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Gaia-X soll vernetzte Datenstruktur für Europa schaffen

Das europäische Cloud- und Dateninfrastrukturprojekt Gaia-X hat das Ziel, eine sichere und vernetzte digitale Infrastruktur auf europäischer Eben zu schaffen. Ein offenes und transparentes digitales Ökosystem soll Daten und Dienste verfügbar machen, zusammenführen und vertrauensvoll teilen. Auch Startups können hierbei ihren Beitrag leisten.

Gaia-X will die Grundlagen für den Aufbau einer vernetzten, offenen Dateninfrastruktur auf Basis europäischer Werte erarbeiten – im Vordergrund stehen dabei die strengen EU-Datenschutzstandards. Hierzu können sich Anbieter von Rechenzentren, Cloudlösungen, High-Performance-Computing (HPC) und sektorspezifischen Cloud- und Edge-Systemen mit Hilfe des Projekts untereinander abstimmen. Gleichzeitig soll dies die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern beenden und Wahlfreiheit ermöglichen. Hierfür sollen benutzerfreundliche Services entwickelt werden, mit denen Nutzer passende Anbieter identifizieren und unterschiedliche Angebote miteinander kombinieren können.

Dabei soll sowohl die digitale Souveränität der Nutzer von Cloud-Dienstleistungen als auch die Skalierungsfähigkeit europäischer Cloud-Anbieter ermöglicht werden. Auf diese Weise will Gaia-X es Unternehmen und Geschäftsmodellen aus Europa ermöglichen, weltweit wettbewerbsfähig zu sein.

Das Projekt geht auf eine Initiative von Deutschland und Frankreich zurück, inzwischen sind Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus sieben europäischen Ländern beteiligt. Dabei zeigt sich Gaia-X offen für nationale und europäische Initiativen mit ähnlicher Zielrichtung. Dies gebe dem Projekt ein entscheidendes Momentum für eine gemeinsame europäische Zusammenarbeit. Aufbauend auf existierenden Lösungen und deren Weiterentwicklung sollen so aus Europa heraus wettbewerbsfähige Angebote für die Welt entwickelt werden.

Die nächsten Schritte von Gaia-X

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire stellten am 4. Juni die nächsten Schritte von Gaia-X vor, nachdem das Projekt nun die Konzeptphase verlassen hat. Bundesminister Peter Altmaier sagt bei dieser Gelegenheit:

„Die Corona-Krise führt gerade der ganzen Welt vor Augen, wie wichtig die Digitalisierung ist: im Gesundheitssektor, in den Schulen, in den Unternehmen und Zuhause. Europa muss gestärkt aus der Krise hervorgehen und digitale Innovationen mit aller Kraft vorantreiben – für die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze der Zukunft. Mit Gaia-X gehen wir einen großen Zukunftsschritt in die Datenökonomie. Das Ziel ist ein digitales Ökosystem in Europa, das Innovationen und neue datengetriebene Dienste und Anwendungen hervorbringt. Wir laden alle europäischen und internationalen Partner, die unsere Leitprinzipen wie Offenheit und Transparenz, Vertrauen, Souveränität und Selbstbestimmtheit teilen, zur Mitarbeit ein.“

Der französische Minister für Wirtschaft und Finanzen, Bruno Le Maire, ergänzte:

„Der gemeinsame Wille Frankreichs und Deutschlands erlaubt es uns, die Grundlagen für eine echte europäische Dateninfrastruktur zu legen. Ausgehend von der Zusammenarbeit zwischen elf deutschen und elf französischen Unternehmen kann Europa eine neue Kultur der künstlichen Intelligenz voranbringen, die sich auf die Prinzipien der Offenheit, der Interoperabilität, der Transparenz und des Vertrauens stützt. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir dank unserer Daten Epidemien schneller und wirksamer überwinden können, sofern die Europäerinnen und Europäer Vertrauen in die Datensammlung und -speicherung haben. Mit Gaia-X können wir diese Voraussetzung einer sicheren Lösung bieten.“

Deutsche Verbände loben das Projekt

Verbände in Deutschland finden lobende Worte für Gaia-X. So sagt etwa Bitkom-Präsident Achim Berg:

„Die Gründung der GAIA-X-Organisation ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur. Wir begrüßen sehr, dass Deutschland und Frankreich vorangehen, um GAIA-X europaweit zu etablieren. Das Interesse in der Wirtschaft ist da – jetzt gilt es Fahrt aufzunehmen. GAIA-X muss möglichst bald erste Angebote auf den Markt bringen. Dazu braucht es eine arbeitsfähige und offene GAIA -X-Organisation, um das Cloud-Ökosystem zu steuern und die hochgesteckten Ziele zu erreichen.“

Auch Tina Klüwer, Vorstandsmitglied des KI-Bundesverbandes und Sachverständige der Enquete für künstliche Intelligenz des Deutschen Bundestages, begrüßt das Projekt:

“Wir begrüßen, dass die Bundesregierung mit Gaia-X eine Basis für europäische Dateninfrastrukturen schafft. Die KI-Unternehmen werden von Ihren Kunden auch verstärkt nach sicheren Cloud- und KI-Lösungen aus Deutschland und Europa gefragt, deshalb ist Gaia-X richtig und wichtig. Aber mindestens genauso wichtig ist, dass Gaia-X im internationalen Wettbewerb standhalten kann. Um die Abhängigkeit von amerikanischen und chinesischen Anbietern im Bereich der unternehmenskritischen Cloud-Infrastruktur zu verringern müssen europäische Cloud-Lösungen konkurrenzfähig sein. In Sachen Geschwindigkeit, Preis, Kundenorientierung und internationale Verfügbarkeit muss Gaia-X mithalten, sonst wird sich diese gute Idee auf dem Markt nicht durchsetzen können.”

Nicht-gewinnorientierte Organisation

Die Idee für Gaia-X kam erstmals im Februar 2019 anlässlich der Veröffentlichung eines deutsch-französischen Manifests über eine europäische Industriepolitik in Berlin auf. Nachdem das Konzept in weiteren Treffen vertieft wurde, konnte es im Oktober 2019 erstmals öffentlich präsentiert werden. Gaia-X soll von einer nicht-gewinnorientierten Organisation nach belgischem Recht gesteuert werden, die von 22 Unternehmen aus Deutschland und Frankreich gegründet wurde. Zu den 22 Gründungsmitgliedern gehören Amadeus, Atos, Beckhoff Automation, Bosch, der deutsche Internetknoten De-Cix, die Deutsche Telekom, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Friedhelm-Loh-Gruppe, Plusserver, Orange, SAP und Siemens. Aktuell arbeiten VertreterInnen aus rund 300 europäischen und internationalen Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen an Gaia-X .

Alle Interessierten, die ihre domänenspezifischen und technischen Anforderungen einbringen und aktiv mitarbeiten wollen, sind zur Mitarbeit bei Gaia-X eingeladen: Sowohl durch den Beitrag technischer Expertise, durch die Einreichung neuer Use Cases als auch durch die aktive und kontinuierliche Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe. Weitere Informationen dazu gibt es online.

Maximilian Feigl

Maximilian Feigl berichtet seit 2013 über das Digital Business. Schwerpunkt des studierten Politikwissenschaftlers sind die Verknüpfung von On- und Offline-Kanälen in Marketing und Handel sowie der Wandel am Point of Sales und die Digitalisierung des Einzelhandels. Nun freut er sich auf die Münchner Startup-Szene mit ihren kreativen Köpfen.

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