Geschäfte?

Farminsect: Wir sind aktuell noch nicht am Markt. Wir betreiben seit letztem Sommer einen Prototypen an der TU München. Damit produzieren wir aktuell ca. 50 kg Insekten pro Woche.

Unser nächstes großes Ziel ist die Inbetriebnahme der ersten Pilotanlage. Diese wollen wir im September bei einem der größten Aquakulturbetriebe in Bayern aufstellen. Die Pilotanlage wird dann ca. die 10-fache Menge an Insekten pro Woche produzieren.

Munich Startup: Wie schätzt Ihr den Startup-Standort München ein?

Farminsect: Ich finde, der Startup-Standort München hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Als wir mit unserem Projekt gestartet sind haben wir in kürzester Zeit so viel Unterstützung erhalten, dass wir extrem gut durchstarten konnten. München profitiert dabei sehr von den starken Gründerzentren wie TUM, LMU, FH München und Baystartup. Auch das Netzwerk zu Investoren und Business Angels ist in München sehr gut.

Munich Startup: Coworking oder eigenes Office?

Farminsect: Aktuell weder noch. Für uns ist das Technikum an der TU München mit unserem Prototypen viel wichtiger als das Office. Da sind wir sehr froh, dass wir bei der TUM Flächen im Lebensmittel-Technikum nutzen können. Da verbringen wir ca. 50 Prozent der Zeit. Wir arbeiten auch viel dezentral im Homeoffice. Wenn wir uns für Meetings treffen, dann aktuell im Coworking-Space.